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Ruediger Dahlke: Ein Arzt für alle Fälle

Ruediger Dahlke, Bestsellerautor, Arzt und Psychotherapeut, baute im steirischen Gamlitz ein Gesundheitsresort, zu dem seine Fans aus ganz Europa pilgern. In OOOM zeigt Dahlke seinen Ort der Inspiration, Erfahrungen und Ideen, TamanGa.

Georg Kindel14. Februar 2017 No Comments

Sein Blick war immer stets nach vorne gerichtet. Das war schon vor Jahrzehnten so, als er für seine Thesen noch milde belächelt wurde. Bereits damals predigte Ruediger Dahlke, 65, Arzt und Pionier der Alternativen Medizinszene, Fasten als wirksames Mittel zur Vermeidung von Krankheiten. Heute werden ganze Therapiepläne neu gestaltet, seit die regenerierende Wirkung des Fastens für die Zellerneuerung wissenschaftlich bewiesen wurde. Seitdem hat Dahlke mehr als fünf Millionen Bücher verkauft, die in 28 Sprachen übersetzt wurden, und sich im steirischen Gamlitz ein Gesundheitsresort der anderen Art erbaut: Einen Ort der Stille mit Seminarzentrum, 30 Zimmern und einer Küche, die Peacefood serviert.

TamanGa ist ein Refugium, um sich zu finden. Eine große Anlage, in die Ruediger Dahlke viel Liebe, Zeit und vor allem Geld investiert hat: „Jetzt bin ich fast 40 Jahre lang Arzt und wollte einmal ein Zentrum haben, wo alles passt: vom Wasser bis zur Bausubstanz, der Energie bis zum Raum. Ich bin jemand, der gerne arbeitet, und das ist der Ort, wo ich dies kann.“ Der Berliner mit österreichischem Pass und Schweizer Wohnsitz spricht in OOOM über das, was im Leben wirklich zählt.

Herr Dahlke, wenn Sie Menschen nur eine einzige Botschaft vermitteln könnten, welche wäre das?
Eigenverantwortlich zu leben.

Vermissen Sie das bei den meisten Menschen?
Ja, obwohl es relativ verschieden ist. Die Schwaben, die Württemberger und die Deutschschweizer sind schon tendenziell mehr eigenverantwortlich. Viele andere verlangen ein Formular, das sie ausfüllen wollen, und beantragen Hilfe. Das ist so eine Haltung, die viel eingerissen und in der Medizin extrem hinderlich ist. Wenn man andauernd irgendwie draußen die Verantwortung und Schuld sucht, ist das falsch.

Projizieren viele Menschen die Verantwortung für ihre Gesundheit bewusst auf den Arzt?
Ja, sicher.

Es fehlt also das Bewusstsein: Ich bin für mich und meinen Körper, für meine geistige und seelische Gesundheit selbst verantwortlich?
Ich glaube, das ist das größte Problem. Das Gesundheitssystem ist mit einem Federstrich saniert, wenn die Leute das selbst verantworten müssen. Dann würde ein ganz anderes Gesundheitsbewusstsein auftauchen. Es hat natürlich auch immer eine Schattenseite, so wie alles, wenn man das jetzt über Finanzen macht. Dann gibt es natürlich Leute, die nicht zum Arzt gehen, obwohl sie es bräuchten, weil sie es sich nicht leisten könnten.

Das wäre dann eher das amerikanische System und wohl ein massiver Rückschritt.
Ja. Die gehen nicht, weil sie nicht können, weil es unbezahlbar ist. Das ist ja noch die grauenhaftere Art. Aber ich denke, wir müssten in der Medizin einfach ein paar Dinge ändern. Vernünftige Bewegung gehört in die Schulen rein, mit zwei Stunden in der Mittelschule ist das Thema Bewegung nicht abgegolten.

