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Roland Hauke: Klangvirtuose

In der kleinen niederösterreichischen Gemeinde Thaya baut Roland Hauke seit 55 Jahren E-Gitarren und Bässe mit einem Klang, den man kein zweites Mal findet. Über 250 Instrumente – alles handgefertigte Unikate, von denen es kein einziges Modell doppelt gibt – hat der ehemalige Professor designt, entwickelt und gebaut. Für OOOM traf Schauspieler Johannes Krisch, der früher selbst Musiker war und gerade seine erste E-Gitarre baut, den visionären Klangmagier, der die „Stradivaris unter den E-Gitarren“ (Krisch) entworfen hat, in seiner Manufaktur. Ein Gespräch über Musik, Klang, Virtuosität – und wie schnell das Leben zu Ende sein kann.

GEORG KINDEL28. Mai 2021 No Comments

Wie viele Gitarren haben Sie in Ihrem Leben gebaut, Herr Hauke?
Roland Hauke: Etwa 250 in 55 Jahren. Alles Unikate. Kein Instrument gibt es zweimal.

Herr Krisch, Sie bauen gerade Ihre erste E-Gitarre?
Johannes Krisch: Ja, und es ist nicht einfach.

Welche Empfehlung gibt jemand, der 250 Gitarren gebaut hat, einem Neuling auf diesem Gebiet?
Hauke: Ich bin eigentlich erstaunt, wie toll er das gemacht hat. Ich habe vor 55 Jahren so wie er begonnen von einer berühmten amerikanischen Firma eine Form nachzuempfinden. Johannes Krisch hat das sehr persönlich gemacht – mit einer ausgezeichneten handwerklichen Arbeit. Er ist ein sehr geschickter Handwerker. Seine Gitarre wird sehr gut klingen.

Herr Krisch, Sie haben immer schon mit Holz gearbeitet und in Ihrem Haus in Haugsdorf eine Werkstatt. Wie kommt ein Schauspieler auf die Idee, eine Gitarre zu bauen?
Krisch: Wahrscheinlich, weil ich so ein schlechter Gitarrist bin. Ich sammle Gitarren und bin ein gelernter Tischler. Da kam der Wunsch ein Instrument selbst zu erschaffen.

Wie lange braucht man für den Bau einer E-Gitarre?
Hauke: Das hängt von vielen Faktoren ab, ob Sie zum Beispiel Intarsien ins Griffbrett machen oder nicht. Dann ändert sich der Ton des Halses. Es sind oft sehr feine Nuancen und Unterschiede. Ich beginne immer mit einer Eins-zu-eins-Zeichnung, die dauert mit allen Details zwei Tage. Ich schaue sie mir immer wieder an und überlege mir, welche Hölzer ich nehme. Wird sie aus einem Stück Holz gemacht oder mehreren? Will ich zum Beispiel einen weichen Ton? Herr Krisch hat für seine Gitarre ein Ahorn verwendet, weich geflammt. Will ich zum Beispiel einen eher bluesigen Sound, einen weicheren, nehme ich ein weicheres Holz, Fichte oder Tanne beispielsweise. Ich überlege mir, welche Parameter das Instrument erfüllen soll, für welchen Zweck. Ist es eine Blues-Gitarre oder für Jazz, soll sie einen Doppel-Hals bekommen, wie lange soll die Mensur sein? Soll der E-Bass fünf Saiten haben oder vier? Man muss natürlich sehr präzise arbeiten, vor allem beim Griffbrett, das ist wirklich eine sehr komplexe Arbeit die Bünde richtig einzusetzen. Da muss man genügend Erfahrung sammeln. Ein gutes Instrument zu bauen dauert Wochen, manchmal Monate.

Sie bauen alles selbst per Hand?
Hauke: Ja.

28. Mai 2021