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Viva la vulva. Wie die feministische Revolution bei der Vulva beginnt.

Sie sind eine Gruppe junger, engagierter Frauen, küren gemeinsam die „Vulva des Monats“ – zuletzt die längst verblichene Schauspielerin und Erfinderin Hedy Lamarr –, fragen auf ihrem Blog frech: „Hast du es dir schon mal besorgt?“, und laden beim „Look at this Vulva!“-Festival zum gemeinsamen Vulva- Basteln ein. Was sie damit bezwecken wollen? Aufmerksamkeit. Viva La Vulva sieht sich als das österreichische Forum von und für junge Feministinnen, als Meinungsplattform für feministische Themen, Freiheit, Selbstbestimmung und Lust. OOOM-Redakteurin Tanja Rauch sprach mit der Obfrau Sofia Surma über Feminismus, den Stellenwert des Penis in unserer Gesellschaft, die Vulva und über Inspiration.

Tanja Rauch7. Oktober 2019 No Comments
viva la vulva

Was will Viva La Vulva bewirken?

Viva La Vulva ist letztes Frühjahr im freundschaftlichen Urlaub entstanden. Wir waren zusammen in London und wollten am Abend eigentlich feiern gehen. Irgendwie sind wir dann mit viel Wein auf intimere Themen gekommen und haben uns unter anderem gefragt, warum niemand öffentlich über die Menstruation spricht. Bei dem Thema sind wir dann hängen geblieben und haben über die Situation in Österreich und anderen Ländern diskutiert. Im Endeffekt haben wir den ganzen Abend recherchiert, angefangen, alles aufzuschreiben und zu planen, was wir damit anfangen, welche Revolution wir damit starten könnten. Wie das mit Ideen meist ist, war sie nach dem Urlaub schnell wieder verworfen. Die offizielle Gründung hat dann letztes Jahr im August stattgefunden.

Der Name lag nahe?

Wir wollten etwas, das Aufmerksamkeit erregt, und sind dabei relativ schnell auf das weibliche Genital gestoßen. Da hat sich bereits die erste Frage gestellt, wie man das da unten denn eigentlich nennt: Sagt man Muschi? Sagt man Vulva? Vagina? Viele Frauen wissen selbst nicht, wie sie es benennen sollen. Nach vielen Überlegungen sind wir zu dem Entschluss „Viva La Vulva“ gekommen, da die Vagina genau genommen nur das Loch ist. Unser Ziel ist es, die Vulva mit etwas Positivem zu assoziieren und somit auch die Bewegung der Pussy Positivity zu fördern.

Was machen Sie sonst?

Ana studiert Wirtschaft und Kunstgeschichte, Marta ist Jusstudentin, Svetlana ist fertige Jusstudentin und arbeitet jetzt in einer Anwaltskanzlei. Und ich habe mein Politikwissenschaftsstudium abgeschlossen, arbeite jetzt aber im IT-Consulting. Wir waren alle vier politisch engagiert und haben uns über ein gemeinsames Ziel, die feministische Gesellschaftspolitik, als diese Gruppe zusammengefunden.

Wie sind Sie zum Feminismus gekommen? 

Ich hatte das Glück, dass meine Mutter sehr feministisch ist und ich deshalb mit feministischem Gedankengut aufgewachsen bin. Für mich war es aber lange das Hippie-Ding, das meine Mama macht. Ich bin damals in eine HTL für Bautechnik gegangen und dachte anfangs, dass Feminismus doch nicht so wichtig ist. Aber ich glaube, je mehr Zeit vergangen ist und je mehr ich durch persönliche Erfahrungen erkannt habe, wo in unserer Gesellschaft Benachteiligungen stattfinden, desto mehr kann ich heute sagen, dass meine Mama mit vielen Sachen recht hatte, die ich damals nicht glauben wollte.

Lasst euch nicht von Tabus und gesellschaftlichen Zwängen einschränken in dem, wer ihr seid.

Was bedeutet Feminismus für Sie?

Wir vier haben alle unterschiedliche Auffassungen über Feminismus. Jede von uns lebt ihn anders, macht ihn anders, findet auch andere Sachen gut. Wir sind da wirklich sehr divers und haben intern immer wieder Diskussionen. Ich finde es ganz wichtig, dass es diesen Diskurs gibt und dass man auch die Vielfältigkeit zeigt. Ich glaube aber, dass man nicht wirklich vom alten Feminismus oder von „Feminismus reloaded“ sprechen kann, denn es hängt alles zusammen. Es ergibt sich ein Bild, wenn man die früheren Frauenbewegungen ansieht und den Feminismus von heute. Ein Bild, an das man sich erinnern muss und das zeigt, wie weit wir bereits gekommen sind. Zwar mit vielen unterschiedlichen Facetten, aber eigentlich ein Ganzes, für das viele vor uns schon gekämpft haben und wo man stolz sein kann, dass man einen kleinen Beitrag leistet.

7. Oktober 2019