Inspiration

Das Paradies in Goa, Indien

Anand Semalty ist ein Brahmane wie er im Buche steht. Mit seiner Familie lebt er ein halbes Jahr in Goa und während der Regenzeit dort pilgern sie nach Österreich, um den Sommer hier zu verbringen. Wie der gebürtige Himalayaner zu seinem Wissen gekommen ist und was ihn dazu geleitet hat, seine kleine spirituelle Oase aufzubauen?

Birgit Pöltl25. Juli 2019 No Comments
Bhakti Camp ooom magazine

Anand stammt aus einer Brahmanen-Familie im Himalaya, in der das alte Wissen der Veden über viele Generationen mündlich weitergegeben wurde. Seine Ausbildung zum Astrologen und Sanskrit-Gelehrten erhielt er einerseits von seinem Großvater und andererseits während seines Studiums in Vrindavan. Mittlerweile bildet Anand Semalty mit seiner Familie eine lebendige Brücke zwischen Ost und West: ein halbes Jahr in Goa und über den Sommer, aufgrund der Regenzeit, in Österreich. Wie das kommt? Seine Frau Akasha stammt aus einem kleinen Ort in der Oststeiermark. Kennengelernt haben sie einander im Studium; Liebe auf den ersten Blick, wie beide bestätigen. Bereits in seinem Horoskop, das traditionell am 11. Lebenstag eines Babys erstellt wird, stand, dass Anand eine „Lady“ (damit ist eine Ausländerin in Indien gemeint) heiraten wird. Die drei Töchter von Anand und Akasha wachsen fünfsprachig auf: Hindi, Konkani (Goa-Sprache), Englisch, Deutsch und Russisch. Das Studieren von Yogaschriften, Feuerrituale und Mantra-Rezitationen sind Teil des „normalen“ Familien-Alltags. In Indien sowie in Europa.

Vedic Valley – Ein Kleinod im Dschungel. Das Reich der Familie Semalty im Norden des indischen Bundesstaates Goa nennt sich Vedic Valley und ist eine kleine spirituelle Oase, circa 15 Gehminuten vom Strand entfernt. Das kleine, persönlich geführte Yoga- und Ayurveda-Center im goanischen Dschungel – gesäumt von Cashew-Bäumen, Lemongras-Duft, Datteln und Natürlichkeit – beinhaltet auch eine Ayurveda-Oase, in der jeder Gast traditionelle Ayurveda-Konsultationen bei einem Arzt und den Masseurinnen genießen kann. Das Zentrum des Vedic Valleys bildet jedoch ein uralter, sagenumwobener Banyan-Baum. Hier, umgeben von Wurzelkraft und einer weit verzweigten Baumkrone, befindet sich auch der Meditations- und Ritualplatz. Die Farben Indiens, der Duft der Vielfalt sowie ein unglaubliches Spektrum an Yoga und Meditation, diese Faszination kann diesem besonderen Fleckchen Erde niemand mehr nehmen. Trotz – oder vielleicht gerade auch wegen – dieser Dichtheit an Sinneseindrücken ist die einmonatige Ausbildungs-Auszeit für viele ein lebenstransformierendes Ereignis. Im Vedic Valley lebt man in einem für Indien klassischen Gurukula-System: Jeder darf von jedem lernen und jeder Einzelne ist für das Wohl aller zuständig. Natürlich hat jeder Teilnehmer einen Rückzugsort im eigenen Bungalow, jedoch wird gemeinsam gegessen, gelernt, musiziert und gefeiert. Gegessen wird traditionell yogisch: vegan beziehungsweise vegetarisch, angereichert mit der Weisheit ayurvedischer Kochkunst. Alkohol und andere Drogen, die in Goa noch immer recht verbreitet sind, findet man in diesem Ashram nicht. Es stellt sich oft die Frage, ob man in 200 Stunden Ausbildung überhaupt Yoga erlernen kann. Ja, das kann man! 200 Stunden Unterricht in einem Monat sind ein dichtes Programm. Der Tag beginnt in der Dunkelheit um sechs Uhr morgens und mit einigen Pausen endet er um 21 Uhr. Sonntag ist frei.

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Die Tatsache, einen Monat lang aus dem Alltag ausbrechen zu dürfen, sich um nichts anderes zu kümmern als Yoga, das Leben und sich selbst, lässt die Teilnehmer in einem Monat tiefer in die Thematik eintauchen, als es oft in einer Jahres-Ausbildung stattfinden kann. Und nebenbei bemerkt: Eine Yoga-Ausbildung ist immer der Beginn einer lebenslangen und aufregenden Reise.

Tipp: SEVA INDIA Festival am 21. September 2019. Nähere Informationen unter: www.sevaindia.at

www.yoga-austria.info

25. Juli 2019