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Die Köck-Dynastie: Zwei im Diamantenfieber

Er gehört zu Österreichs bekanntesten Juwelieren. Mit 22 Jahren kam Reinhard Köck 1969 aus dem Waldviertel nach Wien und war auf der Suche nach einem Job. Heute, fast 50 Jahre später, residiert sein Traditionsunternehmen VON KÖCK an Wiens bester Adresse, dem Graben. Zwei Generationen von leidenschaftlichen Juwelieren engagieren sich für die gemeinsame Fortsetzung einer Geschichte, die mit viel Fleiß, Zufällen und der Liebe zu kostbaren und raren Edelsteinen begann.

Christina Zappella-Kindel5. Dezember 2018 No Comments
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Die Story seines Lebens, die ihn zu einem der bekanntesten Juweliere Österreichs machen sollte, begann ausgerechnet in einem Wiener Kaffeehaus. Reinhard Köck war jung, voll Tatendrang und verließ das verschlafen-ländliche Waldviertel im Norden Österreichs, um in Wien sein Glück zu finden. Während er sich mit diversen Aushilfsjobs über Wasser hielt, ging er täglich in ein kleines Kaffee in der Wiener Hegelgasse, um die Tageszeitungen nach Stellenanzeigen zu durchforsten. „Meine Mutter wollte, dass ich in Wien studiere, nur so richtig hatte ich meinen Weg noch nicht gefunden. Ich war auf der Suche“, erinnert sich Reinhard Köck an seine Anfangszeit.

Aus heiterem Himmel sprach ihn eines Tages ein Stammgast aus dem Café an und machte ihm ein Jobangebot. Der Mann war Generalimporteur der Kult-Uhrenmarke Omega und wurde in den nächsten Jahren zum Mentor und Lehrmeister des jungen Niederösterreichers, dessen Ehrgeiz und Wissenshunger ihm imponierte. Ohne jede Vorkenntnis tauchte Reini Köck in eine Berufswelt ein, die ihn bis heute faszinieren und nie mehr loslassen sollte. Er lernte das Geschäft des Juweliers und Uhrenexperten von der Pike auf, verbrachte viel Zeit in der Schweiz und bekam so früh Einblicke in die Welt edler Uhren und ausgesuchter Edelsteine. Nach fünf Jahren bei seinem Mentor verließ er das Unternehmen, um 1980 schließlich sein erstes eigenes Geschäft als selbstständiger Unternehmer zu eröffnen. „Aus Wertbeständigkeitsgründen habe ich mich für Juwelen entschieden – und unser Hauptgeschäftsfeld sind sie auch heute noch“, so Reinhard Köck. Das Unternehmen wurde stetig größer, 1995 kam es schließlich zum Umzug an Wiens erste Adresse, dem Graben. Felix, der einzige Sohn des Unternehmers, zeigte eigentlich kein großes Interesse am Geschäft seines Vaters und begann ein Studium der Ernährungswissenschaften. Nachdem man im Leben nichts erzwingen kann, war der Berufswunsch seines Sohnes auch nie ein Thema für den Vater. „Felix sollte während des Studiums jedoch nebenbei auch stundenweise für uns arbeiten“, so Köck senior. „Das war mir als Vater wichtig, um ihm nahezubringen, dass man etwas leisten muss, wenn man etwas verdienen will.“ Überraschenderweise entpuppte sich Felix nicht nur als extrem fähiger, sondern auch leidenschaftlicher Mitarbeiter, der eine Liebe zu Edelsteinen und Diamanten entwickelte und auch das nötige Talent mitbrachte. Nach einer Reise mit seinem Vater nach Hongkong zu einer Diamantenbörse begann Felix sein Wissen über Juwelen zu vergrößern: er absolvierte erfolgreich eine Ausbildung zum Gemmologen am Gemological Institute of America, dem weltweit anerkanntesten Institut für die Forschung und Lehre von Edelsteinen und deren Einstufung, in Kalifornien.

Hält der Trend, Diamanten zu kaufen nach wie vor an?

Felix Köck: Es wird vermehrt wieder auf Diamanten gesetzt, aber nicht zu pompös: schlichte, klassische und funktionelle Designs sind gefragt.

Reinhard Köck: Der Trend zum Diamanten ist unverkennbar, generell in unruhigen Zeiten sucht man im Unterbewusstsein nach gewissen wertigen Dingen.

Gibt es verschiedene Qualitätsmerkmale?

Reinhard Köck: Wir denken eher an Qualität als an Größe bei den Steinen. Wenn man sich beides leisten kann, dann ist das natürlich ein Traum. Aber ich empfehle eher Qualität als Größe. Einen Diamanten zu analysieren bedeutet uns viel: Wir erzählen dem Kunden alles über den Stein, den er kaufen will. Dazu braucht es nicht nur die branchenüblichen vier C – die vier Qualitätsmerkmale Carat, Color, Clarity, Cut (Gewicht, Farbe, Reinheit und Schliff, Anm.) –, sondern vor allem Vertrauen.

Woher beziehen Sie Ihre Diamanten?

Felix Köck: Es gibt vier große Quellen: Afrika, Kanada, Australien und Russland, wobei einige Minen bald erschöpft sein werden.

Sind die berüchtigten Blutdiamanten noch im Umlauf?

Felix Köck: Durch den Kimberley-Prozess (ein System, das durch staatliche Herkunftszertifikate den Handel mit Blutdiamanten unterbinden soll, Anm.) haben wir die Gewissheit, dass wir konfliktfreie Diamanten kaufen – das ist wie ein Gütesiegel.

Werden noch genug Diamanten gefunden, das heißt: Ist das Angebot noch größer als die Nachfrage?

Felix Köck: Zurzeit ist es so, dass jährlich das Angebot an Diamanten um fünf Prozent nachlässt, es werden also immer weniger Diamanten gefunden. Es wird so sein, dass die heutigen großen Diamantenminen wahrscheinlich spätestens 2040 versiegt sein werden. Dann bleibt nicht mehr viel übrig und es müssen neue Quellen gesucht werden.

Z: Lieber Qualität als Größe – wenn man sich beides leisten kann, ist das ein Traum!

Sind Diamanten ein gutes Investment?

Reinhard Köck: Der Diamant hat einen riesigen Vorteil: Er wird nicht nur als Investment gesehen, sondern er kann auch getragen werden. Man freut sich an seiner Schönheit und Besonderheit, ein Diamant altert nicht. Autos, Gemälden und antiken Möbeln sieht man das Alter an, einem Diamanten nicht. Er ist eine transparente internationale Sprache. Ein Diamant hat auf der ganzen Welt den gleichen Wert.

Was ist das gängigste Design?

Reinhard Köck: Den klassischen Solitär gibt es seit Jahrzehnten, der drückt ja auch etwas aus und wird immer noch speziell zu Verlobungen gekauft. In den USA ist es gang und gäbe, dass dafür mindestens drei Monatsgehälter ausgegeben werden. Leider ist das in Österreich noch nicht der Fall.

Wie viel muss man für einen Diamanten ausgeben?

Felix Köck: Bei uns gibt es Diamantringe für jede Geldbörse. Jedoch hat gute Qualität ihren Preis. Wir wollen jedoch auch die Millenniums-Generation als Kunden – denn das sind die Kunden der Zukunft.