Inspiration

Sieg der Sterne – Die Rückkehr der Veggie-Ritter

Als Mitgründer der Superfund-Investmentgruppe verkaufte Christian Halper 2010 seine Anteile und startete sein erstes vegetarisches Restaurant Tian, das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde, und beschäftigt sich seitdem mit dem globalen Bewusstseinswandel, innerer Weisheit und Spiritualität.

Georg Kindel28. April 2017 No Comments

Christian Halper in seinem Restaurant TIAN in Wien. Der Visionär errichtete mit dem TIAN eine vegetarische Gourmetküche auf Top-Niveau und bringt diese nun in den Massenmarkt. (Foto: Roland Unger)

Wie geht es Ihnen dabei als jemand, der von der Technologie kommt?
Ich denke mir: Es ist genauso, wie es vor 100, vor 300, vor 500 Jahren war. Alle, die damals etwas Neues erfunden oder entdeckt haben, wurden für verrückt erklärt, waren „Spinner“, wurden nicht anerkannt. Die Normalität ist dort, wo sie ist. Und dann gibt es ein paar, die etwas entdecken, was noch nicht in die Normalität integriert ist. Natürlich gilt man zunächst als Außenseiter. Das passiert jetzt auch. Wenn man in die Vergangenheit schaut, sieht man auch, dass letzten Endes die, die etwas entdeckt haben, was neu, interessant und auch wahr war, sich früher oder später durchgesetzt haben. Wir sind gerade dabei, diesen Umwälzungsprozess durchzumachen – individuell und global. 

Ab wann hat Sie die Astrologie interessiert?
Ich habe Mitte der 1990er-Jahre bemerkt, dass es scheinbar einen Zusammenhang gibt zwischen der Geburtssonne, was man landläufig als Sternzeichen kennt, und wie der Mensch tatsächlich ist. Ich war mir allerdings nicht sicher, ob die Theorie tatsächlich stimmt. Je mehr ich mich damit beschäftigt habe – mit kritischem Verstand –, desto mehr habe ich gesehen: Es funktioniert. Das hat nichts mit Glauben oder Nicht-Glauben zu tun. Ich muss auch nicht an die Gravitation glauben, damit sie funktioniert, sie ist einfach da. Genauso ist es mit der Astrologie.

Wann haben Sie begonnen selbst Horoskope zu machen?
Das muss so um 2001, 2002 gewesen sein.

Und Sie waren überrascht, wie treffend diese waren?
Ja, zu Beginn schon. Mittlerweile ist es für mich normal.

Machen Sie noch Horos­kope, bevor Sie Leute einstellen?
Ab und zu schon. Ich finde es hilfreich, wenn es sich um eine speziell wichtige Position handelt.

Gibt es andere Methoden auf spiritueller Ebene, die Sie anwenden?
Die innere Stimme, die Intuition, ist ein starkes Element in meinem Leben. Medi­ta­tion hilft dabei natürlich. Tarotkarten sind ebenfalls ein interessantes Thema. Da kann man nämlich genau so eine Synchronizität erzeugen. Im Prinzip kann man sagen: Astrologie ist eine vorhandene Synchronizität, weil das hat nichts mit Kausalität zu tun, das passiert synchron und das kann ich wie bei der Uhr ablesen. Ich kann aber auch Tarotkarten ziehen oder den TimeWaver – ein Gerät, an dessen Produktionsfirma ich beteiligt bin – befragen und so eine Synchronizität gezielt erzeugen und Antworten finden. Am Anfang war ich sehr skeptisch. Ich wollte es aber nicht kritisch ablehnen, sondern selbst ausprobieren, ob es tatsächlich funktioniert. Und es funktioniert verblüffend gut.

Womit beschäftigen Sie sich noch? Elektromagnetische Einflüsse? Sonnenaktivität?
Das ist ein ganz interessantes Thema: Wie können ganz schwache Ströme, die auch ein elektromagnetisches Feld in unserem Körper verursachen, auf unseren Körper wirken? In der Pflanzenmedizin und pharmazeutischen Medizin wird im Grunde mit Molekülen oder Atomen gearbeitet, also noch relativ grobstofflich. In der Homöopathie haben Sie nur noch die Information, da kann man gar nichts mehr messen. Dazwischen gibt es ein sehr spannendes Element, das sind die Elektronen. Die sind kleiner als die Atome, aber sie sind nicht ungreifbar. Das sind die elektrischen Ströme. Da gibt es Behandlungsmethoden mit Mikroströmen, die sehr gut funktionieren, das ist mit Studien belegt. Der TimeWaver Frequency macht genau das. Der nützt nicht nur das Informationsfeld, sondern hat auch die Möglichkeit, Menschen über Feinströme zu behandeln. 

