Inspiration

Einstellungssache. Wie wäre es mit einem Perspektivwechsel?

Wir schauen vor allem auf die Dinge, die wir nicht haben, können und sind. Dadurch machen wir uns oft unglücklich und wissen die Dinge nicht mehr zu schätzen. Wie wäre es mit einem Perspektivwechsel? Was ich kann, habe und bin. Dankbarkeit und Zufriedenheit allein‘ durch einen Perspektivwechsel. Meine Nachbarn haben ein größeres Haus, ein schickeres Auto, ein höheres Monatseinkommen und überhaupt einfach viel mehr Glück im Leben als ich. Ich brauche unbedingt das neue iPhone, die neuen Nikeschuhe und die eine Tasche, die Bloggerin XY gestern in ihrer Story auf Instagram gepostet hat.

Luisa Gavira6. Oktober 2020 No Comments
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Marie war neulich in Japan und hat so coole Fotos gepostet. Und Isabelle war mit ihrem Verlobten auf den Malediven. Und ich? Ich habe es dieses Jahr nur nach Spanien geschafft. Mein Leben ist so langweilig und ich stehe alleine da. Paul hat eine Neue und ist ja so glücklich. Ich dagegen habe fünf Kilo zugenommen und fühle mich einfach nur dick. Ich muss dringend abnehmen und am besten sofort. Ich liege in meinem Bett, bin frustriert und fühle mich einfach nur wertlos. Alles ist schlecht, jeder scheint glücklich zu sein, nur ich nicht. Ich bin aber auch wirklich ein Pechvogel. Ich fühle mich nicht nur dick, sondern auch hässlich. Die Neue von Paul ist jünger, schlanker, größer und hübscher als ich. Ach, wenn ich doch nur so aussehen könnte wie Gisele Bündchen oder zumindest jünger, als ich es bin. In knapp zwei Wochen ist mein Geburtstag und ich werde wieder ein Jahr älter.

Ein weiteres Jahr ist vergangen und ich habe wieder nichts erreicht. Meine Vorsätze für das neue Lebensjahr habe ich schon nach wenigen Wochen verworfen.

Ein weiteres Jahr ist vergangen und ich habe wieder nichts erreicht. Meine Vorsätze für das neue Lebensjahr habe ich schon nach wenigen Wochen verworfen. Dabei wollte ich doch endlich einen Tanzkurs besuchen, mit dem Rauchen aufhören, eine neue Sprache lernen und mindestens einen Marathon laufen. Ich bin chronisch unzufrieden und ich weiß einfach nicht warum. Eigentlich gibt es keinen Grund, ich bin gesund, ich habe einen Job, ich habe Geld, ich habe Freunde und eine Familie, es fehlt mir also an nichts. Gut, ein Mann an meiner Seite wäre nicht verkehrt und vielleicht auch noch ein bisschen mehr Geld, ein neues Auto, eine neue Wohnungseinrichtung und eine Weltreise. Aber dann wäre ich wirklich glücklich. Nein, stopp. Jetzt fange ich schon wieder an. Wer kennt nicht solche Situationen? Wir haben alles, wir sind so produktiv, dass wir in einen 24 Stunden Tag einen 30 Stunden Tag reinpacken wollen, wir sprechen mehrere Sprachen, haben eine Sozialversicherung, leben in einem der reichsten Länder der Welt, haben seit 1945 keinen Krieg mehr erlebt und uns stehen alle Türen der Welt offen. Dennoch sind wir nicht zufrieden und glücklich.

