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Stanglwirt: Urlaub daheim

Wer auf der Suche nach Bodenständigkeit und Nachhaltigkeit ist und trotzdem nicht auf Luxus verzichten möchte, ist beim Stanglwirt in Going, Tirol, gut aufgehoben. Für die Familie Hauser war Nachhaltigkeit nie ein Trend, sondern von Anfang an eine Lebenseinstellung. Die Geschichte des Stanglwirts zeigt, wie die Vision vom Bio-Bauernhof mit Luxushotel zur Wirklichkeit wurde und das Haus mittlerweile zu einem der Top-Spa-Resorts der Welt aufstieg.

CLAUDIA OHSWALD22. Dezember 2020 No Comments

Der Slogan vom Stanglwirt lautete schon immer „Daheim beim Stanglwirt“. Ein visionäres Motto in Zeiten von Corona, wo weite Reisen in ferne Länder sowieso nicht angebracht sind. Das Haus, das seit über 250 Jahren keinen Ruhetag hatte, nutzte die Lockdowns zum Renovieren und für kleinere Umbauten. Maria Hauser wuchs quasi im Hotel auf und hat das Haus noch nie ohne Gäste erlebt: „Wir sind ein Daheim mit vielen Tieren und Leben – die Lipizzaner und Kühe kennen keinen Lockdown, bei uns ist deshalb immer was los“, so die Juniorchefin, die gemeinsam mit ihren Geschwistern Elisabeth und Johannes den Stanglwirt leitet.

Dankbarkeit und Demut nach dem ersten Lockdown. Maria Hauser trägt im Hotel fast immer ein Dirndl. Aber nicht, weil sie muss, sondern weil es ihr gefällt: „Das ist keine Verkleidung und entspricht keinem Klischee, sondern ist Ausdruck für Tradition, Ursprünglichkeit, Bodenständigkeit und Ehrlichkeit – so wie die Marke Stanglwirt.“ Und diese Authentizität ist spürbar, wenn man das Hotel betritt. So spielen auch alle Familienmitglieder ein Instrument und es wird gerne gemeinsam musiziert, haben sich doch die Eltern über die echte Volksmusik kennengelernt. Ein Gefühl der Dankbarkeit und Demut befiel sie nach der Wiedereröffnung des ersten Lockdowns im Mai: „Wir waren das erste Wochenende komplett ausgebucht – sogar einheimische Familien aus Going haben sich bei uns eingebucht. Ein sehr bewegender Moment, als der erste Gast das Hotel betrat.“

Starker Sommer. Auch über den ganzen Sommer hinweg erfreute sich das Hotel über eine starke Buchungslage, jedoch wurden die legendäre Weißwurstparty im Jänner 2021 sowie das traditionelle Sängertreffen abgesagt. Und das, bevor es zum neuerlichen Lockdown und den Restriktionen seitens der Regierung kam. Einfach niemand dem Risiko einer Ansteckung aussetzten, das Vertrauen der Gäste nicht überstrapazieren: Profit ist eben nicht alles für die Familie Hauser, aber Gastgeber sein zu dürfen schon. Lautet doch das viel zitierte Motto von Balthasar Hauser: „Das Glück des Lebens ist das Glück des Gebens“.

Wir sind sehr gesegnet, in dieser Gegend zu leben, wo andere ihren Urlaub verbringen.

Society-Spot Kitzbühel. Prominente gaben sich schon immer ein Stelldichein beim Stanglwirt. Warum das so ist, haben sich jedoch wenige gefragt. Balthasar Hauser hat schon in den 1970er-Jahren als Erster auf Bio bestanden, auch bei der Ausstattung, und das hat bei vielen damals nur ein Kopfschütteln hervorgerufen: „Nachhaltigkeit war für uns nie ein Trend, wir leben das Ganze mit voller Überzeugung und können gar nicht anders“, so die Juniorchefin. Und das wurde schnell auch von Prominenten aufgenommen, Menschen des öffentlichen Lebens, die einen großen Wunsch nach Erdung und Rückzug zur Natur gespürt haben. „Bei uns ist jeder Gast ein Ehrengast und die Prominenten freuen sich, weil sie als Mensch wahrgenommen werden und nicht in einer Rolle, die sie in der Öffentlichkeit ausfüllen“, so Hauser. Und das spricht für die vielen Stammgäste, die jedes Jahr immer wieder gerne zum Stanglwirt kommen. Neue Gäste kamen heuer hinzu, verzichteten doch viele auf einen Urlaub am Meer und blieben lieber in heimatlichen und leicht erreichbaren Gefilden. Der 5-Sterne-Service und das gemütliche Ambiente des Hotels tragen dazu wesentlich bei. Jedes Zimmer strahlt in natürlicher Holzbauweise ein Wohlgefühl aus, urtümlich, aber trotzdem luxuriös. Und hat man vom Balkon auch noch einen Blick auf den Wilden Kaiser und die vor dem Haus grasenden Lipizzaner, glaubt man sich sowieso im Tiroler Winter-Wonderland. „Die Branche wurde gebeutelt, jedoch sehe ich eine große Chance für die Destination Österreich“, zeigt sich auch hier Maria Hauser positiv. „Wir sind sehr gesegnet, in dieser Gegend zu leben, wo andere ihren Urlaub verbringen. Ich freue mich täglich, wenn ich zum Wilden Kaiser hinaufschaue.“

Persönlicher Gewinn aus der Krise? Wie wird es jetzt weitergehen? „Der Optimismus liegt in unserer DNA“, so Maria Hauser. „Wir nehmen alles, wie es kommt, und sind positiv.“ Das zeigt alleine schon die Kreativität, mit der das Haus die letzten Jahre zu einem der schönsten Wellnessparadiese Österreichs umgebaut wurde. Ein Naturbadesee wurde errichtet, die Dächer des Spas mit sattgrünem Gras bepflanzt und eine neue ­Beauty-Abteilung gebaut. Das alles, ohne die Naturverbundenheit und Bodenständigkeit zu verlieren, weshalb der Stanglwirt von „Condé Nast“ unter die besten Spa-Resorts der Welt gelistet wurde. „Wir wachsen an den neuen Herausforderungen und wünschen uns nur, dass wir so positiv weitermachen können. Das wünsche ich mir eigentlich für die ganze Welt“, sagt sie mit einem Lächeln. Und das kommt aus ganzem Herzen.

www.stanglwirt.com

22. Dezember 2020