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Vive la Provence: Eine Reise durch Frankreichs Kulinarik

C’est si bon! Bei einem Spaziergang durch Nizza brachte Henri Betti, der Pianist Maurice Chevaliers, 1947 die Melodie zu Yves Montands Klassiker zu Papier. Genau dort beginnt auch unsere kulinarische Reise. Sie führt über die elegante Riviera und imposante Berge Frankreichs ins malerische Aix-en-Provence nach Avignon und endet schließlich in der Gourmet-Hochburg von Lyon.

Deborah Heiss5. Dezember 2018 No Comments
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Azurblaues Meer, elegante Strände und luxuriöse Restaurants: Nizza vereint jenen Zauber, den man mit der französischen Küste in Verbindung bringt. Die siebtgrößte Stadt Frankreichs ist mit Cannes und Monte Carlo eine Traumkulisse für Badeurlauber und Gourmet­begeisterte. Tagsüber stöbert man in den unzähligen Lebensmittelmärkten des Cours Saleya, während man sich abends an den Caféterrassen des Cours „tout le monde“ beim Sonnenuntergang trifft.

Durch die gute Anbindung zum Flughafen ist der kleine französische Ort idealer Ausgangspunkt für eine Reise durch den Süden Frankreichs. Es lohnt sich, von dort aus ein Auto zu mieten und tiefer in die Kultur und Kulinarik der Provence und der Region Auvergne-Rhône-Alpes einzutauchen. Besonders im Frühling und im Spätsommer entfaltet das Land seine schönsten Farben.

ooom provence 1

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Skulpturen in Tourrettes-sur-Loup. 20 Kilometer von Nizza entfernt, auf einem Felssporn mit Meeresblick, thront das kleine mittelalterliche Dorf Tourettes-sur-Loup. Verwinkelte Gassen, kleine Häuser aus Stein und viele künstlerische Eindrücke begleiten die Autofahrt über die kurvigen Bergstraßen bis zur entzückenden Maison Les 4 Éléments. Das deutsch-französische Ehepaar Irene und Peter Pöthig ließ das 6.000 Quadratmeter große Anwesen in drei Jahren Bauzeit nach ihren Vorstellungen errichten und empfängt dort Gäste aus dem In- und Ausland. Die vier exklusiven Zimmer sind im Stil der Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft gestaltet und den Themen entsprechend eingerichtet.

Während man am Morgen das Frühstück unter freiem Himmel am Pool genießt, das von den herzlichen Gastgebern persönlich zubereitet wird, lässt es sich wunderbar über die facettenreichen Kultureinflüsse in diesem Paradies philosophieren. Das ganze Grundstück des kleinen Hotels ist wie ein Ausflug in eine andere Welt.

Im Garten mit 360-Grad-Panoramablick über die Landschaft verteilen sich imposante Skulpturen von Künstlern wie Walter Mürtz, Paco Sagasta und Jean Marc Poulin. Was einst als Privatinitiative der beiden Kunstliebhaber begann, ist heute als „route sculptures“, ein Freiluftmuseum, bekannt und dehnt sich zwischen Vence und Le-Bar-sur-Loup bis übers Hinterland der Côte d’Azur aus.

Licht von Saint-Paul-de-Vence. Würde man die Schönheit und Seele Frankreichs mit all seinen Facetten einfangen, gäbe es dazu kaum einen besseren Ort als Saint-Paul-de-Vence. Berühmte Maler wie Picasso, Henri Matisse und Marc Chagall urlaubten im pittoresken Ort. Sie ließen sich von den malerischen Weinbergen und Zypressen und der unvergleichlichen Lichtfülle des Südens inspirieren. Jährlich strömen Tausende Besucher in das landschaftliche Juwel, um Museen und Kunsthandwerksstätten zu erkunden und sich in den hervorragenden Brasserien nach den Spaziergängen zu entspannen.

Wo Matisse speiste. Am schönsten ist Erholung bekanntlich nach dem Mittagessen. Das zentrale gesellschaftliche Highlight neben den kulturellen Sehenswürdigkeiten in der 3.400-Einwohner-Stadt Saint-Paul-de-Vence sind seine Restaurants. „Eine der Hauptzutaten der Gerichte ist Sonnenschein“, steht auf der von Paul Roux zubereiteten Speisekarte mit ihren berühmten Gerichten. „Sinnliches Essen, das die Gäste daran erinnert, dass ihr Gastgeber eine Familie ist“, liest man im Auszug aus dem Buch des Restaurants La Colombe d’Or. Die Beschreibung passt hervorragend zum wohl berühmtesten Lokal vor Ort. Es beherbegte außergewöhnliche Persönlichkeiten wie Pablo Picasso, Matisse, Léger, César und darf deren Kunstwerke ihr Eigen nennen.

Auch auf der romantischen Terrasse des Restaurants Le Tilleul kann man die künstlerische Kreativität und das Savoir-vivre regelrecht spüren. Küchenchef Bastien Hodé bringt regionale und frische Zutaten der Saison auf den Teller und schafft es, jedem Gericht das gewisse Etwas zu verleihen. Beim „Salade Niçoise revisitée“ mit hauchzartem Thunfisch, süß-herben Gewürzen und pochiertem Ei oder dem knusprigen Ziegenkäse mit Feigen und einem Glas Rosè möchte man an diesem malerischen Ort am liebsten für immer bleiben.

