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Stephen DeBerry: Black Pioneer

Stephen DeBerry ist einer der wenigen schwarzen Risikokapitalgeber im Silicon Valley. Er hat sich in einer Branche behauptet, die von Weißen dominiert wird. Nur 1 Prozent des Venture Capitals in den USA geht an schwarze Unternehmer. Im OOOM-Gespräch spricht DeBerry über #BlackLivesMatter, den Alltag als Schwarzer in Amerika, Rassismus, die ganz normale Angst – und wie er es mit 16 Jahren erstmals erlebte, in den Lauf einer Polizeiwaffe zu sehen.

Christina Zappella-Kindel & Georg Kindel30. Juli 2020 No Comments
Stephen DeBerry,Black Pioneer

Wie erleben Sie selbst dieses Erwachen?

Ich lebe in einer sehr wohlhabenden Gemeinschaft. Die meisten sind weiß und ich bin die Ausnahme hier, aber es sind trotzdem #BlackLivesMatter-Demonstranten in unserer Straße, und das habe ich hier vorher noch nie gesehen. Ich glaube, das sind Symbole eines Erwachens. Wir müssen sicherstellen, dass es nicht nur ein Slogan wird. Ich muss da an Martin Luther King denken und wie er den Montgomery Busboykott geleitet hat, um Würde für die Schwarzen zu erreichen. Wir denken bei solchen Ereignissen immer an einen schnellen Erfolg und dass die Dinge sich magisch ändern. Aber was viele vergessen haben ist, dass dieser Boykott in Montgomery 381 Tage gebraucht hat, um einen Sieg zu erzielen. Ich glaube das ist ein wichtiges Symbol, was alles passieren muss, um Strukturen zu ändern – es braucht Zeit.

Ich denke, die Mehrheit weiß, dass trotz 400 Jahre gewaltvoller Unterdrückung, den Tod durch die Hände der Polizei, dem Unvermögen Arbeit zu finden, den ständigen Angriffen auf unsere Würde, schwarze Menschen keine Rache wollen.

Welche Erfahrungen haben Sie von Gandhis 3.0 mit nach Hause genommen?

Das, woran ich als erstes denke und was für mich am stärksten ist, ist die Kraft, die daraus kommt, einfach still zu sitzen. Ich frage mich, wie die Welt aussehen würde, wenn wir jeden dazu bekommen könnten, einfach still zu sitzen – für eine Stunde oder einen Tag. Ich glaube wir haben durch Covid-19 die Gelegenheit dazu, obwohl wir uns diese nicht ausgesucht haben. Ich glaube allein die Tatsache, dass die meisten Menschen zu Hause waren und nicht draußen auf der Straße, im Flugzeug, auf dem Weg zur Arbeit oder auf Partys, hat eine Menge mit den sozialen Bewegungen zu tun, die es derzeit gibt. Ich glaube, wenn jemand still sitzt, kann er die Dinge anders wahrnehmen und schätzen was zählt. Diese Klarheit findet man nur schwer, wenn man gestresst ist und von einem Ort zum anderen läuft und die Dinge tut, von denen man denkt, dass sie so wichtig wären.

Auf den Zimmern in Ahmedabad stand „Disarmed by the power of love“ – entwaffnet durch die Kraft der Liebe“. Auch Ihr Motto?

Ich glaube, dass Liebe die größte Kraft auf dem Planeten ist. Und ich glaube, das hat auch mit dem Stillsein, das ich gerade beschrieben habe, zu tun. Die Stille führt zur Liebe, angefangen mit dem Selbst und dem sich selbst bewusst werden. Am Ende wird man sich bewusst, dass es kein Selbst gibt, ohne die Verbindung zu den anderen Menschen und Dingen um uns herum. Ich bin für den Weg der Liebe.

30. Juli 2020