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Viva la vulva. Wie die feministische Revolution bei der Vulva beginnt.

Sie sind eine Gruppe junger, engagierter Frauen, küren gemeinsam die „Vulva des Monats“ – zuletzt die längst verblichene Schauspielerin und Erfinderin Hedy Lamarr –, fragen auf ihrem Blog frech: „Hast du es dir schon mal besorgt?“, und laden beim „Look at this Vulva!“-Festival zum gemeinsamen Vulva- Basteln ein. Was sie damit bezwecken wollen? Aufmerksamkeit. Viva La Vulva sieht sich als das österreichische Forum von und für junge Feministinnen, als Meinungsplattform für feministische Themen, Freiheit, Selbstbestimmung und Lust. OOOM-Redakteurin Tanja Rauch sprach mit der Obfrau Sofia Surma über Feminismus, den Stellenwert des Penis in unserer Gesellschaft, die Vulva und über Inspiration.

Tanja Rauch7. Oktober 2019 No Comments
viva la vulva

 

Hat der Penis nach wie vor einen anderen Stellenwert als eine Vulva?

Wenn man sich Graffitis oder in Schulen die Tische ansieht: Überall sieht man immer Penisse. Wenn man Leute fragt: „Bitte zeichne eine Vulva“, dann zeichnen sie ein Loch. Dadurch sieht man allein schon, welchen Stellenwert der Penis in unserer Gesellschaft hat. Es kommt eher selten vor, dass sich jemand überlegt, ein Vulva-Graffiti zu zeichnen, das ist eher die Ausnahme. In Japan gibt es sogar ein Penis-Fest, bei dem der Penis zelebriert wird. Dann gab es eine Künstlerin, die sich einen 3D-Druck ihrer Vulva anfertigen ließ; jetzt droht ihr eine Haftstrafe – gleichzeitig gibt es aber im gleichen Land ein Penis-Festival. Das ist so skurril.

Die Beschneidung der Frau ist nach wie vor speziell in afrikanischen Ländern, aber auch in Malaysia oder Indonesien ein großes Problem. 

Die Beschneidung des weiblichen Genitals betrifft nicht nur afrikanische Länder, sondern ist eigentlich ein globales Problem. Selbst in Europa gibt es Frauen, die beschnitten werden. Wenn man das Thema weiterspinnt, hört die Schneiderei an der Vulva bei uns im Westen nicht auf, sondern wir lassen Vaginoplastiken oder Schamlippenverkürzungen machen. Das ist traurigerweise eine der derzeit am schnellsten wachsenden Bereiche bei Schönheits-OPs. Das eine ist natürlich ganz anders motiviert als das andere, trotzdem: Die Beschneidung der Sexualität der Frau ist eine kulturelle Sache, und die Operationen werden durch wahnsinnige Beauty-Standards und falsche Bilder propagiert. Das geht so weit, dass 16-jährige Mädels glauben, ihre Vulva sei hässlich, weil die inneren Schamlippen zwischen den äußeren hervorschauen. Wir waren beim „LOOK AT THIS VULVA!“-Festival mit einem Basteltisch vertreten, wo jeder seine Vulva basteln konnte, und versuchten aufzuklären. Die Beschäftigung mit der Anatomie des eigenen Körpers ist etwas Wichtiges. Mit dem Basteln haben wir damit einen kreativeren und spielerischen Zugang zu dem Thema geschaffen.

Beim Namen hat sich die Frage gestellt: Wie nennt man das da unten eigentlich? Muschi? Vulva? Vagina?

Was würden Sie in die Schulbildung integrieren, um Kinder vor allem schon in jungen Jahren für das Thema zu sensibilisieren?

Das Problem mit der Sexualität fängt schon mit den Abbildungen in den Schulbüchern an. Die Vulva wird nur als kleiner, dünner Schlitz gezeigt. Wenn externe Vereine nicht mehr an die Schule kommen dürfen, müssen diesen Part die Lehrer übernehmen, die vielleicht kein wirklich ausgeprägtes Wissen darüber haben. Ein weiteres Problem ist, dass viele, vor allem Schülerinnen, mit ihren eigenen Lehrern, die sie jeden Tag sehen, nicht wirklich über das Thema sprechen möchten. Ich finde es überaus wichtig, Kindern einen Raum zu bieten, wo sie sich mit dem Thema auseinandersetzen können, wo sie die Freiheit haben, Sachen zu fragen, denn Sex ist so ein wichtiges und vor allem prägendes Thema.

Wer oder was inspiriert eine „Viva La Vulva“-Plattform?

Mich inspirieren unsere Gastautorinnen, weil ich durch sie so viel Neues gelernt habe. Das Tollste an Viva La Vulva ist, dass wir mit Menschen in Kontakt kommen, bei denen wir mit unserer Vision, die Gesellschaft verändern zu wollen, nicht allein sind.

Was möchten Sie Frauen mit auf den Weg geben?

Lasst euch nicht von Tabus und gesellschaftlichen Zwängen einschränken in dem, wer ihr seid und was ihr machen wollt. Lasst es euch auf keinen Fall ausreden, wenn ihr eine Idee habt, mit der ihr etwas verändern wollt.

www.vivalavulva.at

7. Oktober 2019