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Grüne Pharma: Sanofis nachhaltiger Weg

Der Gesundheitskonzern Sanofi verfolgt das visionäre Ziel, schon in drei Jahren ökologisches Design für alle neuen Produkte einzuführen und 2050 klimaneutral zu sein. Wolfgang Kaps, Geschäftsführer Sanofi Österreich und Schweiz, setzt die Agenda für einen sauberen Planeten auch hierzulande erfolgreich um. Ein Pharmariese wird grün.

Georg Kindel21. Juni 2022 No Comments

Sanofi hat klare Ziele, was Nachhaltigkeit betrifft: Strom aus 100 % erneuerbarer Energie bis 2030, schon in drei Jahren ökologisches Design für alle neuen Produkte, eine Reduktion der Treibhaus­gasemissionen bis 2030 um 55 %. Wie wollen Sie diese Ziele konkret erreichen?

Wir sind sehr stolz, dass wir erst kürzlich von S&P Global als eines der nachhaltigsten Unternehmen weltweit ausgezeichnet wurden. Wir schauen an allen Ecken und Enden, wo wir Maßnahmen setzen können und beziehen Nachhaltigkeit in all unsere Überlegungen und Prozesse mit ein. Ein konkretes Beispiel: Wir haben bei Sanofi Österreich Anfang 2020 ein höchstflexibles Arbeitsmodell mit orts- und zeitunabhängigem Arbeiten eingeführt. Das kommt nicht nur den Mitarbeitern entgegen, es führt auch zu weniger Verkehr, weil die Menschen nicht ins Büro fahren müssen. Unseren neuen Standort am Wienerberg führen wir zudem als Paperless Office und rüsten unseren Fuhrpark sukzessive auf CO2-neutrale Fahrzeuge um. Ein Großteil unseres CO2-Fußabdrucks stammt allerdings aus vorgelagerten Prozessen wie aus dem Einkauf oder dem Transport von Gütern. Um hier besser steuern zu können, haben wir etwa in Frankfurt für die Insulinproduktion eine eigene Propanoldestillation zur Rückgewinnung von Propanol gebaut. Damit sparen wir im Einkauf und Transport. Für das Öko-Design evaluieren wir auch unsere bestehenden Produkte. Bei einem unserer meistverkauften Devices, den Insulinpens, ersetzen wir zum Beispiel die Nylonfasern des Carry-Cases durch recycelbare Materialien, wodurch wir die negativen Umwelteinflüsse drastisch minimieren können.

Planet Mobilization ist Sanofis Programm für ökologische Nachhaltigkeit, das den gesamten Lebenszyklus der Produkte abdecken soll. Wie sieht der Masterplan dazu aus?

Unser Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu sein. Zu den wichtigen Meilensteinen auf diesem Weg gehören bis 2030 die Reduktion unserer Treibhausgasemissionen um 55 %, die Umstellung auf 100 % regenerativen Strom bei allen globalen Aktivitäten und die umweltfreundliche Ausrichtung unseres weltweiten Fuhrparks. Wir rüsten auch in Österreich bereits unsere Autoflotte kontinuierlich auf CO2-neutrale Fahrzeuge um. Planet Mobilization zeigt ganz konkret, wie wir uns für eine nachhaltige, gesündere Zukunft einsetzen: vom verantwortungsvollen Umgang mit Wasser über die Förderung der Artenvielfalt bis hin zur nachhaltigen Abfallwirtschaft. Sanofi hat sich weltweit zum Ziel gesetzt, bis 2025 eine Recyclingquote von 90 % zu erreichen: von 110 Standorten haben über 70 das Ziel bereits erreicht. Auch wir müssen unseren Teil im Kampf gegen den Klimawandel beitragen und Lösungen anbieten. Dafür nehmen wir den gesamten Lebenszyklus unserer Produkte unter die Lupe.

Zur Qualitätssicherung werden die Prozessschritte in der Insulinproduktion kontinuierlich überwacht.

Welchen Stellenwert hat dabei der Schutz von Wasser-Ressourcen?

