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Romana Hoffmann: Es ist nur Trash-TV!

MMag. Romana Hoffmann ist Akademikerin, erfolgreiche Kommunikationschefin bei einem Immobilienkonzern in Wien – und zog trotzdem freiwillig ins „Big Brother“-Haus. Für OOOM schreibt sie exklusiv, wie sie diese Isolation der anderen Art erlebt hat, als draußen vor der Tür die Coronakrise tobte. Ein Insider-Report aus der bekanntesten WG Deutschlands.

Romana Hoffmann28. April 2020 No Comments
Romana hoffmann SAT 1 Big Brother; Staffel: 13;
Romana hoffmann SAT 1 Big Brother; Staffel: 13;

SAT 1 Big Brother; Staffel: 13; (c) SAT.1

Der Voyeur, Richter und Rächer aus dem Patschenkino

Und da beginnen dann die Komplexitäten und Problematiken auf die der Sender und die Zuschauer so lange warten… es wird gestritten, diskutiert, hinter dem Rücken gelästert, der gestik- und mimiklose Zaunfunk (d.h. Gespräche der beiden getrennten Bereiche durch den zugemachten Zaun) bietet viel Platz für Interpretationen und stille Post, was zu unendlich vielen Missverständnissen führt. Manche verlieren sich in den unwichtigsten Themen. Und ich habe das Gefühl, dass einige vergessen haben, dass wir uns lediglich in einer Unterhaltungssendung befinden. Unterhaltung? Wirklich? Was wird dem Zuseher durch die viel zu kurzen täglichen Zusammenfassungen suggeriert? Kloppen sich die da drinnen tatsächlich die Köpfe ein? Leben in Streit? Ist die Romana wirklich so ein frustrierter aggressiver seelenloser Trouble-Maker? Leidet Michelle an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung? Ist Vanessa eine unordentliche Schlampe? Cedric ein berechnender Schauspieler, der jedem nach dem Mund redet? Philipp in Wirklichkeit schwul, nur gibt er es nicht zu? Tim versehentlich aus der Klapsmühle entflohen? Fragen über Fragen…und die alle öffentlich im Internet gestellt!

Es ist nur Trash-TV

Der Online-Duden definiert Trash als eine „Richtung in Musik, Literatur und Film, für die bewusst banal, trivial oder primitiv wirkende Inhalte und eine billige Machart typisch sind“. Ähnlich sieht das WAHRIGs Wörterbuch, wo Trash als „minderwertige Ware, Massenprodukt, minderwertige, seichte Unterhaltung, Literatur oder Kunst“ beschrieben wird. Das weiß doch jeder…oder? Nein, ich bin im Grunde kein Trouble-Maker, aber wenn es sein muss, dann scheue ich keine Konflikte. Ich habe kein Problem damit für eine Gruppe der Buhmann zu sein, wenn ich mir damit selbst treu bleibe; und mein Lebensziel war es auch nie, allen Menschen weltweit gefallen zu müssen. Ich arbeite tagtäglich daran, mich mit meinen Fehlern zu lieben und positiv durchs Leben zu gehen – trotz aller Achterbahnfahrten, die ich in meinen vierzig Jahren schon hinnehmen musste. Im Big Brother-Haus unter den unnatürlichen Bedingungen werden leider harmlose Kontroversen irrsinnig aufgebauscht. Eine Diskussion, die im normalen Leben am nächsten Tag schnell vom Tisch gewesen wäre, war tagesfüllend. Und ich mittendrin! Für die TV-Ausstrahlung für den Zuseher draußen natürlich voll spannend! Endlich geht’s mal zur Sache mit Tränen und Beleidigungen. Ich wurde für den Zuseher zur Persona non grata, zum Unruhestifter, zur depperten Österreicherin, die in eine Therapie gehört. Im Internet las man, ich solle mich verpissen, schämen, verstecken, verrecken – um nur die harmlosen Kommentare zu nennen. Hallo Shitstorm! Was meine Eltern, Schwester, Familie, Freunde und Kollegen während, und ich nach meiner Big Brother-Zeit über mich lesen mussten, ist hart. Das tut weh! Aber es betrifft nicht nur mich, auch alle anderen (meiner jetzt Ex-)Mitbewohner werden auf unterschiedlichen Online-Kanälen beschimpft, diffamiert, verurteilt, attackiert, gebrandmarkt, gedemütigt und ja, sogar bedroht! Hallo? Was geht da ab, bitte? Woher dieser Hass, diese Hetze?

