Tech & Science

Tomaten statt Tulpen: Wie Städte essbar werden

Megametropolen als Smart Cities, Carsharing zur Fortbewegung, Tomaten statt Tulpen in den öffentlichen Gärten, die Städte und Dörfer essbar machen: Ein Blick in die Zukunft, wie wir morgen leben werden.

Tanja Rauch2. August 2018 No Comments

Auf diese Landflucht müssen sich die Städte sehr gut vorbereiten. Eine Vielzahl von Ideen steht bereits in der Startlöchern und freut sich in der echten Welt ausgiebig getestet zu werden. Dabei werden sich die Einwohner sowie die Stadt selbst immer enger vernetzten und zur so genannten Smart-City werden: Die Stadt der Zukunft wird mit Hilfe der gesammelten Daten intelligent mit ihren Bewohnern zusammenleben und kommunizieren. Die gesamte städtische Umgebung wird dabei mit Sensoren versehen und die erfassten Daten werden öffentlich frei gegeben, mit dem Ziel, eine permanente Interaktion zwischen Technologie und Stadtbewohnern entstehen zu lassen. Die Bewohner werden somit Teil der technischen Infrastruktur, um das Zusammenleben effizienter, fortgeschrittener, grüner, nachhaltiger und sozialer zu gestalten. Unter diesen Begriffen sind nicht nur technische, sondern auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen zu sehen. Eine Smart-City ist somit mehr als nur eine lokale Vernetzung des „Internet der Dinge“, es stellt auch eine gesellschaftliche Herausforderung dar. Der Umgang mit Daten und Privatsphäre wird hier eine gewichtige Rolle spielen, da eine Smart City natürlich ständig wissen muss, wo sich wer, mit wem, wann und wie lange aufhält. Dies wird die aktuelle noch schlafende Diskussion über vermeintliche Sicherheit im Gegensatz zum Schutz der Privatsphäre wirklich entfachen (müssen).

Anders fahren

Die Entwicklung passender Carsharing-Modelle ist in vielen Städten bereits Wirklichkeit und gibt uns einen ersten Vorgeschmack auf Zukünftiges. Einen noch größeren Sprung wird die Einführung der ersten selbstfahrenden Autos sein. Vor einigen Jahren noch an Science-Fiction anmutend, sehen wir eine rasante Entwicklung in diesem Bereich. Und zum ersten Mal seit einigen Jahren ist die Realisierung zum Greifen nahe. Die Folgen werden unseren Alltag enorm beeinflussen und die Städte der Zukunft komplett verwandeln. Lassen Sie sich auf folgendes Gedankenexperiment ein: Aktuell benötigen Menschen in manchen Situationen ein persönliches Auto, um Distanzen schnell und komfortabel überbrücken zu können. Das Auto wiederum benötigt den Fahrer, denn ohne diesen kann es sich selbst nicht fortbewegen. Und es benötigt einen Treibstoff – aktuell zumeist Erdöl in Form von Diesel oder Benzin. Die Abstellplätze neben den Straßen sind eigentlich immer von Autos besetzt, die im Grunde auf nichts anderes warten, als dass ihr Fahrer zurückkommt – und sie fährt. Carsharing Modelle beginnen diesen Zustand bereits zu ändern. Autos sind mehr in Bewegung und parken nicht die ganze Zeit, da mehrere Fahrer das gleiche Auto zu unterschiedlichen Zeiten benutzen.  Carsharing ist aber nur eine Stufe der Entwicklung, die ihren Gipfel im autonomen fahren der Autos selbst hat – und somit das Verhältnis Fahrer – Auto verändert.

