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Santa Maria Novella: Leonardos Apotheke

Santa Maria Novella ist nicht nur eine imposante Basilika im Herzen von Florenz, sondern auch der Name der wohl ältesten Apotheke der Welt. Im Jahre 1612 begannen die dort ansässigen Dominikanermönche, Tinkturen und Salben aus den kostbaren Essenzen der Kräuter des hiesigen Klostergartens zu verkaufen. Die alten Rezepturen sind heute genauso gefragt wie vor 400 Jahren und haben mittlerweile Kultstatus erreicht. Welche Marke kann schon Kunden von Caterina de’ Medici bis zur Duchess of Sussex vorweisen? Eugenio Alphandery, Präsident und Eigentümer der Kultmarke „Santa Maria Novella“, lud OOOM nach Florenz und führte uns persönlich durch seine edle Naturkosmetik-Manufaktur, zu deren Kunden Nicole Kidman, Mick Jagger und die Herzogin von Sussex gehören.

Christina Zappella-Kindel12. Oktober 2019 No Comments
santa maria novella florenz

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Vier Jahrhunderte. Zum 400. Geburtstag der Pharmacia wurden 2011 die Räumlichkeiten aufwendig und liebevoll restauriert. Die alteingesessenen Restaurationsfirmen wollten das Geschäft für e Jahr schließen, um die Restaurierungsarbeiten der alten Fresken ungestört vornehmen zu können. Keine Option für Alphandery, der rasch nach einer anderen Lösung suchte. „Ich habe dann einfach eine junge Gruppe von Restaurateuren, die alle bei diversen Firmen gearbeitet haben, gefragt, ob sie die Restaurierung rascher, vielleicht sogar bei laufendem Betrieb machen könnten. Die haben ganz schnell eine eigene Firma gegründet und den Auftrag für mich ausgeführt.“ Nach weniger als einem Jahr war die gesamte Restaurierung abgeschlossen, und die Kunden hatten die Möglichkeit, bei einem Besuch in den Geschäftsräumen die interessanten Arbeiten via Bildschirm zu verfolgen. Das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden ist generell das Lebensmotto Alphanderys. „Klar muss der Gewinn auch stimmen, ich bin Geschäftsmann“, erklärt er seine Maxime.

San Carlo Mineralwasser. So kaufte er im Jahr 2015 auch kurzerhand das toskanische Mineralwasser San Carlo auf, um es in italienischer Hand zu belassen. Das Mineralwasser wird ausschließlich in Glasflaschen abgefüllt und ist mittlerweile in den besten Restaurants zu finden. So nebenbei wurde auch das Spa in San Carlo komplett renoviert und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Tradition und Erhaltung von Kulturgut sind Eugenio Alphandery eben ein Anliegen.

Alchemie reloaded. Was alles in die Fläschchen kommt, kann man in der Produktion, die einige Kilometer vom Stammhaus in der Via della Scala entfernt ist, erkunden. Die Produktionsstätte wurde vor einigen Monaten vergrößert und präsentiert sich nun auf 10.000 Quadratmetern. Stolz führt uns der Chef persönlich durch die Hallen. „Buon giorno, Elsa!“, grüßt er freundlich eine Mitarbeiterin, die in einem Zimmer bedächtig eine Seife nach der anderen nach sorgfältiger Prüfung in feines Seidenpapier wickelt. Per Hand, versteht sich. Ob er den Namen eines jeden Mitarbeiters kenne? Alphandery lacht. „Selbstverständlich.“ Nebenan werden in einem Kessel die Seifenflocken mit verschiedenen Essenzen vermischt und die feste Paste dann in Stücke gepresst. Danach „reifen“ die Seifen etwa einen Monat in belüfteten Schränken. Hier versteht man den Begriff „Manufaktur“ und auch den Preis. So kostet zum Beispiel die beliebte Seife Sapone al Melograno stolze 18 Euro – pro Stück, versteht sich. In der Parfumabteilung stehen vier Mitarbeiterinnen, und auch hier wird vorsichtig nach der Abfüllung durch die Maschine jedes Fläschchen von Hand verschlossen, versiegelt und schließlich in Kartons verpackt.

No China. „Klar würde sich mein Umsatz um einiges erhöhen, würde ich in China erzeugen lassen, aber das interessiert mich nicht“, sagt Alphandery. „Außerdem werden in China immer noch Tierversuche durchgeführt, das geht für uns gar nicht.“ Auch Kaufanbote von Unternehmen wie L’Oréal, die bereits das Naturkosmetiklabel Kiehl’s aufgekauft haben, lehnt er rigoros ab. „Die kommen mittlerweile schon jährlich mit einem Angebot auf mich zu“, erzählt Alphandery lachend. „Wir sind fast schon befreundet.“ Es steckt einfach zu viel Herzblut des Eigentümers im Unternehmen, ein Verkauf kommt für ihn nicht infrage.

Romantiker. Einige Maschinen zur Herstellung der Produkte und Essenzen hat Eugenio Alphandery persönlich entworfen und unter seiner Anleitung bauen lassen, wie zum Beispiel eine Maschine zum Destillieren von Düften. Muss man romantisch veranlagt sein, um Düfte zu erzeugen? „Natürlich bin ich ein bisschen ein Romantiker, aber im echten Leben doch mehr ein Mechaniker“, antwortet Alphandery schlagfertig und gibt gleich ein gutes Beispiel, wie man aus einer Leidenschaft ein tolles Produkt schafft: „Ich habe zum Beispiel ein Parfum kreiert, das nach Motor und Gummireifen riecht, nachdem ich jahrelang das historische Autorennen ‚Mille Miglia‘ gefahren bin und privat auch meistens auf dem Motorrad unterwegs bin. Das ist für mich der Duft der Freiheit. Und es wirkt: Der Duft verkauft sich gut – vor allem im Mittleren Osten.“

12. Oktober 2019