Tech & Science

Thoma und Piëch: Haus des Geldes

Sie lenken Milliardenkonzerne und sind Experten, wenn es um die Zukunft der Medien und des Fernsehens geht: Helmut Thoma gründete RTL und machte den Luxemburger Garagensender zu Europas profitabelster TV-Sendergruppe. Er ist heute Aufsichtsratsvorsitzender der Freenet AG. Der Medienunternehmer Stefan Piech ist der Enkel von Ferdinand Porsche und die siebente Generation der Automobil-Dynastie. Mit seinem Unternehmen „Your Family Entertainment“ gehört er europaweit zu den Big Playern im Kinderfernsehen, dazu sitzt er im Aufsichtsrat der Porsche Holding SE. Im OOOM FUTURE TALK sprechen die beiden Medienexperten über die Zukunft des Fernsehens, der Printmedien, Streaming – und Elon Musk.

Georg Kindel20. Dezember 2019 No Comments
helmut thoma stefan piech ooom magazin

helmut thoma stefan piech ooom magazin

1896 wurde der Lohner-Porsche gebaut, das erste Elektroauto der Welt, 40 km/h schnell, Reichweite 40 Kilometer. Wie ist es möglich, dass so eine Technologie damals nicht den Durchbruch geschafft hat?

Piech: Es gab vor mehr als 100 Jahren einen großen Anteil an Elektroautos, zum Beispiel in Detroit, das war das elegantere Fahrzeug. Mein Urgroßvater hat hier in Wien den Lohner-Porsche gebaut. Grundsätzlich glaube ich, Disruption war früher schon und wird immer ein Thema sein. Dass man damals eigentlich schon weiter war als danach zeigt, dass die Herstellung von Strom die eigentliche Challenge war. Man hatte die Elektromotoren, aber keine durchgehende Stromversorgung.

Thoma: Es ist uns ja bis heute nicht einmal bei unseren Handys gelungen eine entsprechende Stromversorgung herzustellen, so dass man tagelang telefonieren und surfen kann ohne Aufladen. Von der Brennstoffzelle habe ich schon vor Jahrzehnten in der Wochenschau gehört, das ergibt für einen Laien auch mehr Logik. Da wurde wahrscheinlich ein riesiges Versäumnis begangen, dass man diese Technologie nicht weiterentwickelt und sie Japanern überlassen hat.

Piech: Die Batterie wird im Ballungsraum und für kleine Autos einen Vorteil haben. Was ich da hineinlade, bekomme ich ja zu ca. 98% wieder heraus. Bei Wasserstoff verliere ich schon 20-30%, bis dieser konvertiert ist. Wenn ich ihn durch die Brennstoffzelle schicke, verliere ich 27-30%. Das heißt, ich habe im Endeffekt eine Ausbeute von 40%, die dann in Strom umgewandelt wird. Aber es ist interessant, was Sie zuvor gesagt haben, Herr Kindel. Wie das wohl gewesen wäre, wenn sich die Elektromobilität damals durchgesetzt hätte? Hätten wir trotzdem einen Klimawandel?

Thoma: Wie viele Klimawandel hat es in der Geschichte bereits gegeben? Denken wir an den sauren Regen: Da haben damals 15.000 Wissenschaftler gesagt, dass es 2020 keine Bäume mehr geben wird. Aber die sind immer noch vorhanden. Inzwischen sind es Unmengen mehr Hektar Wald als damals. Dann kam das Ozonloch, das hat sich jetzt gerade geschlossen. Haben die Neandertaler durch zu viele Feuerstellen die Eiszeit herbeigeführt? Die Natur ist unvorhersehbar. Wenn zwei Vulkane ausbrechen, dann haben wir ein großes Problem. Es gibt einen Klimawandel, das ist gar keine Frage. Es wird eindeutig heißer. Aber es ist schon oft in der Geschichte kälter und heißer geworden.

Piech: Ich bin da schon sehr differenziert. In Kasachstan gab es den Aralsee (Anm.: einst viertgrößter See der Welt), das beste Beispiel für eine menschengemachte Katastrophe. Wenn man dort hinfährt und das heute sieht: Der See ist ausgetrocknet,  da reden wir von Landstrichen größer als Deutschland. Die Natur ist so was von zerstört, das kann man sich nicht vorstellen. Dass der Mensch zu so etwas fähig ist, ist unfassbar. Ich glaube, dass sicher jede Einsparung von CO2 hilft, weil es auch Ressourcen schont und dadurch bessere Chancen für kommende Generationen schafft. Wir müssen uns einfach einschränken und eine Kehrtwende machen.

Am Aralsee ist die Natur zerstört. Dass der Mensch zu so etwas fähig ist, ist unfassbar. Wir müssen uns einschränken und eine Kehrtwende machen. Stefan Piëch

Zum Schluss etwas ganz anderes. Dr. Thoma, Sie sind lange Maserati gefahren. Was fahren Sie heute?

Thoma: Heute fahre ich gar kein Auto mehr, zumindestens nicht in Wien. Ich bin auch mal Porsche gefahren, sogar mit Chauffeur.

Dr. Piech, welches Auto fahren Sie?

Piech: Mit vier Kindern gibt es nur eine Wahl, und zwar den Bus. Ich bin auch ein sehr begeisterter Busfahrer.

Ganz Deutschland diskutiert über Elon Musk, der sich in Brandenburg ansiedelt. Wie reagiert Ihr Konzern darauf?

Piech: Da müssen Sie den Porsche-Vorstand fragen. Scheinbar ist Deutschland ein guter Automobilstandort.

Thoma: Ich glaube, dass es für Herrn Musk sehr schwierig sein wird. Bis jetzt hat er keine Konkurrenz gehabt, aber wenn die jetzt nach und nach kommt, was dann? Er hat ja bis jetzt noch nicht viel Geld verdient, da ist es schon tapfer von ihm, da jetzt nochmal eine Fabrik hinzustellen. Er muss halt genug Leute finden, die weiter investieren.

Foto: Roland Ferrigato

20. Dezember 2019