Die Stadt der Düfte. Vergessen Sie alles um sich und konzentrieren Sie sich einzig und allein auf den Geruch: Lavendel, Rose, ein Hauch von Zitrone oder war es doch Grapefruit? Wie so immer lockt die Ferne und wer besondere olfaktorische Eindrücke erleben möchte, der sollte Grasse, die Stadt des Parfums, auf seiner Route nicht auslassen.

Lockte eben noch der Duft der Weinreben und der frisch angerösteten Crème brûlée, so sind es nun die parfümierten Flakons und feinen Blumengerüche, die die Sinne betören. In der Parfumfabrik von Fragonard hat man bei einem Workshop die Möglichkeit, eine Führung durch das gesamte Areal zu genießen und sein persönliches Eau de Cologne herzustellen. Das Traditionsunternehmen ist bis heute in Familienbesitz und legt großen Wert auf die Verwendung hochwertiger Rohstoffe und Zutaten pflanzlichen Ursprungs. In den angrenzenden Feldern wachsen die Inhaltsstoffe, die man in den wunderschönen Glasgefäßen findet, die Rosen hingegen werden direkt in Grasse kultiviert. Bekannt geworden ist Grasse in der Gegenwart vor allem durch den Roman „Das Parfum“ von Patrick Süskind. Die Geschichte handelt von Jean-Baptiste Grenouille, der mit einem ausgeprägten Geruchssinn auf die Welt kommt und für die Herstellung eines außergewöhnlichen Duftes sogar Opfer hinterlässt.

Traumhaftes Cabris. Zum Arrondissement Grasse gehört auch das entzückende Cabris, das seinen Namen vom lateinischen Wort für Ziege, „capra“, ableitet. Von der mittelalterlichen Burg, die das Dorf beherrschte, sind nur noch Ruinen erhalten, aber vom Schlossplatz aus genießt man einen außergewöhnlichen Blick auf das Mittelmeer, die Inseln von Lérins und den See Saint-Cassien.

Das Restaurant L’Auberge du Vieux Château am Place du Panorama imponiert mit einer faszinierenden Aussicht auf die Côte d’Azur und einer fantastischen Getränke- und Käseauswahl: Weine der Provence, Burgund, Bordeaux, Languedoc-Roussillon und Champagner gepaart mit Crottin de Chèvre oder Brousse du Rove, einem intensiven Ziegenfrischkäse.

Besonders beeindruckend ist ein Dinner vor Ort, wenn man von der Terrasse aus den Sonnenuntergang beobachtet und den Tag mit einem Spaziergang durch die rustikalen Gassen ausklingen lässt. Auf der Fahrt zurück nach Süden kommt man an gepflegten Olivenbäumen und einer prächtigen Vegetation vorbei. Die typische Landschaft der Provence ist unverkennbar. Blumen wie Oleander, Lavendel und grüne Kräuter bilden einen traumhaften Kontrast zum azurblauen Meer, das man an der nicht unweiten Côte d‘Azur bestaunen kann.

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Bei Brigitte B. in Saint-Tropez. Die Autofahrt führt uns von Grasse in die herrliche Bucht von Saint-Tropez, die genauso sehenswert ist wie der luxuriöse Hafen. Im Vieux Port darf man ganz ungeniert beim Aperitif die prätentiösen Yachten mit ihren nicht weniger auffälligen Besitzern bestaunen. Dieser Ort hat Filmgeschichte geschrieben: Louis de Funès als Gendarm Ludovic Cruchot, „La Cage aux Folles“ und nicht zuletzt wegen Brigitte Bardot in „Und immer lockt das Weib“, der im Jahre 1956 Millionen von Zuschauern schockierte. Die Schauspielerin ist auch zurzeit noch die berühmteste Einwohnerin in dem mondänen Örtchen. Im Jahr 2017 wurde ihr eine zweieinhalb Meter hohe Bronzestatue des Künstlers Milo Manara gewidmet, die auf der Place Blanqui steht.

