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Sergio Canavero: Revolution in der Medizin

OOOM EXKLUSIV: Prof. Sergio Canavero, Medizinpionier aus Turin, plant die erste Kopftransplantation der Welt. In OOOM sagt er erstmals: Die Operation findet bereits innerhalb der nächsten zehn Monate in China statt, der Patient wird ein Chinese sein. Und: „In drei Jahren verpflanzen wir das erste Gehirn.“

Georg Kindel27. April 2017 No Comments

VIRTUAL REALITY. SO SOLLEN PATIENTEN LERNEN, MIT NEUEM KÖRPER ZU LEBEN.

Wie bereiten Sie sich auf die Kopftransplantation vor?
Ich lerne seit mittlerweile fünf Jahren Chinesisch, habe mich mit ihrem Denken sehr beschäftigt und musste feststellen, dass sie in allem völlig anders sind als wir. China wird uns zeigen, dass wir in der westlichen Welt eine solche Operation nicht zustande bringen.

Wenn Sie von China reden, was ist in diesem Fall „China“ für Sie?
Da ist zunächst mal Xiaoping Ren. Wir sind gute Freunde. Aber Xiaoping Ren ist nicht Xiaoping Ren. Xiaoping Ren ist China. Es gibt lokale Behörden, es gibt die Regierung und es gibt die Staatsführung Chinas. China hat die Technologie und alle erforderlichen Ressourcen, um die Operation zu ermöglichen. Daher machen wir sie in China. Ich bin China dankbar, denn sie haben die Dimension sofort erkannt.

Kann Ihre Kopftransplantation die ewige Frage beantworten, was nach dem Tod passiert? Ob es einen Himmel gibt oder nicht?
Wir trennen in wenigen Monaten in einem noch nie dagewesenen Eingriff den Kopf vom Körper. In dieser Phase gibt es keine Lebensaktivität, weder im Gehirn noch sonst wo im Körper. Der Mensch ist tot. Klinisch tot. Wenn dieser Mensch wieder ins Leben zurückgeholt wird, ist es die erste reale Schilderung, was nach dem Tod tatsächlich passiert. Die Kopftransplantation gibt uns erstmals Einblick, ob es nach dem Tod ein Jenseits gibt, einen Himmel, ein Weiterleben oder was auch immer. Oder ob einfach der Lichtschalter ausgeknipst wird und das war es dann.

DAS SKALPELL. DIE NANOKLINGE.

Das könnte unser gesamtes Weltbild ins Wanken bringen.
Ich mache diese Operation auch, um zu beweisen oder zu widerlegen, dass unser Bewusstsein vom Gehirn erzeugt wird. Wenn wir beweisen können, dass unser Gehirn kein Bewusstsein erzeugt, werden zwei Dinge passieren: Die Religionen werden für immer hinweggefegt. Man braucht sie nicht mehr, denn die Menschen müssen keine Angst mehr vor dem Tod haben. Sie wissen dann als wissenschaftliches Faktum, dass unser Bewusstsein oder was immer es ist, den Tod überlebt. Wir brauchen keine katholische Kirche mehr, wir brauchen kein Judentum und keinen Islam mehr, weil man Religionen generell nicht mehr brauchen wird. Zweitens werden wir uns nach dem Sinn des Lebens fragen. Ich werde geboren, ich lebe, ich sterbe, dazwischen altere ich und werde krank. Was ist das Ziel in meinem Leben? Wenn wir die Hoffnung aus dem menschlichen Leben nehmen, aus der menschlichen Gleichung, was bleibt dann übrig?

Eine deprimierende Erkenntnis.
Darüber denke ich viel nach. Es wird bedeutsam und ein Bruch in der menschlichen Geschichte, wenn wir endlich beweisen können, worüber seit Jahrhunderten diskutiert, debattiert und was infrage gestellt wird. Ich bin für das Leben, ich glaube an das Leben.

Weitere Infos: www.headtransplantation.org

27. April 2017