Tech & ScienceTop Stories

Stephen DeBerry: Black Pioneer

Stephen DeBerry ist einer der wenigen schwarzen Risikokapitalgeber im Silicon Valley. Er hat sich in einer Branche behauptet, die von Weißen dominiert wird. Nur 1 Prozent des Venture Capitals in den USA geht an schwarze Unternehmer. Im OOOM-Gespräch spricht DeBerry über #BlackLivesMatter, den Alltag als Schwarzer in Amerika, Rassismus, die ganz normale Angst – und wie er es mit 16 Jahren erstmals erlebte, in den Lauf einer Polizeiwaffe zu sehen.

Christina Zappella-Kindel & Georg Kindel30. Juli 2020 No Comments
Stephen DeBerry,Black Pioneer

Auf Social Media zeigen Sie Ihre beiden Töchter. Sie sind zehn und elf Jahre alt und Sie haben dazu geschrieben, dass Sie hoffen, die beiden werden in einer gerechten und freudvollen Welt leben. Was ist wichtig im Leben? Frieden, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit?

Es geht wirklich um diese Begriffe: gerecht und glücklich zu sein. Ich denke, viele Leute auf der Welt wären bereit dafür Opfer zu bringen und zu kämpfen. Das ist auch nötig und wir sind dankbar dafür. Und wir sind enorm dankbar, dass die Menschen uns überall auf der Welt Solidarität und Gemeinschaft gezeigt haben. Ich glaube auch, dass wir weiter Liebe verbreiten müssen, um diese Aktivitäten zu fördern.

War die Situation unter Obama eine andere? Anders gefragt: Ist Donald Trump zumindest teilweise verantwortlich für die derzeitige Stimmung in den USA?

Das glaube ich sehr. Ich denke, er hat viel geändert. Er hat den Standard dafür gesenkt, was es überhaupt heißt und braucht, um Präsident zu sein. Und ich denke, sein Verhalten ist von seinem Denken, wie er selbst persönlich profitieren kann, getragen. Trump macht global dasselbe, was er in den USA gemacht hat. Und auf die gleiche Weise, wie er sich von unseren Freunden in der EU entfremdet hat, hat er Teile unserer Gesellschaft entfremdet – schwarze Menschen, lateinamerikanische Menschen, alle möglichen Einwanderer, obwohl ja jeder in den USA auf die eine oder andere Weise Einwanderer ist, es sei denn er ist amerikanischer Ureinwohner. Trump hat ein Umfeld erschaffen, das die Menschen spaltet. Aber das Gute ist, dass man wegen der vielen Leute auf der Straße sehen kann, dass die meisten nicht daran glauben. Die Allgemeinheit in den USA reiht sich nicht ein in den Hass, der durch die derzeitige Führung aufgekeimt ist.

Schwarze sind im Silicon Valley massiv unterrepräsentiert. Nur 1 Prozent des Risikokapitals geht an schwarze Unternehmer.

Sie sind Partner und Gründer von Bronze Investment, einer Venture Capital-Firma im Silicon Valley, die Eastside Communities unterstützt. Ich habe Ihren TED Talk gesehen. Sie haben die Eastside Communities im sozialen und ökonomischen so beschrieben, dass Menschen mit weniger Macht dort leben und arbeiten. Sind schwarze Unternehmer im Silicon Valley unterrepräsentiert?

Sie sind stark unterrepräsentiert. Weniger als ein Prozent des Risikokapitals, das investiert wird, geht an schwarze Unternehmer. Im Silicon Valley arbeitet ein sehr enger Kreis an Leuten. Zu sagen, ich will da arbeiten, ist das gleiche wie zu sagen, dass man ein professioneller Football-Spieler werden will. Es gibt nur eine bestimmte Anzahl von freien Plätzen und die Leute, die sie bekommen, sind fast nur Weiße. Es sind Weiße, die in die besten Schulen gegangen sind und diese Leute bestärken sich selbst. Das heißt, es ist sehr hart in diese Gemeinschaft hereinzukommen. Aber ich denke auch, dass momentan, jetzt wo sich die Gesellschaft erneut fragt, wie sie sich organisieren sollte, dass das auch Bereiche wie Technologie und die Wirtschaft im Allgemeinen berühren wird.

Alles nahm mit dem Tod George Floyd seinen Anfang.

Man sollte mal darüber nachdenken, warum George Floyd überhaupt erst inhaftiert wurde. Was hat er gemacht? Er wurde wegen eines gefälschten 20-Dollar- Scheins festgenommen, nur deshalb. Und all die Feuer, die Aufstände, die Polizisten, die gerade entlassen wurden, die ganzen Millionen von Menschen auf der Straße überall auf der Welt, die Unsicherheiten in der Wirtschaft – all das passierte wegen 20 Dollar. 20 Dollar! Solche Fälle wie jener von George Floyd passieren, wenn die wirtschaftliche Lage nicht gerecht ist. Wir müssen daran arbeiten, dass jeder in unserer Gesellschaft eine Rolle mit Bedeutung einnehmen kann, dass er für sich selbst und seine Familie sorgen kann, dass jeder sicher und gesund sein kann. Wenn wir an diesen Dingen arbeiten, würden eine Menge der anderen sozialen Probleme, mit denen wir zu kämpfen haben, verschwinden.

Was hat George Floyd gemacht? Er wurde wegen eines gefälschten 20-Dollar-Scheins festgenommen. Alles, was jetzt auf der ganzen Welt passiert – Aufstände, Feuer, Millionen auf den Straßen –, passiert wegen 20 Dollar.

30. Juli 2020