Wir haben uns als Ziel gesetzt, an allen Sanofi-Standorten den Wasserverbrauch um mehr als ein Fünftel zu reduzieren.

Sie sind Teil der Race to Zero-Initiative. Für das ENERGIZE-Programm haben sich neun globale Pharmaunternehmen zusammengeschlossen. Ist es in Zeiten wie diesen besonders wichtig, gemeinsam zu handeln – auch mit Marktkonkurrenten?

Davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt. Innerhalb der letzten zwei Jahre sind alle Mitbewerber so eng zusammengerückt, wie ich es noch nie gesehen habe, um möglichst rasch produktive Ergebnisse liefern zu können. Das macht Lust auf mehr! Und was wäre besser geeignet als unser Planet, der unsere gemeinsame Zukunft ist und sein Erhalt eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung.

Ist das Einführen von Kreislauflösungen wie „Cradle zu Cradle“ schwierig?

Bei Sanofi beschäftigen sich viele Experten damit, wie man die Kreislaufwirtschaft fördern und somit Ressourcen schonen kann. Die Vermeidung von Industriemüll ist ein großes Thema. Ein Ziel ist, unseren Deponieabfall an allen Standorten bis 2025 durch Recycling, Wiederverwendung und Wiederverwertung um mehr als 90 Prozent zu reduzieren.

Wie wichtig sind Inklusion und Diversität für Sanofi?

Wir sehen Inklusion und Diversität als Bereicherung und Erfolgsfaktoren. Unterschiedliche Expertisen, Erfahrungen, Herangehensweisen und Blickwinkel sind ein enormes Potenzial und zudem Treiber für Innovation. Kein Betrieb kann es sich heutzutage leisten, auf Talente zu verzichten, indem er bestimmte Gruppen ausschließt. Deshalb möchten wir ein inklusives Arbeitsumfeld schaffen, in dem sich alle Mitarbeiter mit ihren individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen wohl und respektiert fühlen. Wir sehen das als Voraussetzung, damit sich jeder mit seinen Talenten optimal einbringen und entfalten kann.

Wird uns Corona noch länger begleiten? Müssen wir mit dem Ausbruch neuer Pandemien rechnen?

Corona hat gezeigt, wie schwierig es ist, haltbare Vorhersagen für die Zukunft zu treffen. Sicher ist, dass dies nicht die letzte Pandemie sein wird. Darauf können wir uns vorbereiten.

Sanofi stellt lebenswichtige Medikamente den 40 ärmsten Ländern der Welt kostenlos zur Verfügung.

Unsere Mission ist, die Wunder der Wissenschaft zu erforschen, um das Leben der Menschen zu verbessern. Als modernes Gesundheitsunternehmen sehen wir uns vor allem in der Verantwortung, sie dabei zu unterstützen, gesund zu werden oder überhaupt gesund zu bleiben. Dabei verdienen Menschen in armen Ländern besondere Beachtung. Unsere Non-profit-Geschäftseinheit Sanofi Global Health verschafft ihnen einen leistbaren Zugang zu Impfstoffen und lebenswichtigen Medikamenten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Tuberkulose bis hin zu Malaria und Krebs.

Was sind die wichtigsten Forschungsgebiete, wo Sanofi einen Durchbruch erzielen möchte?

Wir forschen sehr intensiv in der Immunologie und Onkologie und haben einen besonderen Fokus auf Präzisionsmedizin. Diese ermöglicht schon heute in vielen Bereichen eine zielgerichtete Behandlung von Patienten.

Werden wir den Tag erleben, an dem Krebs eine chronische Krankheit wird?

Da bin ich mir sicher. Mittlerweile ist die Diagnose Krebs für die Patienten nicht mehr automatisch eine Todesnachricht, da immer mehr Krebsarten heilbar sind. Krebs kann heute schon immer mehr als chronische Krankheit betrachtet werden, da sich selbst nach überstandener Therapie ein Drittel der Menschen nach wie vor als Patienten sehen. Diese Erfolge sind möglich, weil wir in der Krebstherapie enorme Fortschritte erzielt und bahnbrechende Therapien entwickelt haben.

21. Juni 2022