Wie wäre es mit einem Perspektivwechsel? Das muss doch auch in die andere Richtung funktionieren. Was ich habe, was ich kann, was ich bin. Ich sehe nicht aus wie Gisele Bündchen, aber so schlecht sehe ich doch auch nicht aus. Ich bin gesund, ich kann sehen, gehen, hören, fühlen, riechen, schmecken. Ich liebe und werde geliebt. Ich habe viele tolle Menschen in meinem Leben und im Vergleich zu anderen Menschen habe ich ein warmes, gemütliches Zuhause. Ich habe mehr als genug Essen und Trinken und warmes Wasser. Ich lebe in einem Sozialstaat, kann wählen gehen, meine Meinung frei äußern und mich frei bewegen. Ich habe einen relativ sicheren Job, ein regelmäßiges Einkommen und kann mich mit meinem Reisepass fast überall auf der Welt frei bewegen. Warum um alles in der Welt schauen wir nicht auf das? Sondern auf die Dinge, die wir nicht sind, können oder haben? Ja, ich habe ein paar Kilos zugenommen. Na und? Muss ich so schön und dünn sein wie ein Topmodel? So reich wie Bill Clinton? Nein, muss ich nicht. So, wie ich bin, bin ich gut genug.

Wir vergessen oft, was für ein Glück wir doch haben. Dinge, die für andere nicht selbstverständlich sind, scheinen wir vergessen zu haben. Wissen wir das, was wir haben, nicht zu schätzen? Heißt es nicht, dass wir unglücklich sind, weil wir undankbar sind? Wie kann es sein, dass Menschen, die kaum etwas besitzen, glücklich sind? Wie schaffen es diese Menschen nur? Und wie können kranke Menschen mit Einschränkungen zufrieden ihr Leben leben? Und wie kann es sein, dass Menschen, die immens viel besitzen – im Sinne von Geld und materiellen Güter – unglücklich sind?

Es ist so einfach und doch so schwer. Ist doch alles eine Frage der Einstellung. Wir vergleichen uns ständig mit anderen.

Dabei wusste doch schon Søren Kierkegaard, dass das Vergleichen das Ende des Glücks ist und der Anfang der Unzufriedenheit. Wir fokussieren uns viel zu sehr auf die negativen Seiten im Leben. Wir sollten klein anfangen und uns selbst lieben lernen, auf die positiven Dinge in unserem Leben blicken und sofort aufhören uns zu vergleichen. Wir sind so, wie wir sind, gut. Um uns gut zu fühlen und letztendlich glücklich(er) zu sein, gehört eine Einstellungsänderung.

Glücklich sein heißt, du selbst zu sein und dich selber zu lieben.

Das Schöne ist, dass eine Einstellungsänderung, ein sogenannter Perspektivwechsel, nichts kostet. Alles findet in unserem Kopf statt. Alles, was wir dafür tun müssen, ist, das Negative gegen das Positive einzutauschen. Das hört sich leichter an, als es ist. Aber selbst kleine Schritte sind ein Anfang und führen zum Ziel. Negative Menschen und Gedanken nach und nach aus dem Leben streichen und dadurch Platz für Dinge schaffen, die uns guttun. Dankbarkeit hilft, die Dinge zu sehen, die man hat. Positive Glaubenssätze ersetzen die Negativen. Aus einem: „Und ich war NUR in Spanien“ wird ein „Wow, ich war in Spanien.“ Aus einem: „Ich brauche das neue iPhone“ wird ein: „Mein Smartphone/Handy funktioniert einwandfrei und ich brauche kein Neues.“ Und aus einem: „Ich brauche mehr Geld, um glücklich zu sein“ wird ein: „Ich bin dankbar, dass ich nicht hungern muss, ein Dach über dem Kopf habe und der Konsumwahn kann mir gestohlen bleiben.“ Wir fühlen uns nicht schön, weil wir uns mit den Topmodels vergleichen und mit Menschen aus der Werbeindustrie, deren Bilder wohlgemerkt bearbeitet sind. Selbst wenn wir nicht aussehen wie Topmodels, so sind wir doch alle einzigartig und Schönheit liegt noch immer im Auge des Betrachters.

Ich bin glücklich, weil ich mich so annehmen kann, wie ich bin. Weil ich aufgehört habe, nur auf die Dinge zu schauen, die ich nicht habe. Vielmehr sehe ich nun all die vielen wundervollen Schätze, die ich in meinem Leben habe. Ich habe gelernt, weniger haben zu wollen und dafür mehr zu sein. Dazu musste ich nicht viel tun, außer den Schalter umlegen und den Fokus ändern. Einstellung sei Dank!

6. Oktober 2020