Das grüne OOOM

Too good to go: Wir träumen nicht – Wir tun etwas.

Österreich steht Deutschland in Sachen Lebensmittelrettung um nichts nach. Die App vom dänischen Macher von Too Good To Go erobert mittlerweile den heimischen Markt. Georg Strasser, Country Manager von Österreich, klärt uns auf:

Claudia Ohswald29. Juli 2020 No Comments
georg-strasser-interview-01

Was ist Ihre Mission?

Jedes Jahr werden rund 1.000.000 Tonnen genießbares Essen in Österreich weggeworfen. Lebensmittelverschwendung verursacht noch dazu 3,3 Gigatonnen CO2-Emissionen und wird so zu einem der großen Klimasünder unseres Planeten. Umgerechnet wirft jeder Österreicher bzw. jede Österreicherin Lebensmittel im Wert von rund 300 Euro pro Jahr in den Müll, obwohl diese noch problemlos hätten verzehrt werden können. Die App dient dazu, dass Betriebe wie Bäckereien, Lebensmittelhändler, Gastronomie und Restaurants Essen, das noch völlig einwandfrei ist, am Ende des Tages verkaufen können. „Das Ziel ist, dass man die Lebensmittelverschwendung kontinuierlich reduziert und letztendlich wollen wir, dass es gar keine Lebensmittelüberschüsse mehr gibt“, so Georg Strasser, der Country Manager von Too Good To Go in Österreich. Mehr als 30 Millionen Tonnen Essen will Too Good To Go in fünfzehn verschiedenen Ländern seit seinem Start im Jahr 2016 schon vor dem Mistkübel gerettet haben.

Mehr als 30 Millionen Tonnen Essen will Too Good To Go in fünfzehn verschiedenen Ländern seit seinem Start im Jahr 2016 schon vor dem Mistkübel gerettet haben.

Too Good To Go Österreich startete im August 2019 mit Sitz in Wien und das Team rund um Georg Strasser möchte Ende 2020 in allen Bundeshauptstädten Österreichs vertreten sein: „Der nächste Schritt ist, auch die ländlichen Gebiete zu überzeugen.“ Man begann von Tür zu Tür, von Betrieb zu Betrieb zu gehen, um die App vorzustellen.

Gutes Essen zum minimalen Preis für die Kunden, weniger Verschwendung für die Betriebe und Ressourcenschonung für die Umwelt – das ist die Erfolgsformel. Die Bäckereien schnüren ein sogenanntes „Überraschungssackerl“ und befüllen es mit Semmeln und Gebäck, je nachdem, was in den Vitrinen übrigbleibt, und verkaufen dies über die App zu einem besonders vergünstigten Preis. Mit dabei sind auch große Bäckereien wie Anker, Felber und Ströck. Hotels, wie das Park Hyatt, das Sofitel (jetzt So), die Accor-Gruppe mit den Mercure-Hotels oder Meridian begeistern mit einer Patisserie- oder Frühstücks/Brunchbox. Aber auch Szenelokale wie Ulrich & Erich sowie das 1090, wo man sich am Wochenende etwas vom Brunch oder ein vergünstigtes Mittagessen holen kann. Der Filter in der App macht es möglich, dass man auch vegan und vegetarisch auswählen kann. Der Beschreibungstext kündigt mehr oder weniger das an, was man im Sackerl erwarten wird. Aber auch Heurigen wie der Christ in Stammersdorf geben Überraschungssackerl am Ende eines Geschäftstages an umweltbewusste Kunden ab. Selbst Lebensmittelhersteller wie Danone verkaufen mittlerweile über die App Ware, die schon bald abzulaufen droht. Somit rettet die App To Good To Go ähnlich wie SIRPLUS Lebensmittel.

Wie funktioniert es?

Jeder, der ein Smartphone besitzt, kann sich die Too Good To Go App downloaden. In der App sieht man alle Betriebe, die in unmittelbarer Umgebung am Programm teilnehmen. Man zahlt im Schnitt ein Drittel des offiziellen Verkaufspreises direkt in der App und holt sich dann sein Überraschungssackerl. Somit wird verhindert, dass extra für Too Good To Go produziert wird, d.h. es soll kein Absatzkanal sein, eher ein Bonus. Ist die Gastronomiedichte hoch, funktioniert das Konzept. Viele Betriebe bedeuten ein großes Angebot und die dazugehörige Nachfrage. In anderen Ländern arbeitet die App auch mit Supermärkten zusammen. Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis dies auch in Österreich der Fall sein wird. „Es gibt einfach so viele Lebensmittelüberschüsse in der ganzen Wertschöpfungskette, zu der eben auch Supermärkte gehören. Jeder Betrieb kann etwas dazu beitragen“, motiviert Strasser.

Die Tafeln und die Sozialmärkte sind logistisch überfordert und können nicht jeden Tag überschüssige Lebensmittel von Supermärkten abholen. Die Bauern holen sich an bestimmten Tagen Lebensmittel für Biogasanlagen oder Tierfutter. Wenn viele Akteure jedoch zusammenarbeiten, entsteht ein Synergieeffekt und es „kann Großes entstehen“, so Strasser euphorisch. Die App hat auch eine Kooperation mit dem Roten Kreuz und der Caritas. Man kann in der App nicht nur Lebensmittel retten, sondern auch spenden. Die Hilfsorganisationen verwenden die Spendengelder, um Güter, die gebraucht werden und gerade nicht verfügbar sind, zuzukaufen. Ethisch, moralisch, aber auch wirtschaftlich stellt die Lebensmittelverschwendung ein Problem dar. Und es ist auch ein Umweltproblem, denn acht Prozent der Treibhausgasemissionen kommen direkt aus der Lebensmittelverschwendung. Diese zu reduzieren bedeutet Umweltbelastungen zu minimieren und trägt bei zum Kampf gegen den Klimawandel.

www.toogoodtogo.at

29. Juli 2020