Inspiration

Sieg der Sterne – Die Rückkehr der Veggie-Ritter

Als Mitgründer der Superfund-Investmentgruppe verkaufte Christian Halper 2010 seine Anteile und startete sein erstes vegetarisches Restaurant Tian, das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde, und beschäftigt sich seitdem mit dem globalen Bewusstseinswandel, innerer Weisheit und Spiritualität.

Georg Kindel28. April 2017 No Comments

Christian Halper über Tierhaltung: „Fragen Sie mal die Menschen, ob sie Fleisch aus Massentierhaltung, voller Antibiotika, essen wollen. Jeder würde Nein sagen. Aber 98 % unseres Fleisches kommt aus Massentierhaltung. Das ist nur den wenigsten bewusst.“ (Foto: Roland Unger)

Waren Sie immer Optimist in Ihrem Leben?
Nein, nicht immer. Aber ich bin es in meiner Teenagerzeit geworden. Ich hatte das Glück, mit so 14, 15 Jahren in Kontakt mit Büchern zu kommen wie Joseph Murphys „Die Macht Ihres Unterbewusstseins“, „Die Kraft des positiven Denkens“ usw. Und ich habe begonnen, das umzusetzen. Ich habe auch begonnen, meine Mitschüler und Lehrer, Tanten und Verwandte missionarisch vom positiven Denken zu überzeugen und musste auch ein paar Jahre lang Diskussionen dazu führen. Bei manchen hat es gefruchtet, bei manchen nicht. Wir sind einfach Schöpfer, wir kreieren, ob wir wollen oder nicht. Und wenn du negativ denkst, kreierst du genau diese negativen Dinge. Wenn du positiv denkst, dann die positiven.

Warum ist es so schwer, Leuten das zu vermitteln? Warum gibt es so viele Pessimisten in unserem Leben?
Gute Frage. Es bestätigt sich immer das, was du glaubst. Wenn du Pessimist bist, dann wird auch das Negative passieren, weil du ja daran glaubst. Nur ist es wichtig, zu erkennen: Das ist nicht so, weil es einfach so ist, sondern deswegen, weil du es kreierst! Das erkennen viele nicht. Viele glauben, die Dinge kommen von außen auf sie zu und sie sind irgendwie Opfer. Sind wir auch, aber wir sind auch Täter – wir können es auch gestalten. Es geht in beide Richtungen.

Wenn in Horoskopen so viel Wirklichkeit steckt: Ist mein Leben dann vorherbestimmt?
Ich glaube, wir leben in einer polaren Welt. In der Materien-Welt gibt es hell–dunkel, männlich–weiblich, drinnen–draußen, es gibt immer beide Pole. Demnach: Ja, wir sind determiniert und nein, wir sind nicht determiniert. Wir sind immer beides. Wir haben einen freien Willen, durch den wir selber Dinge bestimmen, weil ich etwas ändern kann.

Ihre Meinung zu Religion?
Das Wort selber heißt ja Rückverbindung, religio. Und Rückverbindung, finde ich, ergibt sehr viel Sinn. Weil wir irgendwie unsere Wurzeln vergessen haben: den Bezug zur Natur, aber auch zu unseren spirituellen Wurzeln. Wenn man sich den astrologischen Tierkreis ansieht, wo ist das wahre Zuhause? Das ist am Ende des Tierkreises, wenn du dich wieder mit dem Anfang rückverbindest. Das entspricht dem Fische-Zeichen. Wenn man sich jetzt die Religionen ansieht, die physische Institutionen sind, die ein Gebäude haben, die eine Struktur haben, das mehr dem Erdelement entspricht, da könnte man sagen, sie verkörpern den Steinbock. Das heißt: Wie kann ich jetzt ‚religio‘, was mehr dem Fische-Zeichen entspricht, mit dem Steinbock-Zeichen verbinden? Schwierig. Deshalb bin ich nicht so ein großer Fan von institutionalisierten Religionen. Wenn man sich die Kirche heute bei uns ansieht, dann gibt es viele Punkte, wo man sagt: Das ist nicht wirklich stimmig. Beispielsweise erinnere ich an die 10 Gebote. Da steht zum Beispiel: Du sollst nicht töten. Wo sagt die Kirche: Du sollst aufhören, Tiere zu töten? Da steht nicht: Du sollst nicht töten – aber Tiere zu töten ist okay. Wenn ich einen Apfel esse, fällt der selbst vom Baum, damit töte ich keine Pflanze. Wenn ich ein Huhn esse, muss ich es töten, es geht nicht anders. Wo ist jetzt die Religion, die sich an ihre eigenen Gebote hält?

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass es ein Leben vorher und nachher gibt.

Sie glauben demnach an Reinkarnation?
Ja, glaube ich. Es ist eine der Möglichkeiten.

Was könnten Sie in einem früheren Leben gewesen sein?
Ein Mensch. Ein noch unerfahrener. Ich glaube, dass man mit jeder Inkarnation die Chance hat, dazuzulernen. Und dass man im Grunde auch auf der Welt ist, um zu lernen.

Wo finden Sie Inspiration?
Zum einen bei den Themen, die mir sinnvoll erscheinen, wo viele sagen: Das geht nicht. Das inspiriert mich sehr. Da versuche ich mich in Lösungen zu denken, wie es vielleicht doch gehen könnte. Die eigenen Grenzen zu verlassen, das ist sehr hilfreich.

Wo gibt es Grenzen, die Sie noch nicht überschritten haben?
Ich glaube, die meisten habe ich noch nicht überschritten. Überall, wo ich eine Grenze sehe, überlege ich mir, will ich sie überschreiten oder nicht. Und wenn ich möchte, dann tu ich es. Ein Beispiel: So wie ich mich kleide, ist das eher untypisch für Männer der heutigen Zeit. Das ist auch so eine gedankliche Grenze, die sich viele setzen: Männer ziehen das an – und Frauen das. Es ist okay, wenn man sich daran halten will. Aber was ist, wenn nicht?

Sie haben lange und bemalte Fingernägel.
Ich tue damit niemandem weh, von dem her fühle ich mich frei zu tun, was ich will. Das war auch ein Prozess: zu schauen, wie es mir tatsächlich damit geht, wenn ich das tue und wie die Reaktion ist. Man hat gewisse Erwartungen, wie gewisse Menschen reagieren. Die sind meist falsch gewesen.

Wenn wir im März 2027 wieder hier sitzen würden: Was sagt Ihre Intuition dazu, was die Astrologie?
Je längerfristiger man nach vorne schaut, desto schwieriger wird es, eine zutreffende Prognose abzuliefern. Wenn ich zum Beispiel zehn Jahre zurückschaue, hätte ich mir nie gedacht, dass ich heute hier sitze und das mache. Eigentlich hätte ich mich noch in der Finanzbranche gesehen. Was ich schon glaube abschätzen zu können ist, dass ich mindestens so glücklich sein werde wie jetzt, wenn nicht noch glücklicher. Ich werde noch mehr Einsichten gewonnen haben, und ich hoffe, dass ich mit dem, was ich tue, vielen Menschen helfen kann. Und ich wünsche mir, dass ein Großteil der Projekte, die ich starte, erfolgreich sein werden und für viele Menschen etwas Gutes bewirken. 

28. April 2017