Weniger skandalös, jedoch äußerst vielfältig ist die Küche. Zu den kulinarischen Highlights in Saint-Tropez gehört neben den vielen schicken Strandbistros auch das Fischlokal Le Girelier oder das 3-Michelin-Sterne-Restaurant La Petite Plage mit Chefkoch Èric Fréchon. Frisches Gemüse, Meeresfische und regionale Kräuter findet man auf den Genussmärkten Place des Lices und Place aux Herbes. Wer Shopping und exklusive Strandbars für eine Weile hinter sich lassen möchte, hat mit dem entzückenden und hippen Boutique-Hotel Pastis die richtige Wahl getroffen, eine wahre Oase im Trubel der Côte d’Azur. Das familiengeführte Hotel hat nur neun Zimmer und ein so entspanntes Ambiente, dass man sich sofort wohlfühlt. Die Leidenschaft der aus England stammenden Besitzer ist unverkennbar die Kunst des 20. Jahrhunderts. Vom Eingangsbereich bis zu den geräumigen Schlafzimmern mit großen Bädern finden sich Keramiken, Gemälde und fantasievolle Möbelstücke. So sitzt man beim Brunch am Pool unter Palmen und darf den interessanten Geschichten von Pauline Larkin lauschen, während sie erzählt, wie die Fotografien von Terry O’Neill, für den schon Judy Garland, die Beatles oder die Rolling Stones vor der Kamera posierten, an die Wände des Hotels gelangten. In diesem Haus beeindruckt jedes Detail. Fast könnte man übersehen, dass die bekannten Street-Art-Mosaike der Space Invaders – die auf der ganzen Welt verstreut sind – auf der Treppe des Hotel Pastiz eingearbeitet sind. Das Abenteuer ruft und nach einem üppigen kontinentalen Frühstück kann die Fahrt in das französische Bouches-du-Rhône nach Aix-en-Provence weitergehen.

Auf Cézannes Spuren im eleganten Aix-en-Provence. Haben Sie schon einmal eine französische Quiche in einem pinken Teesalon genossen? Im Caumont Centre d’Art und dem gleichnamigen Café Caumont inmitten von Aix-en-Provence diniert man bei Tisch im chinesischen Salon mit handgemalten Tapeten und wunderschönen Rokoko-Stuckaturen. Das für 12,6 Millionen Euro restaurierte Kunstzentrum besticht mit einem imposanten Garten, Kunstausstellungen und einer Beletage mit eigenem Musiksalon. Die Universitätsstadt war Geburtsort des berühmten Malers Cézanne und liegt nördlich von Marseille. Läuft man durch die Straßen und Boulevards, kann man eine junge und lebensfrohe Kultur spüren. Am Cours Mirabeau pulsieren Leben und Leidenschaft, während an den schönen Plätzen wie der La Rotonde Livebands alte Klassiker zum Besten geben. Aix-en-Provence vermittelt eine leichte Eleganz und fasziniert mit seinen unzähligen Brunnen.

Allein ein Dutzend davon findet man im Garten des Hotels Le Pigonnet.

Wenn man Glück hat, schaut der Schauspieler Jean-Paul Belmondo für einen Drink an der Hotelbar vorbei. Der französische Schauspieler ist Miteigentümer der fast schon herrschaftlichen Residenz mit traumhaftem Garten und Restaurant. Ein privates Clubambiente mit Zigarren- und Cognac-Keller, Gourmet-Snacks, Spiegelsets und einer hochwertigen Musikanlage machen die Bar warm und gemütlich. Jede Woche ist es im Garten auch für Nicht-Hotelgäste möglich, Livemusik, darunter Jazz, Bossa Nova und Blues zu genießen, während man einen der köstlichen Cocktails verkostet.

Trüffelrisotto. Beim Abendessen fühlt man sich als Gast wie in einem historischen Roman des 18. Jahrhunderts: Verzierte Teller und vornehmes Besteck sind genauso präzise ausgewählt wie der weiße Vogelkäfig mit Taube und die verträumten Statuen zwischen den wilden Sträuchern. Im La Table du Pigonnet bestellen echte Connaisseurs am besten frischen Trüffelrisotto, Käsesoufflé und provenzialische Fleisch– und Fischspeisen. Für Vegetarier empfiehlt der Chef das hausgemachte Ratatouille oder Frühlingsrollen mit feinem Fenchelgemüse. Als Dessert bieten sich ein Kaffeemousse und karamelisierte Bananen an. Wie man auf unserer weiteren Reise erkennen kann, werden in Frankreich Süßspeisen ohnehin zu den wichtigsten Mahlzeiten gezählt.

Süße Verführung. „Es war einmal eine wunderschöne Prinzessin, dessen trauriger Blick König René zur Erfindung der berühmten nationalen Marzipanspezialitäten animierte.“ Das sagt zumindest die Sage, die der Fremdenführer gerne seinen Gästen erzählt. Die Form der Süßigkeiten erinnert an ein Lächeln, das Aroma an Mandeln und kandierte Melone: Calissons d’Aix. Eine der besten Adressen, um die nationalen Marzipanspezialitäten zu kosten, ist die Manufaktur Roy René. In der Produktion erfahren Besucher interessante Details von der Geschichte und dürfen den Produzenten bei der Herstellung über die Schulter schauen.

Die Provence macht ihrem Namen alle Ehre: hervorragendes Essen, ein Panorama, das einen so schnell nicht mehr loslässt und Weingüter, die zu den geschichtsträchtigsten und besten des Landes gehören. Wer Wein liebt, muss einen Kurzbesuch am Château La Coste einplanen. Es ist ein Weingut und Zentrum moderner Kunst mit futuristischen Aluminium-Konstrukten, die in der Sonne glänzen. Der Nationalpark, der über 500 Hektar misst, bietet ein einzigartiges Erlebnis im Herzen des biologisch-dynamischen Weinbergs.