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Judith Williams und ihre Traumfabrik

Die einzige weibliche Investorin bei „Die Höhle der Löwen" zeigt erstmals ihr 150 Millionen Euro schweres Kosmetik- und Lifestyle-Imperium.

Jessica Schreckenfuchs14. Februar 2017 No Comments

Alles für Judith: In Innsbruck arbeitet ein großes Produktionsteam am Vertrieb und dem Versand der Judith Williams Kosmetik. (Foto: Christoph Villgrattner, www.we-see.at)

Was macht einen guten Verkäufer aus?
Ein gesundes Bauchgefühl, die Fähigkeit, ein Gegenüber sehr ernst zu nehmen und ebenso das Produkt, das du zu verkaufen hast, in- und auswendig zu kennen.

Wie kam es zum Sprung ins Fernsehen?
Irgendwann ist mir die Decke auf den Kopf gefallen, und ich wollte Theaterwissenschaften studieren, war aber zu spät dran. Da sagte eine Freundin zu mir: „Kennst du nicht Verkaufsfernsehen?“ Kannte ich nicht. „Da hat so ein neuer Sender in Düsseldorf aufgemacht. Mach doch da mal ein Casting.“ Also bin ich hin und hatte überhaupt keine Ahnung, was mich erwartet. Die haben mir dann ein Glas Wasser vorgesetzt und gesagt: „Verkaufen Sie einmal dieses Glas Wasser.“ Das ging sehr gut, aber dann kam eine Fotokamera, die ich verkaufen sollte, und da ich überhaupt nicht technisch begabt bin, war das eine Katastrophe. Zwei Tage später kam die Absage. Da ich von der Bühne überhaupt nicht gewohnt war Absagen zu bekommen, war das für mich eine ganz neue Situation. Ich dachte mir: Die können nicht einfach Nein sagen. Also war ich hartnäckig, bis sie mich nochmals eingeladen haben. Beim zweiten Mal bekam ich den Job.

 

Macht das Aufstehen nach einer Niederlage einen guten Unternehmer aus?
Unbedingt! Niederlagen gehören zum Leben dazu. Und es ist nichts, was man überdramatisieren muss, man muss sich dann einfach neu orientieren. Du bist direkt beim nächsten Gedanken und machst sofort weiter und hältst dich nicht mit dem Negativen auf.

Wann starteten Sie Ihre eigene Kosmetiklinie?
Nachdem ich die x-te Marke vor dem Aus gerettet hatte. Ein wunderbares Produkt zu haben ist etwas Tolles, aber wenn du es nicht verkaufen kannst, dann bringt dir das nichts. Es gibt einfach viele, die nicht verkaufen können. Ich habe etlichen Marken im Teleshopping geholfen, erfolgreich zu sein, und dachte mir schließlich: Wieso machst du eigentlich nicht was Eigenes? Du weißt, was hinein gehört, du hast die ganzen Kontakte, du weißt, was du willst und weißt auch, was du anders machen möchtest. So war meine eigene Firma geboren.

Heute haben Sie über 350 Produkte.
Wir haben heute nicht nur 350 Produkte, das ist das aktuelle Sortiment im Teleshopping, sondern insgesamt über 1.000 Produkte, und wenn Sie Mode und Schmuck dazunehmen, eigentlich noch viel mehr. Kosmetik ist mein Herzblut. Ich hatte damals schon mit Roland Kohl, meinem Partner, zu tun, der eine wunderbare Linie ins Teleshopping gebracht hat, eine biologische Kosmetik, die ich sehr geliebt habe. Mit ihm habe ich mich dann zusammengetan und die Judith Williams Kosmetik in Innsbruck ins Leben gerufen.

Was ist wichtig, um eine starke Marke zu werden?
Das Wichtigste ist zu wissen, wer man ist. Und wofür wollen wir stehen? Ich merke das oft bei Start-ups, die mit einem Produkt anfangen, und bevor das wirklich ausgereift und breit gestreut ist, machen sie schon mit dem nächsten weiter. So beginnst du dich zu verzetteln. Diese Phase hatten wir auch.

Wie ist Ihre Strategie in unserer digitalisierten Welt?
Wir machen E-Commerce und sind dort sehr gut aufgestellt, und wir vertreiben auch andere Marken, wo man nicht weiß, dass ich mitunter ein Teil davon bin. Auf der anderen Seite habe ich dieses Start-up-Business und auch die Glow Media Group, in der ich bei der Firma GLOW Innovations mit Dr. Georg Kofler (Anm.: Ex-Pro Sieben- und Premiere-Chef) zusammen bin. Auch ein Österreicher. Die geht völlig neue Wege, sehr stark natürlich Influencer-getrieben. Da haben wir jetzt schon erste große Erfolge.

14. Februar 2017