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Judith Williams und ihre Traumfabrik

Die einzige weibliche Investorin bei „Die Höhle der Löwen" zeigt erstmals ihr 150 Millionen Euro schweres Kosmetik- und Lifestyle-Imperium.

Georg Kindel14. Februar 2017 No Comments
Multiunternehmerin: Judith Williams auf dem Dach ihrer Firma in Innsbruck. (Foto Christoph Villgrattner, www.we-see.at)

Judith Williams begeisterte als einzige weibliche Investorin in der VOX-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ bis zu 3,3 Millionen Zuschauer pro Folge. Die ehemalige Opern- und Musicalsängerin, der ein Tumor die Karriere beendete, baute mit ihrer Judith-Williams-Markenwelt ein Kosmetik- und Lifestyle-Imperium mit 150 Millionen Euro Jahresumsatz auf und schuf die größte europäische Teleshopping-Marke. OOOM besuchte sie in ihrer Firmenzentrale in Innsbruck und sprach mit ihr über Business, Talent, Inspiration, Niederlagen und Seelenverwandtschaft.

Menschen zu überzeugen ist ihre Profession.

Wenn sie im Teleshopping-Kanal HSE24 ihre mittlerweile über 1.000 Produkte anpreist, schnellen die Bestellzahlen steil nach oben. Und wenn sie schließlich mit ihrem glockenhellen Sopran nachlegt und auf die „unglaublichen Vorzüge“ hinweist, ist ein Produkt binnen weniger Minuten ausverkauft.

Judith Williams, 44, ist die erfolgreichste Teleshopping-Unternehmerin Europas. 150 Millionen Euro macht sie mit ihren Kosmetik- und Lifestyleprodukten Umsatz. Seit sie 2014 als einzige weibliche Investorin in der VOX-Show „Die Höhle der Löwen“ über Investments in Start-up-Unternehmer urteilt, ist um die Deutsche mit amerikanischen Wurzeln ein regelrechter Hype entfacht. Mit ihrer amikalen Art sorgte sie für Rekordquoten von bis zu 3,3 Millionen Zuschauern pro Folge. Drohte ein Jungunternehmer bei seiner Präsentation vor den Löwen die Nerven zu verlieren, brachte sie ihn mit ihrer zuvorkommenden Art rasch wieder auf Schiene. Neben Carsten Maschmeyer und den anderen Löwen wirkt Judith Williams im TV eher wie eine Gazelle.

Unkompliziert, wahnsinnig sympathisch und ein Arbeitstier

So beschreiben sie ihre Mitstreiter. Für den Termin mit OOOM kam Williams extra mit dem Auto von München nach Innsbruck, um zwei Stunden später wieder nach Bayern zurückzufahren: „Meine siebenjährige Tochter spielt in einem Film mit und ich muss sie vom Set abholen.“ Nachsatz: „Ich gebe trotzdem die Hoffnung nicht auf, dass die Mädchen einmal Anwältin oder Neurochirurgin werden. Doch sie müssen wählen, was ihr Herz glücklich macht.“ Judith Williams’ Töchter sind 7 und 9 Jahre alt, die Söhne aus erste Ehe ihres Mannes Alexander-Klaus Stecher, Schauspieler und Talkmaster, 14 und 16 Jahre.

Wie schafft man es, in Ihrem Business vier Kinder und einen Mann unter einen Hut zu bringen?
Mit sehr viel Liebe, mit sehr viel Geduld und sehr wenig Eitelkeit. Und natürlich mit einer guten Organisation.

Fragen Sie Ihre Töchter oft: „Mami, warum musst du wieder weg?“
Ja, natürlich. Die fragen auch: „Kannst du die Sendung jetzt nicht absagen?“

Und was antworten Sie?
Das ist genauso wie mit deinen Hausaufgaben. Die können wir ja auch nicht einfach absagen. Ich würde jetzt auch lieber mit dir ins Kino gehen, aber wenn du ein gewisses Ziel hast, gibt es Dinge, die du machen musst. Sie verstehen das.

War das bei Ihnen auch so? Ihr Vater Daniel ist ein bekannter Opernsänger.
Absolut. Meine Eltern hatten damals kein Geld für einen Babysitter. Wenn meine Mutter zu Premierenfeiern gehen wollte, so nahm sie mich einfach mit. So ein Theater ist ja für ein Kind wie ein Abenteuerspielplatz, ich habe in den frühesten Jahren in der Maske gesessen, auf dem Schoß der Maskenbildnerin, wenn die die Perücken geknüpft hat und diese Theaterluft erlebt. Bei einem Sänger ist das natürlich ein bisschen was anderes als bei einem Vorstandsvorsitzenden. Für mich gab es am Theater immer ein kleines Versteck, wo ich bleiben und alles beobachten konnte.

Können Sie sich an den Moment erinnern, wo Sie beschlossen haben: Ich will Sängerin werden?
Ich habe das immer gewollt. Ich habe zwischen den Feuerwehrmännern oder bei der Souffleuse gesessen und bin dort als Drei- oder Vierjährige schon eingeschlafen, wenn die „Zauberflöte“ ein bisschen langsamer gespielt worden ist. Ich konnte Sarastros Rolle mit fünf Jahren auswendig, weil ich habe ja den ganzen Tag zugehört, wenn mein Vater geübt hat.

Ihr Vater kam aus Montana und zog wegen eines Opernengagements nach München. War er Ihr erster Lehrer?
Kein Gesangslehrer, aber Lebenslehrer. Sänger scheitern sicherlich ab und zu an der Technik, aber meist  ist es eher eine psychische Geschichte, die Technik kann man erlernen. Wenn die Psyche nicht mitspielt, geht jede Technik flöten. Ein Baby kann fünf Stunden schreien, ohne heiser zu werden, und sobald wir älter werden, fangen die Probleme an.

Sie haben an der Royal Academy of Music studiert?
Tanz, Ballett.