Inspiration

Positions­wechsel

Birgit Pöltl unterrichtet seit knapp 18 Jahren Yoga. Und dennoch erlebt sie die Weisheit dieser alten Wissenschaft jeden Tag aufs Neue. Ein Aphorismus aus einer tantrischen Schrift hat ihre Yogapraxis und ihre Einstellung zum Leben verändert: „Befindet sich der Suchende in Einklang/Ausrichtung mit der Natur, ist er bereit, offen und fähig, den Fluss des Lebens als Gnade, als Glück zu erkennen.“ In OOOM zeigt sie drei Wege, Yoga auf der Matte und im Alltag zu praktizieren.

Birgit Pöltl21. Dezember 2017 No Comments

Mit unserer persönlichen Ausrichtung steigt die Fähigkeit und Sensibilität , unsere individuelle Wahrheit und Großartigkeit zu erkennen. Glück ist absolut und unmittelbar mit der eigenen Ausrichtung und Einstellung zur Umwelt verbunden. Die Praxis der korrekten Ausrichtung wird im Anusara Yoga „Alignment“ genannt.

Fotos: Yogazeit, Reinhard Steiner

Zustand der Zufriedenheit. Der deutsche Neurobiologe Prof. Gerald Hüther beschreibt den Begriff der „Kohärenz“ darin, die Sinnhaftigkeit der Zusammenhänge zu erkennen und so in einen Zustand der Zufriedenheit zu gelangen. Jedes Leben strebt nach diesem Moment, in dem Denken, Spüren und Handeln eine Einheit bilden. Es ist kein Augenblick des Stillstands, sondern ein Moment des Handelns, der Bewegung, der persönlichen Weiterentwicklung. Der Moment, in dem man sich so richtig gut und sicher fühlt.

Eine gute Yogapraxis sollte Sie genau dorthin bringen: dass Sie den Körper optimal ausrichten („alignen“) und dadurch körperlich, mental und emotional einen Schritt in Richtung Kohärenz gehen. Die Veränderung in der Wahrnehmung ist meist schon nach wenigen Yoga-Einheiten spürbar.

Yoga-Positionen. Manche Yoga-Praktizierende fokussieren ihre Praxis auf körperliche Themenfelder, andere auf Selbstverwirklichung, wieder andere auf Schulung des Geistes. Der Einstieg in die Welt des Yoga passiert im Westen oft über Anatomie, Kinästhetik, also Yoga-Positionen. Diese „körperliche Arbeit“ ist jedoch untrennbar verflochten mit dem Geist. Körperliche und feinstoffliche Anatomie interagieren miteinander; die emotionale Haltung bedingt die körperliche Haltung und umgekehrt.

So wie sich Eindrücke und
Emotionen in unserer Körperhaltung manifestieren,
können wir über Körperhaltung und
gute Ausrichtung den Geist weit und offen werden lassen.

Dies ist ein effektiver und dennoch sehr einfacher Drei-Schritte-Fahrplan. Alle drei Schritte beginnen im Englischen mit „A“:

1. Attitude: Einstellung.
Die Einstellung bezeichnet die spirituelle oder emotionale Beziehung, die wir mit der Umwelt, mit der Welt an sich oder zueinander haben. Der Geist, die Qualität der Gedanken und Emotionen, sind immer als Erstes zu beachten.

Ein Beispiel? Ihr Herz ist gebrochen, eine Beziehung zu Ende. Körperlich betrachtet fallen in dieser emotionalen Trauersituation die Schultern nach vorne, der Oberkörper sackt in sich zusammen, der Kopf wird schwer. Betroffene erfahren dieses körperliche Fehl-Alignment dann zum Beispiel als Nackenschmerzen, als Tinnitus, Migräne, Kraftlosigkeit usw. Wenn wir Schultern und Nacken wieder in eine aufrechte Ausrichtung bringen, hilft das auch der Seele, aber: solange die innere Einstellung nicht geändert wird, kann die richtige Ausrichtung nicht alles heilen. Die Energie der Trauer wird die Schultern weiterhin aus der wohltuenden Ausrichtung herausziehen und wir müssen uns wieder und wieder „alignen“.

Ganz gleich, ob wir nun eine Yogaposition ausführen oder im Alltag agieren – es gilt, unsere Einstellung dazu zu beobachten und gegebenenfalls zu verändern. Wir haben die Wahl, wohin wir unsere Aufmerksamkeit lenken, und mit einem Ja von innen werden die Schultern ohne großen Kraftaufwand gut ausgerichtet bleiben.

Leave a Reply