Sie haben mehr als 50 Bücher geschrieben, viele davon Bestseller, und haben das ganze Geld nun in Ihr Gesundheitsressort TamanGa investiert.
Mittlerweile sind es über 60 Bücher, einige habe ich auch mit anderen Autoren gemeinsam verfasst. Wir haben uns vorgenommen, bei TamanGa auf Qualität zu setzen. Die Zimmer sind Klausen, klein, aber auch fein. Es gibt insgesamt 30 davon.

Hier machen Sie Ihre Kurse?
Ja, jeweils sechs Tage. 80 % der Gäste sind Deutsche. Die fahren lange her, fliegen auch zum Teil.

Sitzen Ihre Fans großteils in Deutschland?
Die Stadt, wo ich die meisten meiner 114.000 Facebook-Fans habe, ist Wien. Ich habe in Österreich auch überproportional viele Vorträge gehalten. TamanGa ist eigentlich ein Heilungsbiotop.

Sie haben Ihre Dissertation über ein psychosomatisches Thema geschrieben, Asthma bei Kindern. War Ihnen damals eigentlich schon bewusst, dass die Psyche eine ganz wesentliche Rolle bei der Entstehung von Krankheiten spielt?
Der Verdacht war auf jeden Fall da, heute wissen wir es. Ich habe mich immer sehr für die Psyche interessiert, ich habe auch Psychologie studiert, aber das habe ich dann abgebrochen, weil es auf der Münchner Uni nur Statistik war. Es war nicht, was ich wollte. Ich wollte C.G. Jung, mindestens. Und damals war das einzige Buch, das zugelassen war, „Die Unwissenschaftlichkeit des Psychologiebegriffs bei Sigmund Freud“ oder so ähnlich. Dann habe ich das wieder aufgegeben und hab stattdessen Theologie studiert. Aber Medizin habe ich schließlich durchgezogen, was auch ein Segen war, ehrlich gesagt.

Sind Sie ein leidenschaftlicher Mediziner?
Ich habe immer sehr gerne gebastelt, geschnitzt, gemalt, in Chirurgie war ich richtig gut und habe sogar kurz überlegt, das ganz zu machen. Da hat man was gemacht und braucht nicht viel darüber nachdenken, ob das richtig oder falsch war. In der Inneren Medizin habe ich schnell nachdenken müssen, ob das noch Sinn macht, was wir da ausgeteilt haben. Psychiatrie war für mich dann sowieso inakzeptabel.

Läuft in der klassischen Schulmedizin einiges schief?
Ganz viel, ehrlich gesagt. Meine Kritik an der Schulmedizin ist keine fundamentale, weil ich sie nicht abschaffen möchte, aber für mein Gefühl gehört da total viel ergänzt und verändert. Ich meine auch lieber Komplementärmedizin als Alternativmedizin, denn eine Alternative möchte ich dazu nicht. Ein gebrochenes Bein gehört eingerichtet, genagelt, geschraubt. Das braucht man nicht zu diskutieren. Wir können danach noch darüber reden ob das jetzt ein Zufall ist, dass er sich das Bein gebrochen hat, oder ob das einen Sinn hat. Meine Doktorarbeit war schon sehr getragen von dem Gedanken: Eigentlich ist viel Seelisches dahinter. Wie ich dann mit dem Psychologen Thorwald Dethlefsen gearbeitet habe, stellten wir rasch fest: Das wird immer exponierter, was wir da machen, immer weiter weg vom Mainstream.

Da ging es auch um das Thema Reinkarnation. Wie oft haben Sie schon gelebt?
Das kann ich nicht zählen, oft sag ich mal, also viele Geschichten.

Wie viele Geschichten aus Ihrem früheren Leben haben Sie im Zuge dieser Reinkarnationsbeschäftigung bei sich selbst feststellen können?
Das kann man so eigentlich gar nicht sagen, weil da schaut man nicht das ganze Leben an, man schaut Ketten an. Man läuft wichtige Aspekte ab. Wir haben dann Hautwiderstandsmessungen parallel gemacht, damit man nicht irgendetwas erzählen kann, sondern damit man wirklich sehen kann, wie viel Ladung da drauf ist.