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Judith Williams und ihre Traumfabrik

Die einzige weibliche Investorin bei „Die Höhle der Löwen" zeigt erstmals ihr 150 Millionen Euro schweres Kosmetik- und Lifestyle-Imperium.

Jessica Schreckenfuchs14. Februar 2017 No Comments

In der VOX-TV-Show „Die Höhle der Löwen“ mit Investor Carsten Maschmeyer. (Foto: Christoph Villgrattner, www.we-see.at)

Was war Ihre erste Gesangsrolle?
Am Theater die Rolle der Papagena in der Zauberflöte. Damals war ich erst 23. Dann kamen die „Meistersinger“ und „Der Bettelstudent“ und schlussendlich Maria in der „West Side Story“, das war eigentlich für mich die wichtigste Rolle.

Sie haben außergewöhnliche Lehrer gehabt: Kurt Moll, Brigitte Fassbaender. Wie viele Stunden am Tag haben Sie gesungen?
Ein paar, manchmal zwei, drei, manchmal auch acht.

Ein Tumor hat letztendlich Ihren Traum zerstört.
Man lebt als Sänger eigentlich in einer Blase. Die Welt zieht an einem vorbei und man ist da drinnen mit seiner Stimme, dem Orchester, dem Ausdruck, mit allem, was dazugehört und was man künstlerisch geben möchte. In diesem Moment ist die Blase geplatzt und du fällst knallhart auf Beton. Sie diagnostizierten bei mir einen Tumor an der Gebärmutter. Ich musste mich entscheiden: Entweder die Stimme behalten und die Chance verlieren, Kinder bekommen zu können, oder eine Hormontherapie machen und die Karriere beenden. Diesen Moment habe ich als extrem bitter erlebt. Ich glaube, es geht vielen Menschen so, wenn sie eine Diagnose bekommen: Das will man erst mal fernhalten, um der Psyche auch eine Chance zu geben, das zu verkraften.

Hatten Sie einen Plan B?
Nein. Es war wohl anfangs ein Schock, Verzweiflung: „Was mache ich jetzt?“ Ich habe mich nur über meine Stimme definiert, das war für mich mein großer Traum und ich hatte nur diesen einen. Dann versuchst du das zu verkraften, und es kommt diese furchtbar überflüssige Phase des Selbstmitleids, die habe ich in vollen Zügen ausgekostet. Ich war sicher drei Monate komplett zuhause auf der Couch und habe nichts gemacht. Dann habe ich mich zu meinen Eltern auf die Couch gesetzt und denen mein Leid geklagt. Mein Vater hatte in dem Moment wenig Empathie. Er war ganz cool und völlig unbeeindruckt, hörte sich das an und sagte: „Ich sehe hier eine Frau mit zwei gesunden Füßen, zwei gesunden Armen, einem Gesicht, das ganz nett ausschaut, du könntest nur ein bisschen mehr lächeln. Du kannst aufstehen und dir einen Job suchen.“ Das fand ich damals extrem hart. Heute verstehe ich, was er getan hat.

Ihr erster Job nach dem Theater war in einem Fitnessstudio?
Genau. In dem Fitnessstudio, wo ich damals trainiert hatte, um für die Bühne fit zu sein, gab es eine offene Stelle als Empfangsdame. Von der Bühne ins Fitnesscenter, darf das wahr sein? Doch dann dachte ich: völlig egal. Demut, Anpacken, geh einfach hin. Okay, die Leute werden sich zwar wundern, dass ich nicht mehr die Opernsängerin bin, die hier elegant trainiert. Aber so ist es eben.

Wie erkannten Sie Ihr Verkaufstalent?
Eine Kollegin hat mich darauf aufmerksam gemacht. Die sagte: „Mensch, Judith, wenn du da bist, bin ich nur am Auffüllen, wie machst du das eigentlich? Isst du die ganzen Riegel selbst?“ Und ich: „Nee, ich hab noch keinen einzigen gegessen.“ Ich wusste gar nicht, was sie meint. Das Lager war leer, immer wenn ich da war, war alles ausverkauft. Ich habe mir immer gemerkt, wenn einer zum Trainieren kam, was er erreichen wollte und wie. So habe ich meine ersten Verkaufsschritte gelernt.

14. Februar 2017