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Roland Hauke: Klangvirtuose

In der kleinen niederösterreichischen Gemeinde Thaya baut Roland Hauke seit 55 Jahren E-Gitarren und Bässe mit einem Klang, den man kein zweites Mal findet. Über 250 Instrumente – alles handgefertigte Unikate, von denen es kein einziges Modell doppelt gibt – hat der ehemalige Professor designt, entwickelt und gebaut. Für OOOM traf Schauspieler Johannes Krisch, der früher selbst Musiker war und gerade seine erste E-Gitarre baut, den visionären Klangmagier, der die „Stradivaris unter den E-Gitarren“ (Krisch) entworfen hat, in seiner Manufaktur. Ein Gespräch über Musik, Klang, Virtuosität – und wie schnell das Leben zu Ende sein kann.

GEORG KINDEL28. Mai 2021 No Comments

Inwiefern?
Hauke: Die Wölbung seiner Gitarre ist ziemlich flach, da hat er sich was dabei gedacht.

Sie vermissen also die Suche nach dem perfekten Sound bei vielen Musikern?
Hauke: In Österreich gibt es ja hochwertige Ausbildungen in Bezug auf Musik. In Wien ist in die Musik-Uni weltberühmt und hat eine wahnsinnige Reputation. Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Leute diesem wunderbaren Instrument der E-Gitarre widmen, den Tönen und Klängen, die man damit erzeugen kann. Sie sind nicht für jeden gleich und übrigens: man hört auch nicht jeden Tag gleich, das ist kein Witz. Je nach Wetter, Luftfeuchtigkeit oder Luftdruck klingt auch die Gitarre anders.

Herr Krisch, Sie waren ja Bassist und Sänger der Band Illegal, bevor Sie Schauspieler wurden. Der Keyboarder damals hieß Peter Hacker und ist heute Wiens Gesundheitsstadtrat. Wie waren Ihre Anfänge?
Krisch: Ich habe mit drei Jahren von meinen Eltern eine kleine Gitarre geschenkt bekommen und meinen ersten Song geschrieben, indem ich den Beatles-Hit „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ einfach nachgesungen hab, wie ich ihn zu verstanden geglaubt habe. Seit diesem Augenblick hat mich Musik nie mehr los gelassen. Ich habe dann immer heimlich auf der Gitarre meines Bruders geübt, wenn er außer Haus war, und mir auf Karopapier die Griffe aufgemalt. Ich musste immer akribisch aufpassen, wenn ich die Gitarre zurückgepackt habe, dass immer alles so drinnen war als wäre sie nie berührt worden, damit mein Bruder das nicht merkt.

Wie kamen Sie zum Gitarrenbau, Herr Hauke?
Hauke: In den 1960er Jahren war ich in der Schule und da sind die „The Shadows“-Platten in der Auslage gelegen. Ich dachte mir: Was sind das für Wahnsinns-Gitarren? Ich wollte selbst eine Gitarre bauen und habe dann fast zwei Jahre gewartet auf ein Bauteil. Lange später, es war 1980, hat man mich nach New York eingeladen und ich habe alles in Bauteile in einem Musikgeschäft in der 48. Straße investiert. Das erste Mal in meinem Leben habe ich drei Stockwerke voller E-Gitarren gesehen. Ich bin beinahe umgefallen. Ich habe Fotos mitgehabt von meinen Gitarren, die ich gebaut habe, und der Shopbesitzer hat – kein Witz – gesagt, wie er die Bilder gesehen hat: „Bleiben Sie gleich da, sie können morgen schon bei mir anfangen.“

Ihre Gitarren sind nur geölt, nicht lackiert. Warum?
Hauke: Weil Lack auf der Bühne zwar toll aussieht, aber beim Klang sind da Welten dazwischen. Ganz normales Holz ist außerdem sehr edel.

Sie haben 250 Gitarren gebaut und sind mittlerweile 74 Jahre alt. Wie lange werden Sie diese anstrengenden Arbeiten noch machen können?
Hauke: Ich spiele jeden Tag auf meinen Gitarren. Und ich baue weiter, solange ich kann. Ich bin ja schon bereits einmal gestorben, diesmal lasse ich mir Zeit.

Was ist passiert?
Hauke: Ich hatte bei der Hochzeit meines Neffen in der Kirche einen Herzinfarkt und war klinisch tot. Ich habe überlebt, weil die Messnerin eine Krankenschwester war und hinter mir lauter Ärzte saßen, darunter ein Anästhesist und der Gemeindearzt. Der Arzt hatte einen Defibrilator im Auto, so haben sie mich wiederbelebt. Ich bin auf dem Boden der Kirche aufgewacht und fragte: Warum liege ich hier im Gewölbe? Mir hat nichts wehgetan, mir war nur kalt. Ich habe dann drei Bypässe bekommen.

Fotos Roland Unger

28. Mai 2021