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Schönheit im Alter durch Zufriedenheit?

Beim Wiener Stephansplatz findet man einen der führenden Dermatologen Österreichs, Dr. Michael Palatin. Er erklärt, was man für sein Aussehen tun und wie man bis ins Alter schön sein kann.

Georg Kindel26. April 2017 No Comments

Es kommt immer auf die Proportionen an. Michael Palatin in seiner Praxis. (Foto: Roland Unger)

Bei einer Meryl Streep sieht das nicht danach aus, bei ihr merkt man gar nichts.
Es gibt immer Ausnahmen. In Amerika findet man sowohl die schlechtesten als auch die besten Ergebnisse. Ich spreche vom Durchschnitt. Es gibt absolute Lichtgestalten. Kein Mensch kann mir sagen, dass Tom Cruise so aussieht, wie er aussieht, weil er so viel Sport macht. Das ist Arbeit vom Allerfeinsten.

Sie haben viele Stamm­kunden, boomt der Markt?
Ich habe nie die Absicht, bei einem Patienten das Maximale zu verdienen. Mein Behandlungskonzept für einen Patienten ist immer das Gleiche: Ich möchte, dass mein Patient, im besten Fall mein gesamtes Berufsleben bei mir bleibt, weil er zufrieden ist. Außerdem soll das, was er sich wünscht und ich für erforderlich halte, bewerkstelligt werden. Mein Ziel ist, den Patienten immer so zufrieden zu machen, dass er nirgendwo anders hingeht.

Es gibt ja so etwas wie Doc-Hopping, wo Patienten von einem Arzt zum anderen gehen und dann über den jeweils anderen schimpfen …
Ja, das ist ein Klassiker. Das sind auch hochgefährliche Patienten. Das hat sehr viel mit der Persönlichkeit zu tun.

So jemanden würden Sie erst gar nicht annehmen?
Ich würde es zumindest sehr konservativ angehen. Wenn das Erste, was ein Patient macht, wenn er zu mir kommt, ist, über einen Kollegen zu schimpfen, müssen alle Alarmglocken läuten. Dann muss man versuchen herauszuhören, was sich der Patient wünscht. Meistens ist es etwas, was niemand auf der Welt bewerkstelligen kann. Wenn ein völlig irrealer Wunsch vorliegt, ist natürlich auch schon vorprogrammiert, dass eine Enttäuschung kommt. Da muss man auch ganz ehrlich sagen: Das, was Sie sich wünschen, gibt es auf diesem Planeten nicht.

Wie alt ist Ihre älteste Patientin?
Meine älteste Patientin ist über neunzig, kommt sehr regelmäßig zum Filler, arbeitet noch als Psychotherapeutin und ist so, dass wenn sie durch die Stadt geht, sich die Menschen nach ihr umdrehen, weil sie so attraktiv aussieht. Sie ist extrem modisch, hat einen messerscharfen Verstand und sieht die Dienste, die ich an ihr tue, so wie die Zahnhygiene. Sie findet einfach, dass man auf sein Äußeres achten muss. Ich sehe das auch so.

Der Sommer steht vor der Tür, welchen Sonnenschutzfaktor empfehlen Sie?
Fünfzig. Je mehr, desto besser. Wenn ich die Übung bekomme würde, jemanden besonders hässlich zu machen, wäre meine Empfehlung: rauchen, viel essen, kein Sport und viel Sonne. Da kann man sich ziemlich gut darauf verlassen, dass das einschlägt und man von ganz alleine wirklich hässlich wird. Sonne ist etwas Verheerendes, wobei man aber sagen muss, dass Sonne ganz abhängig vom Hauttyp ist. Dasselbe Maß an Sonne ist für den einen durchaus akzeptabel und für den anderen verheerend. Wenn man eine Pigmentierung hat, wie wir hier alle, steht uns auch nur so viel Sonne zu, wie wir hier haben und nicht wie auf den Malediven. Da passiert dann auch nichts.

Thema Ernährung: Was tut der Haut gut?
Der Haut tut das gut, was auch dem Rest vom Körper guttut. Es gibt keine schöne Haut auf einem ungesunden Körper. Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers und macht zu hundert Prozent bei allen Stoffwechselprozessen mit. Ein gesunder Körper hat in der Regel immer eine schönere Haut. Ich habe in den seltensten Fällen erlebt, dass ein wirklich ungesunder Patient eine schöne Haut hat.

Also ist die Haut doch ein Spiegel der Seele.
Ich glaube eher ein Spiegel aller biologischen Vorgänge. Deswegen muss man die Haut auch bei der Klassifikation von Hauterkrankungen im Zusammenhang sehen mit Erkrankungen des ganzen Körpers. Man kann gedanklich nicht die Haut abziehen und getrennt behandeln, sondern sie spielt mit dem Gesamtorganismus zusammen.

Macht der Trend zur inneren Einkehr und Selbstreflexion schöner?
Wer zufrieden ist, macht eine schöne Mimik. Eine schöne Mimik macht auf Dauer einfach ein schönes Gesicht. Leute, die in sich ruhen, haben viel harmonischere Gesichtszügen und wirken als Ganzes viel attraktiver.

Was sagen Sie einer jungen, attraktiven Frau, die zu Ihnen kommt?
Weniger ist immer mehr. Der Künstler Erwin Wurm hat die Idee zu seiner Serie „Fat Cars“ bekommen, nachdem er bei einem Abendessen neben einer überspritzten Dame gesessen hat. Da sage ich lieber: „Geh heim und gib das Geld der Caritas, du Drama-Queen!“

26. April 2017