Magazin

Ronny Kokert: Kampfsport-Weltmeister hilft Flüchtlingen

Er ist Österreichs mahnendes Gewissen für Menschlichkeit, Anstand und Würde in einer Zeit und in einem politischen Umfeld, wo dies nicht mehr selbstverständlich ist. Ronny Kokert, 51, ist Kämpfe zeit seines Lebens gewohnt.

Roberta Malizia15. Dezember 2021 No Comments

Als er mit 13 Jahren und einer schweren Knochenmarks­erkrankung in der Klinik lag, war die Diagnose düster: Sport, für den er schon als Kind brannte, schien nie mehr möglich zu sein. Doch Kokert hatte schon damals einen eisernen Willen, und wo ein solcher ist, ist bekanntlich auch ein Weg. Er begann sich mit fernöstlicher Philosophie zu beschäftigen, mit Kampfkunst, und ging Schritt für Schritt mit seinem Körper an die eigenen Grenzen und darüber hinaus. Mit 22 war er jüngster österreichischer Staatsmeister im olympischen Taekwondo, mit 28 Jahren Kampfsport-Weltmeister. 

Es ging ihm schon damals nie um das Bezwingen des anderen. Die eigentliche Kraft, das predigt er seit 1999, als er seine eigene Methode Shinergy entwickelte, liegt im Gedanken, im eigenen Willen. So verband er die Zen-Philosophie asiatischer Kampfkunst mit modernen Methoden der westlichen Sportwissenschaft. Eine Kombination, die Körper und Geist für die Herausforderungen des Alltags wappnet. 

Seinen größten Kampf führt er jedoch seit fünf Jahren, und es ist jener, der ihn zum modernen Helden macht. Zum Vorbild, dem wir alle folgen sollten. Eine Begegnung 2016 mit jungen Kriegs-Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Somalia im Aufnahmezentrum Traiskirchen ließ ihn erkennen, was Verzweiflung bedeutet, nackte Überlebensangst, Wut und existenzielle Sorgen, wie wir sie uns nicht vorstellen können. Er schwor sich, diesen schwer traumatisierten Jugendlichen zu helfen. „Zum richtigen Zeitpunkt wirst du den richtigen Lehrer finden, sagt man. Ich habe zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Schüler gefunden“, sagt Kokert, und es ist Weisheit, die aus ihm spricht. „Ich habe sie das Kämpfen gelehrt – damit sie nicht mehr kämpfen müssen.“ Er startete das Projekt Freedom Fighters. Und half, wo immer es ihm möglich war. Er sammelte Spendengelder für Flüchtlinge und schlich sich in Camps wie Moria und Kara Tepe in Griechenland, wo ganze Familien unter unwürdigen Bedingungen hausen müssen, um die Spenden direkt an die Ärmsten zu verteilen. Und zu dokumentieren, wie menschenunwürdig Europa mit Flüchtlingen umgeht.

In seinem neuen Buch „Der Weg der Freiheit“ lernen wir die Geschichten von Ismail, Ali, Sharif, Abbas und Mustafa kennen. Was wir von ihren bedrückenden Schicksalen lernen können, ist Demut. Was wir von Ronny Kokert lernen können, ist Courage, Mut und Engagement. Denn das sind wir alle diesen Menschen schuldig. 

www.shinergy.com

15. Dezember 2021