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Santa Maria Novella: Leonardos Apotheke

Santa Maria Novella ist nicht nur eine imposante Basilika im Herzen von Florenz, sondern auch der Name der wohl ältesten Apotheke der Welt. Im Jahre 1612 begannen die dort ansässigen Dominikanermönche, Tinkturen und Salben aus den kostbaren Essenzen der Kräuter des hiesigen Klostergartens zu verkaufen. Die alten Rezepturen sind heute genauso gefragt wie vor 400 Jahren und haben mittlerweile Kultstatus erreicht. Welche Marke kann schon Kunden von Caterina de’ Medici bis zur Duchess of Sussex vorweisen? Eugenio Alphandery, Präsident und Eigentümer der Kultmarke „Santa Maria Novella“, lud OOOM nach Florenz und führte uns persönlich durch seine edle Naturkosmetik-Manufaktur, zu deren Kunden Nicole Kidman, Mick Jagger und die Herzogin von Sussex gehören.

Christina Zappella-Kindel12. Oktober 2019 No Comments
santa maria novella florenz

Es ist ein untrügliches Zeichen, wenn man die Ponte alla Carraia über den Arno verlässt und vor der Piazza Carlo Goldoni im Herzen von Florenz fast jeder zweite Passant, der einem entgegenkommt, eine kleine, edle Papiertüte mit blauem Schriftzug und Wappen in der Hand trägt. Schon vor über 400 Jahren wurde der Name in königsblauen Lettern zum Symbol für Heilkräuter und einzigartige Düfte. Kein Zweifel, man nähert sich der Farmaceutica di Santa Maria Novella, im Jahre 1612 gegründet und die wohl älteste Apotheke der Welt, die die Zeit bis heute überdauert hat.

Zitronenduft. Ein zarter Duft, der an einen blühenden Zitronengarten erinnert, weht einem sanft entgegen, wenn man die ehrwürdigen Räumlichkeiten in der Via della Scala betritt. Holzgetäfelte Wände, kunstvoll restaurierte Fresken und der antike Fußboden erinnern eher an ein prunkvolles Museum – wären da nicht unzählige kleine Riechfläschchen, Duftpotpourris, Eaux de Cologne und Tiegel an den Verkaufstresen aufgebaut. Freundlich lächelnde Verkäuferinnen in hübschen Kostümen, die wirken, als wären sie selbst aus der Zeit gefallen, laden dazu ein, die diversen Produkte auszuprobieren.

Il Presidente. Wir haben einen Termin mit Eugenio Alphandery, dem Eigentümer und Präsidenten der Officina Profumo – Farmaceutica di Santa Maria Novella. Entspannt sitzt der Capo beim Ristretto in der historischen Teestube, wo neben den köstlichen hauseigenen Likören auch die unterschiedlichsten Tisane, feine Kräutertees, bestellt werden können. Natürlich ist Eugenio Alphandery nicht allein am Tisch. Er ist ein sehr begehrter Mann. Der Schauspieler und Regisseur Massimiliano Finazzer Flory sitzt bei ihm, und sie besprechen gerade sein letztes Projekt: das Doku-Drama „Being Leonardo da Vinci“, einen Film über das Genie da Vinci, der zum Teil auch in den historischen Räumlichkeiten von Santa Maria Novella gedreht wurde. So haben wir gleich einen schönen Einstieg in die Geschichte des Unternehmens. Leonardo da Vinci soll ja der Erfinder der Bottiglia Fiorentina sein, eines Glasgefäßes, das zur Gewinnung der Kräuter- und Blütenextrakte notwendig war. Das historische Gefäß und viele andere Objekte kann man auch heute noch im Museum der Apotheke bewundern. „Leonardo war schon Kunde hier. Er benutzte persönlich angeblich nur das Lavendelwasser“, erzählt uns Alphandery und bestellt noch einen Espresso. Er ist sehr schlank, sportlich gekleidet und wirkt lange nicht wie 71. Wie er das macht? „Dazu braucht man schon etwas Disziplin“, meint Alphandery und lacht. „Ich mache täglich in der Früh zwei Stunden Sport, dann gibt es Frühstück, und bis zum Abend esse ich nichts mehr. So halte ich mich fit.“

Null Kosmetik-Erfahrung. Alphandery entstammt einer reichen italienischen Unternehmerfamilie, die ihr Vermögen in der Textilindustrie gemacht hat. Der Ingenieur und Geschäftsmann, der damals über null Erfahrung in der Kosmetikbranche verfügte, übernahm 1989 das Unternehmen. „Damals bestand der Laden aus wenigen Mitarbeitern und war knapp davor, zu schließen“, schildert er die Situation. Die historischen Räumlichkeiten wirkten verstaubt und nur ein paar treue Kunden kauften noch die beliebten Eaux de Cologne. Der Jahresumsatz belief sich auf gerade mal 250.000 Euro. Was hat ihn dazu bewogen, in Santa Maria Novella zu investieren? „Ein solches Traditionsunternehmen muss überleben“, antwortet Alphandery. „Die Düfte kannte ich schon aus meiner Kindheit, und jedes Mal, wenn ich meine Großmutter besuchte, hatte sie ein Döschen von den Mintpastillen am Tisch stehen und ich bekam eine davon. So etwas vergisst man nicht.“ Alphandery tat das, was er am besten kann: Er vertiefte sich in die Zahlen und Produkt­abläufe, analysierte und optimierte die Produkt­gestaltung und baute kon­tinuierlich „Santa Maria Novella“ zur Kultmarke auf, die schon eine erstaunliche Geschichte hinter sich hat.

Der Duft der Mönche. Die Popularität der alten Apotheke geht auf die einzigartigen Duftkreationen zurück, die schon im Mittelalter mit dem Acqua di Rose ihren Anfang nahmen. Laut dem hauseigenen Archiv stellten die Mönche bereits im Jahre 1381 Rosenwasser her. Es wurde zur Zeit der Seuchen als Desinfektionsmittel für die Räume verwendet und auch, um körpereigene Gerüche zu übertünchen. Das erklärt den ziemlich intensiven Geruch des Rosenwassers, das auch heute noch verkauft wird. 1533 wurde für Katharina von Medici, die im gleichen Jahr Herzog Heinrich von Orléans, den späteren König von Frankreich, heiratete, ein eigener Duft kreiert, der noch heute unter dem Namen „Acqua di Santa Maria Novella“ zu kaufen ist. Ein schlichter Duft auf Bergamotte-Basis mit Lavendel, Zitrone, Bitterorange und Nelken. Zudem wurde zum ersten Mal in der Geschichte Alkohol als Verdünnung benutzt. Das Eau de Cologne war geboren. Im europäischen Adel und bei Kirchenfürsten sprachen sich die Düfte und Seifen aus Florenz schnell herum. Im Jahr 1612 öffneten die Mönche die Apotheke der Öffentlichkeit als Officina Profumo Farmaceutica di Santa Maria Novella – es war die Geburtsstunde der Marke. Die edlen Zutaten aus feinsten Kräutern und Blüten stammen allesamt auch heute noch hauptsächlich aus der Umgebung von Florenz und dem hauseigenen Kräutergarten.

1533 wurde für Katharina von Medici, die im gleichen Jahr Herzog Heinrich von Orléans, den späteren König von Frankreich, heiratete, ein eigener Duft kreiert, der noch heute unter dem Namen „Acqua di Santa Maria Novella“ zu kaufen ist.

12. Oktober 2019