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Thomas Hörmann: Wie wir elektrisch fahren

DIE E-MOBILITÄTSTRENDS 2022: Klimaneutrale und zirkuläre Fahrzeuge * E-Mobilität vor Technologiesprung * Autonom fahrende Autos ab 2030. Polestar Austria-Geschäftsführer Thomas Hörmann erklärt, wie sich durch Elektromobilität eine neue Welt auftut.

Georg Kindel1. März 2022 No Comments

Wie werden wir uns in 20 Jahren fortbewegen?
Elektromobilität wird sicher nicht die einzige und endgültige Lösung sein, aber es ist derzeit die beste und es ist vor allem ein Anfang. Was die Antriebsformen als solches betrifft, wird es auch in Zukunft sicher ein Mix bleiben. Die E-Mobilität wird sich bis dahin weiterentwickelt und einen sehr großen Anteil haben. Es wird aber auch eine ganz andere Software- und Batterietechnologie geben und es wird ein bidirektionales Laden in beide Richtungen möglich sein. Häuserdächer werden dann generell mit Photovoltaik ausgestattet sein und die Energie wird zeitweise im Fahrzeug zwischengespeichert und dann wieder zurückgeschickt und eingespeist. Es wird sich eine neue Welt auftun.

Wird den Weg der Elektromobilität in erster Linie Europa gehen?
Ja, aber auch China braucht Elektromobilität und wird diese stark forcieren. Kommt Präsident Biden mit seinen Plänen durch, wird sich auch in den USA die E-Mobilität entwickeln. Derzeit liegt der Markt dort nur bei 2–3%, wobei wir von Polestar hier großes Potenzial sehen. Bei den LKWs wird der Wasserstoff möglicherweise eine Rolle spielen, wenn sich die Infrastruktur, aber auch die Tanks weiterentwickeln.

Werden selbstfahrende Autos in 20 Jahren den Verkehr bestimmen?
Ich habe keine Glaskugel, aber ich denke, dass alles denkbar und möglich ist. Ein Anbieter hat ein Konzept entwickelt, dass Mitte der 2030er-Jahre die Fahrzeuge in der Nacht zur verkehrsarmen Zeit alleine KI-gesteuert in die Reparaturwerkstätten fahren, dort hergerichtet werden und in der Früh um 6:30, wenn es die Eigentümer wieder brauchen, zu Hause vor der Tür stehen. Leitsysteme inklusive und auch die Tatsache, dass am Beispiel der Elektromobilität die Wartung als solches wesentlichgeringere Bedeutung haben wird.

Forscht Polestar schon in diesem Bereich?
Ja, gemeinsam mit Partnern und Lieferanten wie viele andere auch. Da geht es um Level 3 bis 5 (Anm.: derzeit sind alle Anbieter noch beim teilautomatisierten Fahren). Bis zum autonomen Fahren – Level 5 – ist es noch ein langer Weg, auch infrastrukturell. Das wird wohl erst im nächsten Jahrzehnt so weit sein.

Das erste Elektroauto der Welt hat Ferdinand Porsche 1896 in Wien entwickelt: 45 km/h schnell mit einer Reichweite von 40 Kilometern. Wie weit wären wir heute, hätte sich die E-Mobilität schon damals durchgesetzt?
Dann wären heute 1.000 Kilometer Reichweite kein Thema mehr. Ein Freund von mir vergleicht die E-Mobilität gerne mit der Mobiltelefon-Industrie. Er sagt: Wir sind jetzt gerade mal in der Phase des Nokia 6110. Vom Smartphone sind wir noch weit entfernt, aber der Technologiesprung steht bevor. Wenngleich unser Polestar 2 in seinem digitalen Benutzererlebnis schon sehr einem Smartphone ähnelt und ebenso intuitiv zu bedienen ist.

Tesla ist gegen Polestar – 2017 gegründet – ein „altes“ Unternehmen. Wo positionieren Sie sich?
Wir sind eine sehr junge Marke, ein Start-up, haben aber durch Volvo fast 100 Jahre Erfahrung sowie ein starkes Netzwerk im Unternehmen. Unser Chef, Thomas Ingenlath, ist ein Designer.
Wie wichtig Design und Qualität sind, sieht man bereits jetzt und werden Sie auch beim Polestar 3 wieder sehen, der heuer noch präsentiert wird. Auch unser Zugang zum Thema Nachhaltigkeit ist prägend und wir verfolgen hier sehr ambitionierte Ziele. Außerdem schreiben wir Service groß. Neben bereits 26 Polestar Service Points in Österreich planen wir auch Pick-up und Delivery einzuführen: Wenn Sie einen Polestar mit Servicevertrag haben, werden Sie dann keinen Weg zur Werkstätte
machen müssen. Wir erledigen das, ganz nach dem Motto: Convenience is everything.

Sie wollen vollständig klimaneutral sein, zirkulär und inklusiv.
Wir haben dafür unser Project Zero ins Leben gerufen, wo wir uns das Ziel gesetzt haben, bis 2030 ein vollkommen klimaneutrales Auto zu entwickeln und mit null CO2-Emissionen zum Kunden zu bringen. Hier arbeiten wir bereits mit ersten Partnern zusammen, die unsere Vision teilen und gemeinsam wollen wir dazu beitragen, unsere Gesellschaft nachhaltig zu verändern.
Auch Nachhaltigkeit bei Materialien ist uns wichtig, vom veganen Interieur bis hin zu Fußmatten aus recycelten Fischernetzen in zukünftigen Modellen, wir werden Leder nicht mehr Leder sein lassen, sondern auf Kork-Basis in die Fahrzeuge bringen. Polestar lebt Zirkularität, und das vor allem auch sehr transparent und nachvollziehbar.

www.polestar.com/at

1. März 2022