Arts & DesignMagazin

Tempel der Kunst

Das Museum of Modern Art in New York hat eine der bedeutendsten Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst der Welt. Der deutsche Chefkurator Klaus Biesenbach versteht es, durch geschickte Inszenierung Menschenmassen in seine Ausstellungen zu ziehen. OOOM stellt die drei spannendsten Werkschauen des MoMA in diesem Jahr vor.

Tanja Rauch12. Juni 2018 No Comments

Kunst ist immer auch eine Form der Inszenierung. Davon versteht Klaus Biesenbach eine Menge. Der visionäre Chefkurator des Museum of Modern Art (MoMA) in New York und Direktor der Kunsthalle MoMA PS1 sorgt  nicht nur durch ein Portfolio erstklassiger Ausstellungen für Aufsehen. So kuratierte er Werkschauen von Nan Goldin, Marina Abramovic oder Olafur Eliasson, aber auch von Yoko Ono oder Björk. Visionär war seine Idee, die deutschen Elektronikpioniere Kraftwerk zu einer 3D-Konzertserie im MoMA zu bewegen, bei der sie jeden Abend in einer fulminanten Multimediashow ein anderes ihrer Alben performten. Der einflussreiche Kunstexperte versteht aber auch, wie man abseits der Kunst Interesse generiert.

259.000 Menschen haben seinen Instagram-Account abonniert. Es gibt Popstars, die haben deutlich weniger Fans. Postet Biesenbach ein Bild von seinem wöchentlichen Lunch mit der „Godmother of Punk“, Patti Smith, in Uma‘s Restaurant in Queens – stets den obligaten Teller Karottensalat auf dem Tisch – liken 3.400 Follower das Bild. Der smarte Deutsche aus Bergisch Gladbach ist auch ein brillanter Netzwerker, der versteht, einfluss­reiche Persönlichkeiten für die Projekte des MoMA und MoMA PS1 zu begeistern.

Agnes Gund. Eine davon ist Agnes Gund, die ihre Freunde „Aggie“ nennen, eine der einflussreichsten Kunstsammlerinnen der Welt. Sie war bis 2002 Präsidentin des MoMA, ist Chairwoman des MoMA PS1 und erregte im Vorjahr Aufsehen, als sie eines ihrer vielen Bilder, Roy Lichtensteins „Masterpiece“, das jahrelang über dem Kamin ihres New Yorker Apartments hing, versteigern ließ. Von den erlösten 167 Millionen Dollar spendete sie sofort 100 Millionen dem „Art for Justice Fund“. Biesenbachs Museum erhielt in den letzten Jahrzehnten 800 Werke von ihr als Spende. Dieser großen Philanthropin widmet das MoMA die momentan wohl spektakulärste Ausstellung:

λ Studio Visit: Selected Gifts from Agnes Gund (läuft bis 22. Juli) feiert Gund als Kunstmäzenin und zeigt eine Auswahl von 55 Werken, die sie dem MoMA überließ. Ein Studiobesuch ist die wohl intimste Form des Austausches zwischen Künstlern, Sammlern, Kuratoren und Freunden. „Meine Freundschaft zu Künstlern, aber auch die Sensibilität für die Schwierigkeiten, denen weibliche und farbige Künstler gegenüberstehen, war prägend bei der Gestaltung meiner Kunstsammlung.“ Zu sehen sind Werke von Nick Cave, Elizabeth Murray, Jasper Johns, Ellsworth Kelly und Lynda Benglis.

λ The Long Run (läuft bis 4. November) zeigt eine neue Sichtweise der Kunst, losgelöst vom Glauben, dass Innovation in der Kunst oft nur ein singuläres Ereignis ist. Es dokumentiert das kontinuierliche Experimentieren von Künstlern nach ihrem Durchbruch und suggeriert, dass Fantasie von einem ständigen kritischen Hinterfragen kommt. Die Ausstellung zeigt Werke von Robert Goder, Roy Lichtenstein, Georgia O‘Keeffe, Gerhard Richter und Frank Stella.

λ Being: New Photography 2018 (läuft bis 19. August) ist ein Zyklus neuer Fotografien, den das MoMA alle zwei Jahre zeigt. „Being” dreht sich um die Frage, wie Fotografie erfassen kann, was es bedeutet „Mensch” zu sein. In einer Zeit, in der die Frage nach den Rechten, Verantwortungen und Gefahren des Menschseins auf der ganzen Welt diskutiert wird, möchte „Being“ darstellen, wie Individuen dargestellt und wahrgenommen werden. Künstler, deren Werke das MoMA in „Being“ präsentiert, sind Sofia Borges, Aida Muluneh, Sam Contis, Shilpa Gupta und B. Ingrid Olson.

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