Inspiration

Sophia Stolz: Cake Art

Man nehme eine Portion Freigeist, ganz viel Kreativität, einen Teelöffel Wahnsinn, ein paar Gramm Genialität, eine Prise Mut, Ehrgeiz, haufenweise Disziplin ­und unendlich viel Leidenschaft – fertig ist das Kunstwerk. Sophia Stolz – unter ihrem Künstlernamen Stolzes bekannt – ist Cake Artist. Der Kuchen ist ihr ­Medium. Auf den Azoren aufgewachsen, kam sie mit acht Jahren mit ihren Eltern nach Wien und maturierte hier mit 18 Jahren. Die Kunstgeschichte-­Absolventin stand OOOM für ein Interview zur Verfügung und spricht über den Auslöser ihrer Backsucht, ihr kompliziertes Sein und ihre Träume.

Claudia Ohswald14. Dezember 2021 No Comments

Was haben Sie anders gemacht?
Bei Events ist es immer dasselbe: Kleidung, Dekoration, Inszenierung ist scheinbar für viele wichtig. Doch dann steht am Ende des Tages immer die gleiche langweilige Sachertorte am Tisch. Das wollte ich ändern. Ich wollte Geschichten erzählen und die klassische Torte revolutionieren. 

Wie geht es Ihnen damit, dass Ihre Kunstwerke gegessen werden?
Das ist für mich das Schönste! Die Torte ist für mich das perfekte Medium, weil es vergänglich ist. Vergänglichkeit per se finde ich eine sehr spannende Thematik, weil eben nur die Erinnerung bleibt. Da kommt wieder mein Perfektionismus ins Spiel: Torten von früher finde ich aus heutiger Sicht nicht perfekt und da sie weg sind, bin ich mit den Fehlern die ich damals machte, heute nicht mehr konfrontiert. Essen kreiert man eben für den Moment. 

Wie wichtig ist für Sie, dass Celebrities Ihre Torten posten und Sie Aufträge von renommierten Markenherstellern bekommen?
Sehr wichtig. H&M hat mich 2016 für ein großes Catering gebucht, weil sie meinen außergewöhnlichen Stil so spannend fanden. So kam alles ins Rollen. Für Fendi war ich bei einem Shooting in New York.  

Wo backen Sie dann, wenn Sie zum Beispiel in New York sind?
Meist ist es das reinste Chaos. Oft bereite ich ein paar Dinge zu Hause vor und nehme sie mit. Den Rest backe ich vor Ort. Zu der Zeit von Fendi war ich mit einem New Yorker liiert und konnte seine Wohnung, sprich seine Küche, die allerdings winzig klein war, benutzen. Jetzt aktuell mache ich für Bulgari die ganzen Food-Konzepte, die an Blogger ausgesandt werden. Ich habe Parfumflakons aus Silikon nachgebaut und diese dann aus Schokolade gegossen. Und die letzte Aktion für Bulgari waren essbare Ringe für die Magnifica Show in Mailand, die teuerste Diamanten- Fashion-Show der Welt.  

Wodurch werden Sie selbst inspiriert?
Durch Kunst und Mode. Ich interessiere mich sehr für Mode. Renommierte Firmen wie Fendi haben verstanden, dass ich die ID dieser Marke verinnerlicht habe und mich demnach ideal mit dem Label auseinandersetzen kann. 

14. Dezember 2021