Das bedeutet, zum ersten Mal in der Geschichte können sich Maschinen unabhängig einer Steuerung durch einen Fahrer / Piloten fortbewegen – das Auto holt somit den Fahrer ab, und nicht mehr umgekehrt. Das Auto muss nicht mehr den ganzen Tag auf den Fahrer warten, bis dieser von der Arbeit wieder nachhause muss, sondern kann in der Zwischenzeit andere Menschen transportieren. Alleine aus dieser Idee heraus ergeben sich folgende Veränderungen für eine Stadt: Autos parken nicht mehr, sondern sind die ganze Zeit in Bewegung. Wir benötigen für einen ähnlichen Mobilitätsfaktor wie jetzt eine viel geringere Zahl an Autos. Da diese mit elektronischen Motoren unterwegs sind, reduzieren sich die Schadstoffemissionen in der Innenstadt beträchtlich. Durch die reduzierte Lautstärke in Kombination mit der geringeren Anzahl an Autos können ehemals stark befahrene Hauptstraßen wieder an Lebensqualität gewinnen. Selbstfahrende Autos werden den persönlichen Besitz eines solchen überflüssig machen. Vor allem in größeren Städten wird sich somit ein öffentliches Netz für individuellen Verkehr ergeben.

Anders bauen

Städte sind Hitzeinseln. Schon heute ist die jährliche Durchschnittstemperatur in Städten zwischen ein und teilweise drei Grad Celsius höher als im Umland. Die dunklen Gebäude heizen sich tagsüber auf und geben diese Wärme auch über Nacht nur sehr langsam wieder ab. Die allgemein steigenden Durchschnittstemperaturen werden sich in den Städten also noch deutlicher bemerkbar machen. Es ist jedoch nicht nötig, energiehungrige Klimaanlagen mit sich herumzutragen, wenn wir es schaffen, die ganze Stadt in Summe abzukühlen.
Eine besonders wichtige Rolle spielen hier Parks, Wiesen und Straßenbäume. Diese wirken im Sommer wie natürliche Klimaanlagen. Im Gegensatz zu Beton und Stein kann der natürliche Boden Wasser besser speichern, und es bei Hitze langsam abgeben. Dabei entsteht Verdunstungskälte, die wieder die Umgebung kühlt. Pflanzen können diesen Effekt sogar noch verstärken, indem sie durch ihre Wurzeln noch mehr Wasser aus tieferen Bodenschichten nutzen. Darüber hinaus lassen sich auch Gebäude begrünen, an Dächern und Fassaden.

Die Mischung aus Verdunstung, Schatten und weniger direktem Sonnenlicht auf Beton und Stein sorgt für eine deutliche Kühlung – und das ganz ohne energiehungrigen Einsatz von Klimageräten. Bei Neubauten sollte es sich unbedingt um Plusenergiehäuser handeln – also um Gebäude, die mehr Energie erzeugen als sie selbst verbrauchen. Dies lässt sich vor allem durch Solarpanele an Fassaden und Dächern erreichen. Einerseits kann damit der eigene Strombedarf gedeckt werden, und im Idealfall andererseits zusätzlicher Strom wieder in das öffentliche Netz eingespeist werden. In diesem Prozess stellen immer mehr Prosumer ihre überschüssig erzeugte Energie zur Verfügung und speisen somit ein Crowdsourced Power Grid – unabhängig von zentralen Energieerzeugungsunternehmen.

Anders produzieren

Tomaten statt Tulpen in den öffentlichen Gärten. „Essbare Städte und Dörfer“ erfreuen sich einem immer größeren Zuspruch. Aber auch die betriebliche Produktion von Nahrungsmitteln wandert zurück in die Stadt – also direkt zu ihren Verbrauchern. Somit lassen sich lange Transportwege vermeiden. Gemüse und Kräuter lassen sich auf engem Raum anbauen, ohne Erde – nur mit Licht, Luft und Wasser.

Im Gegensatz zur aktuellen Landwirtschaft auf großen Feldern lassen sich diese Gewächshäuser auch übereinander stapeln. Ein ganzes Hochhaus kann somit zur großen Farm werden. Wer es aber gerne noch etwas traditioneller hat, kann auf jeder Fassade, auf jedem Dach sein eigenes Gemüse zum Wachsen bringen, und frisch ernten. Diese Ideen alleine können nicht alle Bewohner einer Stadt versorgen. Es wird aber ein wichtiger Anteil sein, um Transportwege einzusparen und gleichzeitig positive Effekte auf die Klimaentwicklung innerhalb der Städte zu leisten.

 

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