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Revolutionär: ViveLaCar bietet Autos im Abo an

In Zeiten der Sharing Economy mischt ein Start-up den deutschsprachigen Markt mit einer revolutionären Geschäftsidee auf: ViveLaCar bietet Autos im Abo an, die für ein paar Monate, aber auch für Jahre zum Fixpreis abonniert werden können – Vollkasko-Versicherung, Winterreifen, Wartungsservice und Pickerl inklusive. Das Gesamtpaket gibt es ab 300 Euro pro Monat. Man sucht sich sein Fahrzeug online aus, abonniert es und eine Woche später steht es vor der Tür. Ändert sich die Lebenssituation und man will umsteigen, ist dies ganz einfach möglich. Martin Rada ist der Boss hinter ViveLaCar Österreich und Schweiz. In OOOM spricht er über die Digitalisierung des Autovertriebs, neue Erlösquellen für den Autohandel und warum ein geleastes oder gekauftes Auto nicht billiger sein kann.

GEORG KINDEL22. Dezember 2020 No Comments

Wie viele Autos bieten Sie derzeit in Österreich und Deutschland an?
In Deutschland sind es schon über fünftausend Fahrzeuge, die wir über unsere Plattformen anbieten. In Österreich bauen wir das Händler-Netz gerade auf, wir haben schon über achthundert Fahrzeuge auf unserer Plattform und es kommen jeden Tag weitere Fahrzeuge hinzu. Sie finden also laufend neue Modelle. Wir liefern die Fahrzeuge auch an die Kunden, die in ihrer Umgebung nicht die Marke und das Fahrzeug finden, das sie gerne hätten. Gerade für Kunden, die sich in so turbulenten Zeiten nicht aus dem Haus bewegen und die Kontakte meiden wollen, bieten wir die Lieferung unter Einhaltung aller Hygiene-Standards an.

Was kostet eine Lieferung?
199 Euro in ganz Österreich.

Ansonsten holen die Kunden das Fahrzeug direkt vom Händler ab?
Ja. Das Fahrzeug steht beim Händler, wird vom Kunden beim Händler abgeholt und dorthin wieder retourniert.

Wie hoch sind Ihre monatlichen Gebühren? Wo fängt das Abo preislich an?
Wir fangen heute bei knapp über 300 Euro pro Monat an inklusive Vollkasko-Versicherung, Steuer, Wartungsservice und Pickerl. Wenn Sie beim ÖAMTC-Rechner, der Ihnen anzeigt, was Sie ein spezielles Fahrzeug kostet, alles eingeben, werden Sie feststellen, dass ein Auto Abo bei ViveLaCar genauso attraktiv ist, wie wenn Sie sich heute ein Fahrzeug kaufen oder auch leasen. Das heißt: Wir haben ein faires Preisniveau und das kann auch jederzeit überprüft werden.

Wir fangen heute bei knapp über 300 Euro pro Monat an inklusive Vollkasko-Versicherung, Wartungs­service und Pickerl.

Wie groß ist das ViveLaCar-Team?
Wir haben in Deutschland bereits ein großes Team, weil von dort aus der ganze DACH-Raum betreut wird: von Customer Care, Finanzabteilung, Buchhaltung bis zur IT, in Österreich haben wir erst fünf Mitarbeiter. Der Händler bekommt von uns eine Einschulung und kann danach die Fahrzeuge selbst auf die Plattform stellen, entweder manuell oder über eine Maske. Die Plattform zeigt dem Händler den Abo Preis an und er sieht sofort, was er monatlich für eine Vergütung für das Fahrzeug bekommt. Wir zahlen dem Händler die Abwertung des Fahrzeugs, wir zahlen ihm aber auch die Finanzierung des Fahrzeugs und sukzessive Wartung, Service, Winterreifen, Vignette etc. Die komplette Dienstleistung übernimmt ViveLaCar, das heißt, der Händer braucht nur das Fahrzeug zuzulassen und an den Kunden abzugeben. Es ist wirklich einfach für den Händler und den Kunden, transparent und fair.

Sie sind jetzt über ein Jahr auf dem Markt?
Im September 2019 war der Go Live in Deutschland, wir haben im Mai 2020 in der Schweiz begonnen und im Juli 2020 die markenoffene Plattform in Österreich.

Wie hoch ist das Investment im Unternehmen?
Die großen Investitionen waren sicher die Plattform, hier sind wir im siebenstelligen Bereich. Wo wir auch noch sehr viel investiert haben, sind Prozesse zum Händler und zum Kunden. Für jedes Fahrzeug gibt es monatlich eine Kilometerabfrage, wir schicken die Rechnungen an die Kunden aus. Auf der anderen Seite erfolgen monatliche Gutschriften an die Händler. Das heißt, auch das IT-Finanzsystem ist hier dementsprechend komplex. Warum unser Geschäftsmodell langfristig erfolgreich sein wird: Weil wir ein Asset Light Unternehmen sind, das heißt: Wir kaufen die Fahrzeuge nicht an, sondern investieren in die Prozesse, IT und in die Dienstleistung.

Klassische Mietwagen­firmen wie Sixt versuchen Ihr Konzept bereits zu kopieren.
Ich sehe es auf der einen Seite sportlich. Je mehr Firmen sich dem Thema Abo widmen, desto besser für den Kunden. Es gibt aber wesentliche Unterschiede: Wir zeigen dem Kunden Tausende unterschiedliche Fahrzeuge, aus denen er auswählen und wo er innerhalb von kürzerer Zeit sein Fahrzeug übernehmen kann. Das sind alles individuelle Autos. Sie sehen, was Sie tatsächlich bekommen, und das bekommen Sie in kürzester Zeit. Sie müssen sich bei uns nicht committen, ob Sie 6, 9, 12 oder 24 Monate damit fahren, Sie steigen einfach ein und fahren los. Wir geben Ihnen die Flexibilität, um auch im Kopf frei zu sein. Bei einem Mietwagenkonzept kennen Sie nur die Kategorie des Autos, aber weder die Marke, die Farbe, Ausstattung noch den Status des Fahrzeugs. Beim Abo suchen Sie Ihr individuelles Fahrzeug aus und deshalb glauben wir, dass sich das auch langfristig durchsetzen wird.

Was sind Ihre Ziele?
Wir wollen den Kunden noch mehr Flexibilität bieten und wir werden nach dem DACH-Raum sukzessive in andere Märkte vordringen.

22. Dezember 2020