Arts & Design

viennacontemporary: Luxusgut Kunst

Sie ist die künstlerische Direktorin der viennacontemporary, Österreichs internationaler Kunstmesse, und mitten in den Vorbereitungen der großen Ausstellung zeitgenössischer Kunst, die trotz Corona vom 24.-27. September in der Wiener Marx Halle stattfinden wird: Johanna Chromik über die Herausforderung, eine internationale Messe zu COVID-19-Zeiten sicher über die Bühne zu bringen, die Signalwirkung, den Schwerpunkt Zentral- und Osteuropa, die digitale Erweiterung der Kunstmesse und die neuen Perspektiven für die Kunstwelt.

Claudia Ohswald30. Juli 2020 No Comments
Johanna Chromik, viennacontemporary

Gerhard Hofland

Warum haben Sie sich für die Durchführung entschlossen? Die bedeutendste Messe der Kunstwelt, die „Art Basel“, hat ja zunächst auf September verschoben und letztendlich komplett abgesagt?

Wir beobachten die Entwicklungen in Österreich genauestens. Da die Lage hierzulande jedoch glücklicherweise relativ stabil scheint, sehen wir uns in der Verantwortung gegenüber der Wiener Kunstszene, die ja durch COVID-19 sehr stark leidet, einen fulminanten Neustart im September bieten zu können – natürlich unter Einhaltung strengster Sicherheitsmaßnahmen und den gesundheitlichen Vorgaben der Bundesregierung.

Wie wird die Messe logistisch vollzogen? Kann man etwaiges Gedränge vor Kunstwerken vermeiden?

Die Gesundheit unserer Besucher ist unsere größte Priorität. Ein Corona-Beauftragter wird uns beratend zur Seite stehen, damit die Messe sicher über die Bühne geht. Organisatorische Maßnahmen wie Timeslots und Teilnahmemöglichkeiten via Online-Streams werden helfen, die Besucherströme zu lenken. Wir stecken alle gemeinsam in dieser herausfordernden Situation und werden sie auch durch gemeinsames Zusammenarbeiten so gut wie möglich meistern.

Wie glauben Sie, wird es sich mit internationalen Gästen verhalten?

Wie wir alle wissen ist dies nicht der Sommer der großen Fernreisen. Die diesjährige Messe wird sicher einen Großteil des Publikums aus Österreich und Europa verzeichnen – es ist ja auch eine schöne Chance für das heimische Publikum, die lokale Kunstszene auf hohem Niveau zu entdecken. Natürlich bleibt unser internationaler Anspruch bestehen, auch wenn er in diesem Jahr womöglich vor allem in der digitalen Sphäre ausgelebt werden muss.

Leidet die Kunstbranche unter Corona? Wird Kunst auch online erstanden? Und wie sind die neuen Perspektiven für die Kunstwelt?

Die Verkäufe der Galerien sind eingebrochen, die Ankaufsetats der Museen sind geschröpft, zahlreiche Künstlerinnen und Künstler versuchen immer wieder, in Aktionen auf ihre Notsituation aufmerksam zu machen. Kunst als vermeintliches „Luxusgut“ rückt in Krisensituationen schnell mal vorübergehend in den Hintergrund der allgemeinen Wahrnehmung. Das hat aber auf lange Sicht natürlich desaströse Folgen für ein Land und seine Kulturlandschaft. Umso wichtiger ist es, im September für die Kunst Flagge zu zeigen. Eine Verlagerung in Richtung Online-Events konnten wir während des Lock-Downs deutlich sehen und sicherlich wird die digitale Seite des Kunstkaufs und -erlebens immer bedeutender werden. Doch bleibt das tatsächliche Erlebnis von Kunst, der Austausch darüber im realen Raum wesentlich. Das wird besonders klar nach einer Zeit der Entbehrung von Live-Erlebnissen.

30. Juli 2020