InspirationMagazin

Ralf Moeller: Kraftakt

Im mit fünf Oscars ausgezeichneten Heldenepos „Gladiator“ stand er an Russell Crowes Seite. Ralf Moeller, Deutschlands Hollywoodexport aus Recklinghausen, drehte mit Roland Emmerich und Ridley Scott und ist Arnold Schwarzeneggers Best Buddy. Die Coronazeit verbringt er in Deutschland, stand für Stefan Raabs neue Late-Night-Show „Täglich frisch geröstet“ vor der Kamera, reiste für Joko und Klaas‘ „Duell um die Welt“ nach Griechenland – und ist einer der Stars auf der neuen digitalen Plattform MEET YOUR STAR von OOOM. Im OOOM-Talk spricht er über Trumps unrühmlichen Abgang, Merkel, Anabolika, Österreichs Schauspielelite, sein veganes Leben – und warum er gerne den Bösewicht in einem James-Bond-Film spielen möchte.

GEORG KINDEL30. Dezember 2020 No Comments

Fotoshooting für OOOM Andre Kirsch

Sie haben Amerika unter Bush und Clinton erlebt, unter Obama und Trump.
Es hat nicht mehr diese  Lockerheit. Jetzt kommt  auch noch Corona hinzu. Die ganzen Fitness-Studios haben zu. Die wirtschaftlichen Probleme, die Restaurants sind nach wie vor geschlossen, alles muss draußen stattfinden. Es ist natürlich eine harte Zeit. Du hast einen abdankenden Präsidenten, der spaltet. Und du hast die Rassenprobleme, die auch immer irgendwo gebrodelt haben. Man spürt eine gewisse Angespanntheit. Ich habe mich immer auf Amerika gefreut. Im Moment bin ich froh, dass ich hier in Deutschland bin und auch hier arbeite. Ich habe genügend zu tun. Ich war gerade in London, danach in Griechenland für Joko & Klaas. Im Moment verpasst man in den USA nichts.

Amerika hat nicht mehr diese Lockerheit. Ein abdankender Präsident, der spaltet, Corona, die Rassenprobleme. Ich hab mich immer auf Amerika gefreut. Jetzt bin ich froh, in Deutschland zu sein.

Sie engagieren sich seit Jahrzehnten für Kinder und Jugendliche in Organisationen wie „Dolphin-Aid“. Was soll man jungen ­Menschen in einer solchen Zeit mitgeben?
Dass man Träume und Ziele hat und versuchen sollte, sie Wirklichkeit werden zu lassen. Selbst in schlimmen Zeiten. Und wenn wir in der Geschichte zurückblicken, ist selbst zu Zeiten von Pandemien, Seuchen oder Kriegen Gutes entstanden.

Sie waren schon mit 17 Jahren Sportler. Damals gab es kein Netflix, kein Fast-Food, kein Social Media. Haben es heute Jugendliche schwerer, Sport zum Bestandteil ihres Lebens zu machen?
Meine Mutter hat immer gekocht, da war täglich frisches Essen auf dem Tisch. Jugendliche heute gehen irgendwo in Burger-Buden und essen dieses salzige Zeug und Chips. Als ich Kind war, hatten wir von zehn Jugendlichen vielleicht zwei, die übergewichtig waren. Heute ist es genau umgekehrt. Als ich Arnold das erste Mal sah, dachte ich: Das kann‘s doch gar nicht geben. So kann sich doch keiner entwickeln mit so viel Muskeln. Im Sport lernt man sich zu überwinden. Heute verbringen Jugendliche mehr Zeit im Internet als beim Sport. Ich glaube, an der Schule wird Sport nicht mehr so gefördert, wie es mal war.

Fotoshooting für OOOM Andre Kirsch

Ihr werdet immer auch mal Gegenwind spüren. Aber man lernt, diesen Gegenwind auch auszuhalten. Wenn‘s zu einfach ist, kann es ja ein jeder machen.

Sie waren als Bodybuilder 1986 Mister Universum. Dieses Sich-Überwinden, auch weitergehen, wenn der Schmerz da ist: Beginnt Erfolg immer nur im Kopf?
Ja, auf jeden Fall. Ich war durchtrainiert, aber ich wollte mehr Muskeln haben, Definition. Wenn man Muhammad Ali, den größten Boxer aller Zeiten, gefragt hat, wann er anfängt zu zählen, hat er gesagt: „Wenn‘s weh tut, dann fange ich an zu zählen“. Das sage ich auch den Jugendlichen: So wie ihr euch im Sport überwinden müsst, müsst ihr euch vielleicht auch in der Schule überwinden. Da habt ihr Fächer, die euch nicht immer liegen. An denen müsst ihr arbeiten. Ihr werdet immer auch mal Gegenwind spüren. Aber man lernt, diesen Gegenwind auch auszuhalten. Wenn‘s zu einfach ist, kann es ja ein jeder machen. Und da gehört natürlich auch dazu, dass Sachen mal nicht klappen.

30. Dezember 2020