Inspiration

Paulette Pipe: Ruf der Seele

Mit ihrer unverwechselbaren, hypnotisierenden Stimme und dem Ruf, Meditationen aus dem Herzen zu leiten, schafft Paulette Pipe unglaubliche seelenberührende Erlebnisse. Die britische Pastorin, die in Kansas City lebt, ist eine bekannte Achtsamkeits- und Meditationslehrerin und Leiterin der ­globalen spirituellen Organisation „Touching the Stillness“.

CHRISTIANE SCHIEFER22. Dezember 2020 No Comments

Es geht darum, auf die eigene Intuition zu hören und Vertrauen zu haben. Wenn es dein Herz zum Singen bringt, ist es der richtige Weg für dich.

Sie haben am Gandhi-Retreat im Jänner 2020 teilgenommen. Kurze Zeit später erlebte die Welt eine globale Pandemie. Wie haben Sie diese Zeit in Erinnerung?
Ich wollte nie nach Indien gehen, was ironisch ist, weil für die meisten Menschen, die Meditation und Yoga lehren oder sich dafür inter­essieren, Indien das Ziel ist. Aber als ich die Einladung erhielt, wusste ich sofort, dass es das Richtige für mich ist. Ich konnte etwas beitragen und war auch offen dafür, etwas zu empfangen. Für mich war es schwer, die Fürsorge der Menschen des Retreats anzunehmen, umsorgt zu werden, ohne dass etwas im Gegenzug von mir verlangt wird. In meinen Workshops und Retreats kümmere ich mich um die Menschen, ihren Körper, ihren Geist und ihre Seele. Aber bei dem Gandhi-Re­treat habe ich gelernt, es anzunehmen, wenn sich jemand um mich kümmert.

2021 ist das Jahr der Transformation. Aber wird sich die Welt zum Besseren verändern?
Man kann etwas nicht heilen, wenn man nicht bereit ist, hinzusehen. Was in der Welt geschieht, ist nicht neu, das war alles unterirdisch. Es ist beängstigend, es ist überwältigend, aber es muss hochkommen, um besser zu werden. Es wird uns alle dazu brauchen, wir alle müssen unseren Beitrag zu einer besseren Welt leisten.

Ist Liebe die Antwort auf Rassismus, Polizei-Gewalt und Hass?
Eine meiner Überzeugungen ist, dass es bei jedem Einzelnen von uns beginnt. Was ist, wenn ich etwas in mir verändere, wie ich auf jemand anderen reagiere? Ich arbeite an mir selbst; ich überprüfe meine Vorurteile und Voreingenommenheit und setze mich für den Frieden ein. Wie erweise ich mich als Liebe? Ist es nur das Wort, das ich benutze, oder auch wie ich mit anderen interagiere, wie ich zuhöre? Besonders in spirituellen Kreisen, in denen wir uns als Einheit fühlen wollen, sagen die Menschen: „All lives matter“. Ja, das tun sie, aber wie kann alles Leben zählen, solange es Schwarze Leben nicht tun? Für viele Menschen ist es zu schmerzhaft, sie wollen nicht hinsehen, sie schweigen lieber. Wie können sie das? Solange wir nicht alle an diesem Ort des Friedens sind, hat keiner von uns Frieden. Ja, ich will Einheit, Gerechtigkeit und Liebe, aber nur darüber reden reicht nicht. Es reicht nicht aus, die Wahrheit zu kennen, man muss die Wahrheit leben.

Ich will Einheit, Gerechtigkeit und Liebe, aber nur darüber reden reicht nicht. Es reicht nicht aus, die Wahrheit zu kennen, man muss die Wahrheit leben.

Sie inspirieren viele Menschen, aber was oder wer inspiriert Sie?
Menschen, die mich sehr beeinflusst haben, sind Thích Nhất Hạnh, ein vietnamesischer buddhistischer Mönch, Schriftsteller und Lyriker. Obwohl er eine spirituelle Berühmtheit ist, ist er so bescheiden. Ich traf ihn vor einigen Jahren und es war unbeschreiblich. So demütig und mit meinem Geist verbunden möchte ich sein. Und meine Eltern, weil sie große Opfer für mich gebracht und mir ermöglicht haben, meine Gaben zu leben.

www.touchingthestillness.org

22. Dezember 2020