SAT 1 Big Brother; Staffel: 13; (c) SAT.1

Das Wort Trash ist aus dem Englischen übernommen und bezeichnet dort Abfall, Müll, Unrat, Plunder. Die Bedeutung ist immer eine abwertende. Ob da der Trash-Zuseher etwas falsch verstanden hat? Es steht nirgendwo, dass die Kandidaten, Promis, Normalos, Personen, die an einer Trash-TV-Serie teilnehmen, abwertend zu beschimpfen sind. Trash soll unterhalten und Spaß machen, verzücken und faszinieren. Ab und zu fühlt es sich als Zuseher an, also ob man Schaulustiger bei einem Unfall wäre. Man weiß, dass es nicht korrekt ist hinzusehen, aber man ist gebannt und kann den Blick nicht abwenden. Wir sind einfach alle Voyeure.

Romana hoffmann SAT 1 Big Brother; Staffel: 13;

SAT 1 Big Brother; Staffel: 13; (c) SAT.1

Es ist nun mal so, dass viele Inhalte aus Zeitgründen im TV nicht gezeigt werden können. Versöhnungen, dass man Tränen lacht, Konflikte hat, sich ausspricht und danach wieder verträgt, das kommt eindeutig zu kurz. Meine Mama meinte, sie hat mich oft im Hintergrund beim Plaudern sitzen gesehen und war so enttäuscht, dass sowas nie ausgestrahlt wurde. Weil sie mich kennt und wusste, dass ich mit meinen Kollegen tiefsinnige empathische Gespräche geführt habe. Aber so ist es eben im TV. Es wird gezeigt was polarisiert und nicht die Lagerfeuer-Idylle mit Stockbrot und Liebesstorys. Daher kann ich nur betonen: Nicht alles immer so ernst nehmen, was man im TV sieht! Auch wenn man glaubt die Bewohner zu kennen, weil man sie täglich daheim vom Sofa aus sehen kann: So ist das nicht! Wir sind alle Menschen (ja, auch die aus Trash-Formaten!) mit Eigenheiten, unterschiedlichen Charakteren, Fehlern und viel Individualitäten. Kurze Zusammenfassungen im TV zeigen eine Person nie so wie sie mit all ihren Facetten wirklich ist. Wir lieben Trash-TV, daher: Nehmt bitte immer alles mit Humor! Die derzeitigen sowie die Ex-BB-Bewohner sind liebenswürdig durchgeknallte Menschen wie du (und ich), die absolut keinen Hass verdient haben! Nach meinen vier Big Brother-Wochen kann ich nur betonen: Ich bin selten von einer „Reise“ so voller Liebe, neuer Blickwinkel, Verständnis für mich und andere Menschen, Demut und Klarheit zurückgekommen! Meine Familie, meine Freunde & Bekannte, meine Büro-Family sind die Luft, die ich zum Atmen brauche, die wärmende Sonne, prickelnd wie ein kühler Sommerregen, und die Basis, die mich erdet. Ich liebe euch. Ich bin jetzt mehr ICH als jemals zuvor und doch mehr als jemals zuvor eine andere, eine souveränere Romana. Daher: Danke, Big Brother! Danke, meine lieben Mitbewohner!

Danke, für diese einzigartige, grenzgeniale Erfahrung und ein Danke an die Menschen, die mir seit Wochen so herzliche, liebevolle und neugierige Messages schicken. Schreibt und folgt mir gerne auf Instagram. Es gibt noch viel zu erzählen!

Fotos: SAT 1 Big Brother; Staffel: 13; (c) SAT.1

28. April 2020