Das grüne OOOM

Zero Waste: Unhaltbar gut

Die globale Lebensmittelverschwendung ist unverständlich, solange selbst in Ländern wie Österreich und Deutschland Menschen armutsgefährdet sind und nicht wissen, wann die nächste warme Mahlzeit auf den Tisch kommt. Sie ist auch für acht Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Engagierte Vorbilder leben die Vision eines Planeten ohne Verschwendung und glauben an die große Veränderung. Raphael Fellmer von SIRPLUS erzählt in OOOM von seiner vorbildlichen Initiative.

Claudia Ohswald30. Juli 2020 No Comments
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Die Höhle der Löwen Sirplus

Deadlines. Nicht zu verwechseln ist das MHD mit dem Verbrauchsdatum. „Zu verbrauchen bis“ sei eine „harte Deadline“, so Fellmer, an das man sich unbedingt halten sollte, speziell zum Beispiel bei Faschiertem, Eierspeisen etc.

Ein Großteil seines Engagements dient der Aufklärung, so Fellmer. Den Handelsketten und großen Supermärkten versuchen die engagierten Aktivisten näher zu bringen, dass sie noch mehr für dieses wichtige Thema tun können. Immerhin erreichen sie mehrere Millionen Menschen. Zum einen ist es Aufklärung (Produkte beschildern etc.) und zum anderen ist es der Umgang mit Überschuss. Die Tafeln nehmen nicht alle Waren ab, und anstatt Biogasanlagen zu befüllen oder die Lebensmittel als Tierfutter zu verwenden, verkauft SIRPLUS diese zu einem symbolischen Preis und bringt sie wieder in den normalen Kreislauf. SIRPLUS hat mittlerweile an die 800 Partnerunternehmen in ganz Deutschland, von denen sie überschüssige Waren abholen und ihnen eine sogenannte zweite Chance geben.

„Zusammen mit Hunderttausenden von Kunden haben wir bereits Millionen Kilogramm an Lebensmitteln gerettet“, sagt Raphael Fellmer. Seine Inspiration holt sich der smarte Geschäftsmann aus positiven Erinnerungen wie an seine Reise ohne Geld. „Wenn man Liebe und Vertrauen den Menschen entgegenbringt, dann bekommt man das alles zurück“, weiß er aus Erfahrung. „Wenn man Geld verteilt, dann wird das nicht mehr, aber wenn man Liebe oder ein Lächeln verschenkt, dann multipliziert sich das.“ Außerdem ist er glücklicher Vater zweier Kinder, Familienleben ist ihm sehr wichtig, ist Inspiration und Ansporn, weiterzumachen, um eine enkeltaugliche Gesellschaft aufzubauen.

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Veganer Pionier. Fellmer selbst ernährt sich seit über zehn Jahren vegan. Dass jeder Einzelne die Zukunft mitgestalten kann, davon ist der grenzenlose Optimist überzeugt. „So entschlossen, wie wir Menschen dem Corona-Virus entgegengetreten sind, zusammengearbeitet haben und dies noch immer tun, so sollten wir auch gemeinsam der Klimakrise begegnen. Es ist eine Chance, zusammenzuwachsen und unsere Bedürfnisse, die letztendlich überall auf der Welt gleich sind, zu fokussieren“, so Fellmer. Er geht mit gutem Beispiel voran. Bei seinem Team spürt man En­thusiasmus und den Glauben, dass der Wandel möglich ist. Fellmer meint, dass wir derzeit in der „stärksten Transformationszeit der Erde leben“.

Der smarte Unternehmer ruft alle auf, mit Bedacht einzukaufen und Firmen zu unterstützen, die mit Mensch und Tier bzw. mit der Umwelt gut umgehen. Den Jungen rät er, „öfter mal hinzuschauen, wo man nicht so gern hinsehen möchte“. Das fängt beim Fliegen an und endet beim hohen Fleischkonsum. Die junge Generation soll „in sich hineinhören und ihre Gaben, die sich irgendwann zu Aufgaben verändern, nutzen“. Das Ziel sei, eine Welt zu gestalten, in der es uns allen gut geht.

Das Ziel ist, eine Welt zu gestalten, in der es uns allen gut geht.

Fellmers Tipps fürs Einkaufen: „Fotografiert doch euren Kühlschrank ab und kauft nur das, was fehlt. Schaut im Supermarkt darauf, was bald schlecht wird und kauft diese Produkte zuerst. Man muss die Lebensmittel, die wir haben, wertschätzen, denn jeder Einzelne kann einen Beitrag dazu leisten, dass sich unsere Gesellschaft ins Positive verändert.“

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30. Juli 2020