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Portugal: Vielfältige Märchenlanschaft

In einer Welt voller malerischer Buchten, temperamentvoller Städte, traditionellem Essen und herzlichen Gastgeber – eine Beschreibung, die zum faszinierenden Land an der Atlantikküste der Iberischen Halbinsel perfekt passt. Eine Reise von der märchenhaften gebirgigen Mitte des Landes bis hin zur wunderschönen Algarve-Küste im Süden zeigt, wie vielfältig Portugal sein kann – landschaftlich wie kulinarisch.

Deborah Heiss10. Oktober 2019 No Comments
portugal sintra ooom magazin

Mit der Tram die steilen Hügel von Lissabon hochfahren oder in Porto ein Gläschen Wein auf der Sonnenterrasse trinken – Portugal gilt als Traumziel vieler, wenn einen das Fernweh übermannt. Die diversen Facetten des Landes erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, sind sie in ihrer Atmosphäre und ihren eindrücklichen Kulissen doch immer wieder ein neues Highlight. Nur eine halbe Stunde braucht man, um von Lissabon nach Sintra zu kommen. Ein kleines Städtchen von nicht einmal 10.000 Einwohnern, eingebettet in eine Landschaft, so reich an Kultur, Geschichte und Schönheit, dass sie von der UNESCO zur ersten europäischen Kulturlandschaft überhaupt erhoben wurde.

Paläste & Residenzen. Durch die pinienbedeckten Hügel ist das Klima angenehm frisch und ideal, um auch im Sommer die extravaganten Paläste und früheren Adelsresidenzen vor Ort zu erkunden. Die Touristen von heute wissen dabei die Vorzüge der Gegend genauso zu schätzen wie die Bewohner vor Hunderten von Jahren. Schon in Zeiten der muslimischen Besetzung bauten hier Könige und Aristokraten ihre Niederlassungen, um unweit der Hauptstadt die Sommermonate in mediterranem Klima, umgeben von Grün und sanften Meeresbrisen, zu genießen. Die von ihnen gepflanzten Gärten und Wälder vollenden die Natur der steinigen Hügel und der rauen romantischen Landschaft und bilden zusammen das einzigartige Bild der fast 1.000 Hektar großen Kulturlandschaft von Sintra, die sich als Teil des über 145 Quadrat­kilometer großen Sintra-Cascais-Naturparks, eines von 13 Naturparks in Portugal, eingliedert.

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Heute schon geträumt? Die schönste Sehenswürdigkeit des Gebietes ist dabei unbestritten der Palácio Nacional da Pena. Von vielen wird er (abgeleitet vom portugiesischen Wort „pena“) auch „Kummerpalast“ genannt – ein absoluter Widerspruch zu seiner Optik. Das Portugiesisch-Wörterbuch lässt aber auch noch eine andere Interpretation zu: „Penedo“ bezeichnet ein steiles Felsmassiv. Auf solch einem thront das imposante Schloss. Umgeben von weitreichender Landschaft, romantisch ausgeführt in seiner Architektur und in seiner Liebe zum Detail, mutet der Nationalpalast wie die portugiesische Variante des Schlosses Neuschwanstein an. Ein wahrer Märchentraum! Erbaut aus den Ruinen eines aus dem 16. Jahrhundert stammenden Klosters, ergibt sich durch den Einfluss von verschiedenen Stilrichtungen – der nach König Manuel I. benannten Manuelinik, der auch das Lissaboner Wahrzeichen Torre de Belém entstammt, dem maurischen Stil aus Nord­afrika und der romantischen Neugestaltung des 19. Jahrhunderts – ein sensationelles Bauwerk, das seinesgleichen sucht. Umgeben ist der Nationalpalast vom 85 Hektar großen Schlosspark, in dem exotische Pflanzen wie tasmanische Baumfarne oder japanische Azaleen angelegt sind. Wie prächtig dieser Ausnahmebau auf Besucher wirkt, beschrieb schon Richard Strauss eindrücklich, als er eines Tages nach Sintra reiste: „Das ist der glücklichste Tag meines Lebens. Ich bin nach Italien, Sizilien, Griechenland und Ägypten gereist, aber ich habe niemals irgendetwas gesehen, was Pena gleicht.“

Sintra ist voller Magie. Mitten im zauberhaften Gebirge blickt man vom Palast aus direkt auf das portugiesische Meer.

Königliches Residieren.  Die Imposanz von Schlössern und Palästen durchzieht die malerische Stadt von Sintra. Das Hotel Tivoli Palácio de Seteais stellt dabei eine Besonderheit dar. Der neoklassizistische Bau, ursprünglich für den niederländischen Konsul errichtet, ist ein Palast aus dem 18. Jahrhundert, der in den folgenden Jahrzehnten immer wieder aus- und umgebaut wurde. Während der geschichtsträchtige Hotelpalast mit seinen aufwendig restaurierten Einrichtungen Nostalgie versprüht und man in den Hotelzimmern schläft, als wäre man selbst Teil der portugiesischen Aristokratie, bringt das neue asiatische Wellness-Konzept die nötige Leichtigkeit, um sich nach einem spannenden Tag im Weltkulturerbe-Städtchen mit einer Gesichtsbehandlung verwöhnen zu lassen. Diese wird nämlich mit heimischem Colares-Wein gespickt, der in den Steilhängen der Stadt wächst.

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In vino veritas. Im Weinzimmer Seteais Colares hat man die Möglichkeit, lokale Weine und authentische portugiesische Köstlichkeiten zu probieren. Die benachbarte Weinregion Colares beheimatet geschmeidige, lebendige Weine mit vollmundigem Geschmack. Sie gehören zu den seltensten in Portugal und können – wenn sie richtig eingelagert werden – jahrzehntelang halten. Colares liegt 40 Kilometer nordöstlich von Lissabon und gehört seit 1908 zum kleinsten Weinanbaugebiet Portugals mit Herkunftsbezeichnung. Vor über 150 Jahren rettete die spezielle Anbaumethode der Weinreben dem portugiesischen Weinbau das Leben. Eine Reblaus-Epidemie zerstörte damals eine massive Anzahl der Weinberge des Landes, der Wein von Colares blieb aber nahezu unversehrt. Die Rebstöcke werden, in drei Meter tiefen Löchern eingegraben, auf sandigem Boden gepflanzt, wo sie in den darunter liegenden Schichten aus Kalk, Kreide und Basalt Wurzeln schlagen. Zusätzlich schützen die Weinbauern sie mit Schilfwänden gegen die rauen Atlantikwinde. Die Hektarerträge sind auf 50 Hektoliter für die roten und 70 Hektoliter für die weißen Sorten limitiert, meistens werden diese Obergrenzen jedoch bei Weitem nicht erreicht. Qualität kommt hier vor Quantität. Wer im Tivoli Palácio de Seteais zu Besuch ist, sollte sich daher eine Weinverkostung mit dazu passendem Menü gönnen. Zu einem Glas Malvasia und Ramisco werden heimischer Bergkäse, Fisch, Hummer oder Muscheln serviert. Eine herzhafte, aber sehr feine und qualitätsreiche Küche.

10. Oktober 2019