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Riechen: Ein unterschätzter Sinn

Einer von fünf Sinnen ist der Geruchssinn (auch olfaktorischer Sinn genannt). Über 10.000 Duftnoten kann der Mensch unterscheiden. Dabei helfen uns rund 350 Riechrezeptoren. Aber wie das genau geht, ist noch weitgehend unerforscht. Düfte wirken direkt auf das limbische System, welches sich aus mehreren Strukturen zusammensetzt, wo unter anderem unsere Emotionen verarbeitet werden.

Luisa Gavira27. Juli 2020 No Comments
ooom sinnesorganen

Es gibt große Nasen, kleine Nasen, dünne Nassen und dicke Nasen. Im gesunden Zustand erfüllt die Nase hauptsächlich drei Funktionen: Sie wärmt, reinigt und befeuchtet die eingeatmete Luft, identifiziert Düfte und Gerüche, und ist außerdem an der Stimm- und Klangbildung beteiligt. Das äußere Erscheinungsbild von Nasen unterscheidet sich erheblich, dennoch dienen sie alle demselben Zweck: dem Riechen. Das Riechen ist für uns so selbstverständlich wie das Atmen. Seine Wichtigkeit wird uns erst dann bewusst, wenn wir durch einen Schnupfen (oder einer Erkrankung) nicht mehr in der Lage sind, zu riechen. In der Tierwelt wäre ein solcher Zustand lebensbedrohlich, denn Tiere sind auf das Riechen angewiesen. Durch den Geruchssinn können sie Nahrung identifizieren und zum Beispiel faule und verweste Lebensmittel meiden. Aber auch für das Paarungsverhalten spielt es eine Rolle, so können unterschiedliche Körpergerüche wahrgenommen werden und männliche Artgenossen werden durch Sexuallockstoffe (Pheromone) der weiblichen Tiere angelockt. Es signalisiert die Geschlechtsreife. Tiere setzen aber auch Duftmarken, folgen Duftspuren oder kommunizieren über sie. Auch bei uns Menschen kann das Riechen bzw. Nicht-Riechen lebensbedrohlich sein, beispielsweise bei einem Brand.

Auch hält es uns davon ab, saure, also schlechte Milch – und generell verdorbene Lebensmittel – zu uns zu nehmen. Dabei besteht jeder Geruch aus vielen verschiedenen Geruchsmolekülen. Riechen wir an einer Blume, gelangen die Geruchsmoleküle der Blume durch die Nasenlöcher in die Nase. Sie strömen durch die Atemluft an der Riechschleimhaut vorbei. Die Riechschleimhaut befindet sich im oberen Bereich der Nase und ist in etwa so groß wie eine 2-Euro-Münze. Insgesamt befindet sich ca. 20 Millionen Riechzellen auf ihr. Die Riechzellen sind mit einem Büschel feiner Sinneshärchen ausgestattet. Sobald die Geruchsmoleküle diese Härchen berühren, wird ein chemischer Vorgang ausgelöst, und dadurch wird die Riechzelle aktiviert. Dabei gilt, dass auf bestimmte Gerüche nur bestimmte Zellen reagieren.

Die Riechzellen werden also gereizt und senden über die Nervenzellen einen elektrischen Impuls an das Gehirn. Im Gehirn wird die Information im Riechzentrum verarbeitet und schließlich wird der Geruch wahrgenommen. Das Interessante dabei ist, dass das Riechzentrum eng mit dem Bereich des Gehirns verbunden ist, welcher für unsere Emotionen zuständig ist. Aus diesem Grund können Gerüche für uns auch bestimmte Emotionen auslösen.

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Wir erinnern uns an unsere Kindheit, wenn es zum Beispiel nach frisch gebackenem Apfelkuchen riecht (wie damals bei Oma) oder ganz individuell nach einem bestimmten Geruch. Was gut riecht, schmeckt meistens auch gut. Denn das Schmecken und Riechen gehören zusammen. Der Geschmack bildet sich nämlich aus den Geschmacksknospen im Mund aber auch größtenteils über den Geruchssinn. Wer das Experiment wagen möchte, der möge einem anderen die Augen verbinden und hält der Person eine Zwiebel unter die Nase. Gleichzeitig beißt diese in eine Banane. Durch die Zwiebel unter der Nase wird die Person die Banane nicht schmecken können. Auch wenn die Nase zum Beispiel verstopft ist, schmecken wir nichts mehr.

Auch in der Forschung stößt das Sinnesorgan auf viel Aufmerksamkeit, Forscher sind dabei, künstliche Nasen zu entwickeln. Diese könnten nämlich auch Krankheiten wie Lungenkrebs und Tuberkulose erschnuppern. Und das wäre natürlich ein großer Fortschritt hinsichtlich der Früherkennung von Krankheiten.

Partnerwahl: Man muss “sich riechen können”. Den meisten ist das überhaupt nicht bewusst, aber selbst die Partnerwahl ist vom Geruchssinn abhängig. Wenn „die Chemie stimmt“, kann das durchaus auf den Geruch bezogen werden. Düfte werden abgesondert und diese enthalten Informationen über die Beschaffenheit des Erbgutes. Experimente an Mäusen haben gezeigt, dass die Partnerwahl stark von der Beschaffenheit des Erbgutes abhängt. Am besten unterscheidet sich das Erbgut des Partners oder der Partnerin stark vom eigenen. Dadurch soll Inzest vermieden werden, der in der Regel zu Gendefekten bei den Kindern führt, um so möglichst gesunde Gene weiterzugeben. Es erhöht die Wahrscheinlichkeit für gesunde Nachkommen.

Fehlender Geruchssinn. Was aber, wenn der Geruchssinn nicht (mehr) vorhanden ist? Anosmie bezeichnet das Fehlen des Geruchssinns oder dessen Verlust. Es gibt unterschiedliche Gründe für eine Anosmie. Geruchsnerven können zerstört sein, aber auch chronische Entzündungen oder Hirntumore können dahinterstecken. Auf der einen Seite kann es sehr gefährlich werden, wenn man zum Beispiel einen Brand nicht riecht, auf der anderen Seite ist die Lebensqualität stark eingeschränkt. Viele Betroffene leiden darunter, dass sie angenehme Düfte nicht wahrnehmen können oder das Essen nicht mehr riechen und somit auch nicht richtig schmecken können.

Der Geruchssinn, ein allzu oft unterschätztes Sinnesorgan. Dabei steigert es die Lebensqualität enorm. Vom morgendlichen Café über den herrlich duftenden Brotgeruch des Bäckers nebenan, bis zu den Blumen, die im Frühling blühen. Ganz zu schweigen von den Gefahren, die wir durch unsern Geruchssinn wahrnehmen können. Im Alter wird der Geruchssinn schwächer. Auch Rauchen, Chemikalien und häufiger Kontakt mit Schmutz und Staub, können die Fähigkeit zu riechen, deutlich vermindern.

Bilder: pixabay.com

 

27. Juli 2020