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Phänomen von Daur

Sie sind schneller, stärker und mächtiger, als es manch einem lieb ist. Die Influencer und Blogger von heute haben zum Teil mehr Follower als renommierte und alteingesessene Medien an Lesern. Caro Daur ist eine von ihnen. Sie hat es mit 22 nicht nur geschafft, mit einer Instagram-Fanbase von über einer Million Menschen eine neue Generation an Mode- und Lifestylefans anzusprechen, sie ist auch zur Meinungsbildnerin geworden. OOOM blickt hinter das Phänomen der Influencer und Blogger.

Gerald Schwarzinger & Jessica Schreckenfuchs4. August 2017 No Comments

Die Welt der sozialen Netzwerke hat in den letzten Jahren eine faszinierende Eigendynamik entwickelt und mischt mittlerweile als Big Player in der Medien- und Werbebranche mit. Sie ist das Sprachrohr einer neuen jungen Generation. So stark, dass sich in den letzten Jahren eine eigene Berufsgruppe dazu gebildet hat: die der Blogger und Influencer. Aber welche Chancen und Risiken bringt diese neue Art der Meinungsführung mit sich? Oder handelt es sich nur um einen flüchtigen Modetrend, der aus den sozialen Netzwerken bald wieder verschwindet? OOOM hat sich auf Spuren­suche begeben und ist tiefer in die Welt von Caro Daur und ihrer Berufsgruppe eingetaucht.

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Kraft eine einzelne Person mithilfe neuer Technologien und Medien aus dem 21. Jahrhundert Wellen schlagen kann. Atemberaubend schön, perfekt gestylt und modisch immer on top. Mit nur einem Mausklick ein Meinungsmacher einer millionenfachen Gefolgschaft. Man fragt sich unweigerlich: Wie machen sie das, diese Medien-Kids, meist gerade mal Anfang 20, die, wie es scheint, über Nacht zu unglaublichem Weltruhm gelangen? Perfektes Timing? Gutes Karma? Oder doch zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

Big im Business. Caro Daur, 22, lebt dieses Phänomen bereits seit mehreren Jahren und hat gezeigt, dass man auch in jungen Jahren als Bloggerin und Influencerin erfolgreich sein kann. In Deutschland ist sie eine der erfolgreichsten Fashion Blogger und fehlt auf keiner Party: Daur hat 1,1 Millionen Abonnenten auf Instagram, 120.000 Follower auf Facebook. Sie lebt den Traum vieler junger Frauen, die danach streben, ihre Hobbys und Vorlieben zum Beruf zu machen, inklusive BWL-Studium nebenbei. Mit ihrer Entourage an Followern gehört Caro Daur schon lange zu den Big Playern im Blogger-Business. Ihre Hauptaufgabe: gut aussehen, mehrmals täglich Posts auf Instagram verfassen und dadurch als Werbe-Muse zu Mode, Lifestyle und bestimmten Marken inspirieren. Aber was genau macht ein Blogger eigentlich? Und wie viel Arbeit steckt dahinter?

Interaktive Community. Das Wort „Blog“ oder „Weblog“ ist eine Zusammensetzung aus den Wörtern „Web” und „Logbuch” und lässt bereits erahnen, dass es sich bei einem Blog um eine im Internet einsehbare Sammlung von Artikeln handelt, in der jeden Tag überwiegend persönliche Eintragungen niedergeschrieben werden. Der Autor der Blog-Artikel (Blogger) dominiert die Texte meist mit der Ich-Perspektive und steht demnach über den Inhalten. Diese meist persönlichen Themen locken damit eine sehr eng gesteckte Zielgruppe an: die Leser. Diese können oft über Kommentarfunktionen gemeinsam mit dem Verfasser des Artikels diskutieren. Das gewünschte Resultat: eine interaktive Diskussions­community.

Hat man sich über einen Blog, YouTube-Channel oder anderen Social-Media-Profilen nun eine dementsprechende Gefolg­schaft aufgebaut, kommt das Influencer-Marketing (engl. to influence: beeinflussen) ins Spiel: Dabei werden gezielt Meinungsmacher mit einer reichweitenstarken Community für Marketing- und Kommunikationszwecke eingesetzt. Das Ziel ist es, auf Grundlage des Vertrauens der jeweiligen Zielgruppe zu den Influencern, die Wertigkeit und Glaubwürdigkeit der eigenen Markenbotschaft zu steigern.

Knochenjob. Klingt aufregend und simpel, ist es aber nicht immer. Denn als Blogger oder Influencer zählt das Posten, Bloggen, immer Up-to-date-Sein, Reisen und Shooten zum täglichen Job. Und das sieben Tage die Woche. Twenty-four-seven. Freizeit am Wochenende? Fehlanzeige. Denn als Blogger überlebt man nur, wenn man seine Anhängerschaft mehrmals täglich mit privaten Inhalten aus dem persönlichen Leben füttert. Vorausgesetzt, die Fanbase befindet sich im fünfstelligen Bereich. Privat ist dabei aber oft Auslegungssache. Denn nicht selten sehen sich Influencer und Blogger mit Vorwürfen der nicht offengelegten Werbekennzeichnung oder „unverschämt“ hoher Gagen konfrontiert. Auch Caro Daur, wie ein Interview mit ihr im „Manager Magazin“ Anfang Juli gezeigt hat. Aber was ist „unverschämt“? Ist es nicht immer ein Spiel zwischen Angebot und Nachfrage? Ein einseitiges Inserat in einem Top-Magazin kostet in der Regel mehr als ein Post eines Star-Bloggers. Vielleicht liegt auch darin der Grund, warum manche Medien aus dem Blogger-Bashing ein Spiel gemacht haben. Influencer laufen ihnen immer mehr den Rang in der Werbeindustrie ab.

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