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Stephen DeBerry: Black Pioneer

Stephen DeBerry ist einer der wenigen schwarzen Risikokapitalgeber im Silicon Valley. Er hat sich in einer Branche behauptet, die von Weißen dominiert wird. Nur 1 Prozent des Venture Capitals in den USA geht an schwarze Unternehmer. Im OOOM-Gespräch spricht DeBerry über #BlackLivesMatter, den Alltag als Schwarzer in Amerika, Rassismus, die ganz normale Angst – und wie er es mit 16 Jahren erstmals erlebte, in den Lauf einer Polizeiwaffe zu sehen.

Christina Zappella-Kindel & Georg Kindel30. Juli 2020 No Comments
Stephen DeBerry,Black Pioneer

In einem Facebook Post, den Sie vor kurzem veröffentlich haben, fragten Sie: „Wann war dein erstes Mal, dass Polizisten eine Pistole auf dich gerichtet haben? Sie waren 16 Jahre alt, als es Ihnen zum ersten Mal passierte.

Ich war im Auto mit meinen High School-Freunden unterwegs. Wir sind gerade vom Burger essen heimgefahren. Wir wurden angehalten, kurz vor meinem Haus. Ich hätte aussteigen können und wäre in einer Minute zu Fuß zu Hause gewesen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass es kalt draußen war. Der Polizist hat angefangen das Auto zu durchsuchen und verlangt, dass wir aus dem Auto aussteigen und uns auf den Boden setzen. Er durchsuchte das Auto und fand nichts. Als Teil seiner Durchsuchung hatte er sich entschieden, seine Waffe zu ziehen und auf uns zu richten. Das war das erste Mal, dass mir so etwas passiert ist, aber nicht das letzte.

Es muss schockierend für Sie gewesen sein.

Ja und nein. Ja, es war ein Schock, weil jung und schwarz zu sein in diesem Land ein Schock ist. Alles davon ist ein Schock. Nein in dem Sinn, weil eine Pistole wie in diesem Fall nur eine Form von sehr vielen Möglichkeiten dieses Schocks ist. Dass so etwas in der Art passieren würde, war für mich nicht schockierend. Und das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich bisher nicht darüber geredet habe.

Der Polizist durchsuchte das Auto und fand nichts. Er hatte sich entschieden, seine Waffe zu ziehen und auf uns zu richten.

Seit George Floyds Tod gibt es immer mehr Beweise dafür, dass Polizisten in den USA schwarze Menschen radikal anders als weiße behandeln. Die New York Times hat Daten veröffentlicht, dass in den USA fünfmal mehr Schwarze als Weiße verhaftet wurde. Ist es gefährlich Afroamerikaner in den USA zu sein?

Absolut! Wir haben ein ganz anderes Verhältnis zur Strafverfolgung und zu den Machtsystemen im Allgemeinen. Das ist historisch so beständig, dass es sehr viele Menschen gibt, die das gleiche erlebt haben, was ich gerade beschrieben habe. Solche Vorfälle werden als normal verinnerlicht, aber sie sind nicht normal. Jetzt ist die Zeit gekommen, um über diese Unterschiede zu reden. Und nicht nur zu reden, sondern sie zu verbessern.

In den letzten Monaten haben Millionen von Menschen überall auf der Welt gegen Polizeigewalt gegen Schwarze protestiert. #BlackLivesMatter ist eine globale Bewegung geworden und sogar bei uns in Wien haben 50.000 Menschen, besonders sehr viele junge Leute, gegen Rassismus und die Situation in den USA demonstriert. Wird die nächste Generation endlich die Vorurteile und den Hass, der uns an die Zeit der Rassentrennung erinnert, überwinden oder wird der Kampf noch lange anhalten?

Beides wird passieren. Ich glaube es liegen noch viele Kämpfe vor uns und gleichzeitig denke ich, dass wir uns in der letzten Runde befinden. Es wird enden. Es ist die Brücke in eine neue soziale Ordnung. Eine, die strahlend sein wird, weil unsere Freude in sie fließt. Ob es nun Wien, Paris, Neuseeland, Australien oder Südafrika ist, überall auf der Welt ist die #BlackLivesMatter-Bewegung wirklich gewachsen. Ich glaube nicht, dass das möglich gewesen wäre, wenn die Probleme nicht wirklich bestehen würden.

Gibt es überall Rassismus?

Es gibt Probleme mit Rassismus in Wien, in Neuseeland, Paris und weltweit. Du kannst niemals schwarz sein und ohne dieses Problem irgendwo in der Welt leben. Denn es ist immer sichtbar. Deine Identität ist etwas, das du nach außen trägst und nie verstecken kannst. Aber ich glaube wir als Menschheit entwickeln uns weiter und lernen das hinter uns zu lassen. Ich bin sehr optimistisch. Es macht mehr Spaß mit Menschen von überall auf der Welt zu interagieren, mit verschiedenen Lebensweisen und Erfahrungen. Ich denke das müssen wir mehr feiern.

Rassismus ist überall auf der Welt ein Problem. Du kannst niemals schwarz sein und ohne dieses Problem irgendwo in der Welt leben. Denn es ist immer sichtbar.

30. Juli 2020