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Stephan Köhl: Wie wir urlauben

DIE TOURISMUS-TRENDS 2022: Destinationen bereit für das Metaverse * Die Pandemie steigert die Sehnsucht nach Natur * Fernreisen nehmen nach Corona wieder zu * Nachhaltigkeit Top-Thema * Urlaub bleibt regional. Stephan Köhl, Geschäftsführer Allgäuer Hörnerdörfer Tourismus, über die Tourismustrends des Jahres.

OOOM Trend-Redaktion1. März 2022 No Comments

Die Tourismusindustrie hat zwei herausfordernde Jahre hinter sich. Staycation – der Urlaub daheim – wurde durch Corona zum Trend. Bleiben wir 2022 auch in Regionen und Ländern, die wir mit Zug und Auto erreichen können?
Ja, das wird bleiben. Das lokale Urlaubmachen ist ja nicht nur bei der Anreise bequemer, sondern auch viel umweltfreundlicher. Die Gäste haben zudem keine Lust mehr auf Zurücktesten und Quarantäne. Das Allgäu etwa hat einen starken Fokus auf nahe Herkunftsmärkte wie Bayern, Baden-Württemberg und das südliche Rheinland. Die Gäste sind in wenigen Stunden mit dem Zug oder Auto da. Diese Qualität, kein Warten, kein Risiko im Urlaub, wird überall Tourismus nachgefragt.

Was haben wir aus der Pandemie gelernt? Dass Erlebnisse in der Natur deutlich glücklicher machen als materielle Dinge?
Das ist eine breite Entwicklung seit vielen Jahren, nicht nur in der Pandemie. Zu Recht: Das bewusste Erleben und das schöne Erinnern sind das Beste, was uns passieren kann. In unserer Überflussgesellschaft verlieren materielle Dinge an Distinktion und die echten und ehrlichen, emotionalen Erlebnisse werden wertvoller. Doch der Wunsch, fernere Länder zu bereisen, bleibt vielen ein Grundbedürfnis. Daher glaube ich, dass die klassischen Urlaubsströme wieder einsetzen nach der Pandemie. Stark vereinfacht fährt ein Teil Wiens dann wieder nach Kärnten und Kroatien, ein Teil Tirols nach Südtirol, Münchens nach Italien und ein anderer Teil wird Karibik buchen. Aber man wird sich erinnern, dass das Gute auch nah liegt.

Wurde die Sehnsucht nach der Natur, die Sonne zu sehen, in den Himmel zu schauen, noch verstärkt?
Auf alle Fälle! Städte werden größer, enger, lauter. Erinnern wir uns an den ersten Lockdown, Reisen war tabu, sogar Parks blieben geschlossen. Da fühlt man sich in der Stadtwohnung schnell eingesperrt und das steigert die Sehnsucht nach Natur enorm. Gleichzeitig will man nicht in Urlaubsregionen reisen, wo sich die Leute drängen. Man sucht eher Landschaft, sucht Abstand und Sicherheit. Unsere fünf Allgäuer Hörnerdörfer etwa sind alle kleine, aber feine Natur-Dörfer – da hat der Gast Vertrauen und ein sicheres Gefühl.

Wie hat sich das Urlaubsverhalten verändert?
Die Gäste buchen in Corona- Zeiten verständlicherweise extrem kurzfristig. Sie wünschen sich frische Luft, Nachhaltigkeit und Sicherheit und suchen dies in der Natur.

Wird das Thema Nachhaltigkeit 2022 im Tourismus weiter zunehmen?
Ja, absolut. Das Allgäu beispielsweise punktet durch eine kurze Anreise, eine große Auswahl an regionalen und ökologischen (Bio-) Produkten und nachhaltig geführten Häusern. Zugegeben, naturnahes Wirtschaften hat hier eine lange Tradition – manche lokalen Gütesiegel existieren bereits Jahrzehnte. Dennoch muss Nachhaltigkeit noch sichtbarer werden für den Gast. Wir wollen Regionalmenüs anbieten. Zu 100 Prozent aus Produkten von Lieferanten aus dem Allgäu/Bodenseeraum.

Mark Zuckerberg hat das Metaverse angekündigt. Werden virtuelle Reisedestinationen entstehen?
Nun, die Idee Metaverse ist nicht neu. Vor 20 Jahren gab es schon Destinationen mit virtuellen „Botschaften“ auf Second Life. Wer Marketing macht, muss dort sein, wo seine Zielgruppen sind. Sobald Plattformen groß werden, ist eine Präsenz sinnvoll. Aber alle bleiben eine Werbung für das Original. Und dann muss das Original seine Werbeversprechen halten.

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1. März 2022