Ist es für Sie überraschend, dass sich immer mehr Unternehmer, Top-Manager, Meinungsbildner, klassische Kopfmenschen in eine spirituelle Richtung bewegen?
Für mich ist es gar nicht überraschend. Weil wenn man im Kopf tatsächlich offen ist, dann bleibt einem gar nichts anderes übrig als das irgendwann einmal zu erkennen und auch durchaus kritisch zu hinterfragen. Dazu ist der Verstand ja da. Man wird feststellen, dass man noch einiges dazulernen kann. 

Ist mittlerweile ein Bewusstsein entstanden, dass Spiritualität Teil unseres Lebens ist?
Ja. Ich glaube, dass das Internet dazu einen großen Beitrag leistet. Durch die Vielfalt der Information mit Pro- und Kontra-Argumenten kann man sich leichter ein eigenes Bild machen. Dadurch ist die Bereitschaft in der Gesellschaft, sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen, gestiegen. Wir sind hier aber erst am Anfang. Das wird vermutlich noch eine große Bewegung.

Wie war Ihre Kindheit?
Schön. Stark und solide, sehr naturnahe. Mit vielen Möglichkeiten im 22. Bezirk in Wien, in Essling, nahe der Lobau: schwimmen, Rad fahren, spazieren gehen, spielen im Garten, frisches Bio-Obst essen. Das war damals in meiner Familie bereits ein Thema.

Sie sind nun fünf Jahre Vegetarier.
Ich bin als Kind ganz normal mit Fleisch und Fisch aufgewachsen. Ich habe gegessen, was am Tisch stand. Ende der 1990er-Jahre war ich international viel unterwegs und habe die Möglichkeit genutzt, Top-Restaurants in den schönsten Städten der Welt zu besuchen. Ich habe eines dabei gemerkt: Es schmeckt zwar hervorragend, mir geht es aber danach überhaupt nicht gut. Es liegt schwer im Bauch, ich kann nicht gut schlafen, habe schlechte Träume. Daher stellte ich mir die Frage, ob dieses Essen gesund sein kann. Ich bin draufgekommen: Naturnahes Essen, vegetarisch, vollwertig und vielseitig ist gesund und trägt zu meinem Wohlbefinden bei. Ich habe damals versucht, das in Restaurants zu finden – was schwierig war. Ich habe in mir eine große Sehnsucht entwickelt nach einem gesunden Essen, das auch gut schmeckt. Und nachdem ich gesehen habe, dass es das kaum gibt, habe ich beschlossen, es selber zu machen. In diesen Jahren, von ca. 2001 bis 2011/12, habe ich sukzessive meinen Anteil an vegetarischer Ernährung erhöht. Das war ein ganz sanfter, fließender Übergang. Ich hatte auch nicht vor, irgendwann einmal Vegetarier zu werden. Ich hab mir nur gedacht: Mehr vegetarisch zu essen ist einfach gescheit. Dann bin ich bei ein- bis zweimal in der Woche Fleisch oder Fisch angelangt. Auf einem Rückflug von Sydney nach Wien habe ich mich aber entschlossen, damit ganz aufzuhören. Was ich nicht erwartet hatte: Der Umstieg von nur einmal in der Woche Fleisch zu komplett vegetarisch hat enorm viel gebracht. Mein Zahnfleisch ist um so viel gesünder, ich schlafe deutlich besser, brauche weniger Schlaf, habe mehr innere Ruhe, tiefere Meditationen.

Wann haben Sie sich entschlossen, Ihr erstes eigenes vegetarisches Res­taurant aufzumachen?
Das war, nachdem ich in sehr teuren – angeblich sehr guten – Restaurants zum Essen war und die haben mich im vegetarischen Bereich sehr frustriert. Da habe ich mich körperlich persönlich angegriffen gefühlt, das war, wie wenn dir jemand mit einem Dolch ins Herz bohrt. Sie können sehr gut kochen, aber sie schaffen es nicht im vegetarischen Bereich? Das hat mich so getroffen, dass ich an so einem Abend kaum mehr ansprechbar war. 

28. April 2017