Lifestyle & Travel

Prager Frühling

Die tschechische Hauptstadt an der Moldau hat sich von der einstigen kaiserlichen Residenzstadt zu einer pulsierenden Metropole entwickelt, wo die Wirtschaft ebenso boomt wie der Tourismus. Umgeben von Hügeln und verwinkelten Gassen, mit der größten Burganlage der Welt auf dem Hradschin, spürt man überall die Magie der Vergangenheit. Als multikulturelles Zentrum begegneten einander über Jahrhunderte hinweg tschechische, deutsche und jüdische Kulturen. Heute kommen viele Amerikaner, Asiaten und Russen in die Stadt: Zum Erleben. Zum Staunen. Zum Lieben. OOOM zeigt das neue Prag.

Marika Sokol1. April 2017 No Comments

Auch wenn er sonst immer die Welt retten konnte, in dieser Szene kommt Tom Cruise zu spät: Kristin Scott Thomas stirbt in seinen Armen, Emmanuelle Béart fliegt in ihrem Auto neben ihm und der Karlsbrücke in die Luft, und Jon Voight stürzt in die Moldau. Alle seine Agenten segnen das Zeitliche, und Ethan Hunt steht ratlos und verzweifelt vor der imposanten Kulisse Prags. „Mission Impossible“ spielte sagenhafte 452 Millionen Dollar ein und machte die Hauptstadt der Tschechischen Republik auch als Drehort weltberühmt. Ob Matt Damon in „Die Bourne Identität“, Samuel Jackson in „xXx“, Johnny Depp in „From Hell“ oder Daniel Craig als James Bond in „Casino Royale“: Sie alle kämpften, spielten und liebten sich durch das mondäne Prag.

Double für Paris & London.

Auch als Kulisse für Paris, Wien oder London hielt die magische Stadt der tausend Türme (auch wenn es tatsächlich nur 570 sind) schon her. Kaum eine andere europäische Stadt ist für Dreharbeiten so gefragt wie Prag.

Stolpernd schon im Staub,
Gebe ich Prag noch eine Nachricht.
Ich fühle mich wohl in deinen Wänden.
Die jungen Lippen, die ich liebte, waren auch die deinen.
NOBELPREISTRÄGER Jaroslav Seifert

Das liegt sicher auch an der hohen Dichte einzigartiger historischer Gebäude. Wo sonst als hier an der Moldau konnte die Residenzstadt des Heiligen Römischen Reiches unter Karl IV. entstehen, der Prag zur Goldenen Stadt machte. Er ließ auch die Karlsbrücke errichten, mit fast einem halben Kilometer Länge heute eines der meistfotografierten Bauwerke der Metropole. Prag verdankt Kaiser Karl viel. So gründete er 1348 die Karls-Universität, die älteste Universität Mitteleuropas, die heute mehr als 50.000 Studenten aus aller Welt anzieht. Prag wurde von Karl IV. zu einem der wichtigsten geistigen und kulturellen Zentren seiner Zeit ausgebaut. Schon möglich, dass man als Reisender diese Hauptstadt als Neuland erkundet, mit staunenden Augen und offenen Herzen. Da ist einerseits das alte, nostalgische Prag mit seinen Palästen, Kirchen und von Gotik und Barock geprägtem Stadtbild, das von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde: Karlsbrücke, Prager Burg, Rathaus oder die älteste Synagoge der Welt sind beliebte Touristenziele.

Von Musik bis Budweiser.

Prag ist aber auch die Stadt der Musik. Das internationale Musikfestival „Prager Frühling“ findet seit 70 Jahren im Rudolfinum statt (12. Mai bis 2. Juni 2017) und bietet führende Solisten, Sinfonieorchester und Kammerensembles aus der ganzen Welt. Wer dabei anstelle eines gut gekühlten Glases Wein ein traditionell tschechisches Bier trinkt, kann seinen Abend nicht besser ausklingen lassen. Denn tschechisches Bier, ob Budweiser, Pilsner Urquell oder Radegast, zählt zu den besten der Welt. Die Umgebung von Prag hat auch die höchste Dichte an Brauereien weltweit.

Das Schwarze Theater.

Neben einer imposanten Architektur aus allen Epochen und traditionellen Festivals hat Prag auch ein reges kulturelles Leben zu bieten. Das „Schwarze Theater“, bei dem schwarz gekleidete Schauspieler vor einer in Schwarz gehaltenen Bühne agieren, so dass man sie nicht sieht, ist weltweit einzigartig. Erst wenn sie Gegenstände in das Schauspiel integrieren und bewegen, scheinen diese zum Leben zu erwachen. Die aus China stammende Illusionstechnik brachte der Theatermacher Jiří Srnec in den 1960er-Jahren nach Prag. Sie eroberte von dort aus die Bühnen internationaler Festivals. Ein atemberaubendes Spektakel, das man auf jeden Fall bei einem Besuch einplanen sollte.

Magisch: Die Prager Altstadt. (Foto: shutterstock.com / kps1664)

Kafka, Smetana & Co. Prag ist aber auch die Stadt von Franz Kafka, Friedrich Smetana, Leoš Janáček, Antonín Dvořák und Milan Kundera, den großen Komponisten und Schriftstellern, auf deren Spuren man heute noch wandeln kann. Wenn Sie wissen wollen, wie der Mann lebte, dem wir Erzählungen wie „Das Urteil“ oder „Die Verwandlung“ verdanken, so können Sie gleich vier Wohnungen Kafkas besuchen, in denen er aufwuchs und als Erwachsener lebte, das Geschäft seines Vaters Hermann Kafka, seine Schule, Universität und seine Arbeitsstätten – aber auch sein Grab (www.kafka-prag.de).

Zentrum des Sports.

Prag ist auch die Stadt des Sports, wo begeistert Eishockey ebenso wie Fußball gespielt wird, die tschechischen Nationalsportarten. Das Strahov-Stadion galt einst mit einem Fassungsvolumen von 250.000 Zuschauern als das größte Stadion der Welt, wurde aber auf 56.000 Sitzplätze zurückgebaut und ist mittlerweile baufällig.

Dabei war Prag noch vor einigen Jahrzehnten, in den tristen Jahren des Realsozialismus, eine ganz andere Stadt. Es gab Polizei-Patrouillen auf dem Wenzelsplatz und Parteiplakate vom allzeit siegenden Proletariat. Dazu kamen Restaurants, die lediglich devisenkräftigen Besuchern aus dem Westen offen standen, während Einheimische und Ostdeutsche in heruntergekommenen „Hostinec“-Kneipen mit nikotingelben Vorhängen zu finden waren, wo sie für wenige tschechische Kronen bestenfalls „Knedlicky“ (Böhmische Knödel) zu zähem Gulasch serviert bekamen. Wer sich noch heute diese Zeiten zurücksehnt, muss nur aus der wunderschön restaurierten Altstadt mit der Straßenbahnlinie 5 ins traditionelle Arbeiterviertel Žižkov fahren, wo er dann in der Tat „touristenfrei“ speisen kann. Dort wurde vor hundert Jahren Jaroslav Seifert geboren, geistiger Vater des „Poetismus“ und Literaturnobelpreisträger 1984. Wer mit seinen Gedichten durch die Prager Altstadt streift, wird auf zauberhafte Weise erweckt. Und kann sich dann dem Nachtleben widmen, wo sich Prags junge, kreative Szene trifft. Prag ist in jeder Hinsicht eine Reise wert.

 

Leave a Reply