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The Good Guy: George Clooney – sein wahres Ich

Wie tickt George Clooney, wie lebt er, was ist ihm wirklich wichtig? OOOM-Autorin Elisabeth Sereda über den echten George.

Elisabeth Sereda27. Februar 2017 No Comments
Seitenwechsel: George Clooney lichtet Starfotograf Rainer Hosch mit einer Leica ab. (Foto Rainer Hosch)

Diese Geschichte ist keine objektive. Mit George verbindet mich eine 23-jährige Freundschaft, die an der Soundstage 11 des Warner Bros. Studiogeländes in Burbank begann und sich über die Jahre in Los Angeles, New York, London, Venedig, Berlin, Mailand, an den Stränden von Cancun, in einem Kaff in der Harz und seiner Villa am Comer See verfestigte. Diese Geschichte ist der Versuch, einen Superstar tiefer gehend zu zeichnen, als man ihn in den Gazetten sieht, ohne Geheimnisse preiszugeben, die dort bleiben sollen, wo sie hingehören: an den Küchentisch in Como, wo wir mit seinen engen Freunden die Nächte durchlachen und hin und wieder zu viel Cassicaia trinken.

Es begann mit Emergency Room. Es war im September 1993, als ich auf das Set ­einer neuen TV-Serie entsandt wurde, um Interviews mit dem gesamten Ensemble zu machen. Nicht einer meiner Lieblingsjobs. „Emergency Room“ (ER), die 97. Fernsehserie aus dem Genre „Doktor/Schwester/Blut/Spital“, interessierte mich genauso wenig, wie ­einen ganzen Tag auf 15 bis 20 Interviews mit Schauspielern zu warten, die keiner kannte und von denen ich – vielleicht, später einmal, wenn es die Serie überlebte – ein bis zwei verkaufen konnte. Mit der Anzahl sollte ich recht behalten, mit der Einschätzung des Erfolges nicht: ER wurde zu einer der am längsten ausgestrahlten Spitalsserien der Fernsehgeschichte, die aus mehr als 15 Unbekannten Stars machte. Doch damals waren die Zeitungen nur an zwei von ihnen interessiert: einer davon war ein Typ mit furchtbar vielen Haaren und einem verschmitzten Lachen, der mir vage als idiotischer Boyfriend von Roseanne Barrs Schwester in der Sitcom „Roseanne“ bekannt war. Dass ausgerechnet dieser George Clooney innerhalb der folgenden fünf Jahre zum Sexsymbol aufsteigen sollte, konnte ich mir damals bei aller Fantasie nicht vorstellen. Er hatte Charme. Aber vor allem war er der Komiker auf diesem Set, der die langen Drehtage mit Humor – manchmal übertrieben kindisch – erträglich machte. Und auch meinen Arbeitstag.

Er ließ mich nicht warten wie viele andere. Als er sich einen Kaffee holte, brachte er auch mir einen mit. Und er hob sich aus dem üblichen, vorgekauten und von PR-Leuten eintrainierten Blabla ab, indem er ein frisches, witziges, aber vor allem intelligentes Interview gab, ohne sich in Szene zu setzen. Er hatte damals viel, aber sich selbst in Sachen Ego nichts mehr zu beweisen. Denn dem großen Durchbruch, der wenige Monate später stattfinden würde, waren 31 (!) schreckliche Filme und Serien mit klingenden Titeln wie „Babytalk“, „Throb“, „Riptide“ und „Return of the Killer Tomatoes“ vorangegangen. Als Schauspieler hatte er das getan, was in Hollywood als „He paid his dues“ beschrieben wird – er hatte seine Schulden abbezahlt.

Clooneys schwarze Liste. Der lange, holprige Weg zum Ruhm prägt ihn bis heute und ist der Mitgrund für seine Bescheidenheit. Der andere Grund ist der Ruhm selbst. Statt durchzudrehen wie 80 Prozent der Stars, die mit ihrer Berühmtheit nicht klarkommen, wurde George immer dankbarer. Kollegen, die sich wichtig machen, weil sie sich zu wichtig nehmen, erträgt er bis heute nicht. George hat eine schwarze Liste mit sehr bekannten Namen, die er nie für seine Filme engagieren würde. Die Gruppe derer, mit denen er professionell arbeitet, ist fast so klein wie die Clique, der er privat vertraut. Wenn man Menschen an der Länge ihrer Freundschaften misst, ist er den meisten weit überlegen.

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