Wissenschaft & Technologie

Wie wenig Ahnung kann ein Mensch von einer Sache haben?

Elon Musk, 45, wurde mit PayPal zum Multimillionär. Dann beschloss er, das beste Elektroauto der Welt zu entwickeln – ohne einen blassen Schimmer von Autos oder Elektroantrieben zu haben. Damit nicht genug: Er gründete auch noch eine Raumfahrtfirma mit dem Ziel, Raketen zu bauen, die den Mars erreichen sollen. Heute sind Tesla und SpaceX Milliardenunternehmen. Wie tickt ein Mensch, der die Welt verändert?

Gerald Schwarzinger23. März 2017 No Comments

Den Traum hatte er bereits als zehnjähriger Junge in Pretoria, Südafrika: „Ich möchte zum Mars fliegen“, sagte er zu seinem Vater, einem Maschinenbauingenieur. „Wollen wir das nicht alle“, lächelte dieser. Viele Jungen in seinem Alter haben solche Träume. Aber mal ehrlich: Wie viele davon verwirklichen sie auch?

Elon Musk führt zwei der kreativsten Firmen der Welt, die anfangs nichts anderes waren als ein Traum: Mit Tesla baut er heute die besten Elektroautos der Welt. Und mit SpaceX schickt er schon jetzt Raketen in den Orbit und plant als großes Ziel die Besiedelung des Mars. Anfangs belächelt, sind beide Companies mittlerweile Milliardenunternehmen. Musks Anteil an Tesla ist laut FactSet 6,74 Milliarden US-Dollar wert. Und SpaceX wird auf einen Wert von rund 8 Milliarden US-Dollar eingestuft.

Bei Tesla beschäftigt Musk mittlerweile 10.600 Menschen weltweit, bei SpaceX 3.500. Wochenende kennt der Workaholic keines, auch auf Familienleben verzichtet er. Gestartet hat Elon Musk aber mit ganz anderen Produkten: einem Branchenverzeichnis im Internet und einem Bezahldienst. Er wuchs in Südafrika auf, spürte dort aber, dass er sein technisches Interesse nur im Silicon Valley ausleben können wird. Mit 17 Jahren wanderte er nach Nordamerika aus.

Failure is not an option.

Seine erste Station war Kanada. Um Geld zu verdienen suchte er sich am Arbeitslosenamt die Jobs nach der höchsten Bezahlung aus:
18 Dollar die Stunde war die beste Entlohnung, um in einem Sägewerk Heizkessel zu reinigen. Zu Beginn der Woche traten 30 Personen diese Arbeit an, am Ende der Woche waren nur noch Elon Musk und zwei weitere Männer übrig: „Mit einer Schaufel muss man den Sand, klebriges Zeug und andere Reste herausbefördern, die immer noch glühend heiß sind, und man muss durch das gleiche enge Loch schaufeln, durch das man gekommen ist“, erinnert er sich an die Tortur zurück. „Wenn man länger als 30 Minuten dort drinnen bleibt, wird es zu heiß und man stirbt.“ Wenn sich Musk also in eine Sache verbeißt, ist ein Nein keine Option.

Zip2 – Sein erstes Start-up.

1994 begann der Boom im Netz mit Verzeichnisdiensten wie Yahoo! und dem Netzwerkbrowser Netscape. Sein Bruder Kimbal und er waren von der neuen Technologie schwer begeistert und überlegten, welche Idee sich daraus nutzen ließe. Sie  beschlossen, kleineren Unternehmen helfen zu wollen, eine Präsenz im Internet aufzubauen: Zip2 soll ein durchsuchbares Verzeichnis von Unternehmen aufbauen und es in Karten einbinden – damals eine revolutionäre Idee! Elon übernahm die erste Programmierung für den Dienst, Kimbal kümmerte sich um den Aufbau des Tür-zu-Tür-Vertriebs. Das Geschäft verlief mehr als schleppend.

Anfang 1996 investierte jedoch die Wagniskapitalfirma Mohr Davidow Ventures drei Millionen Dollar in das junge Unternehmen und später bot der PC-Hersteller Compaq sogar 307 Millionen Dollar in bar an. Elon Musk war angekommen im Olymp der Dotcom-Millionäre mit einem Anteil im Wert von 22 Millionen Dollar.

Bezahlen per E-Mail.

Elon Musk war klar: Das ist erst der Anfang, das nächste Projekt muss schnell größer
werden. Banken in der realen Welt gehörten schon damals seiner Meinung nach der Vergangenheit an. Also startete er eine Online-Bank: X.com. Es ging um Finanzdienstleistungen, ein heikles Gebiet, wo viel schiefgehen kann. Der Anfang war schwierig, doch bald schenkten mehr als 200.000 Menschen Musks Versprechen einer Revolution im Bankensektor Glauben und meldeten sich bei X.com an.

Zwei andere smarte Gründer hatten ähnliche Gedanken: Max Levchin und Peter Thiel arbeiteten gerade an ihrem Bezahlsystem PayPal. Die beiden Unternehmen lieferten sich schnell einen erbitterten Kampf darum, alle Funktionen des anderen zu bieten und mehr Nutzer zu gewinnen. Wer schneller groß wird, das wussten sie, macht das Rennen. Um Kunden zu gewinnen, wurde echtes Geld verschenkt: PayPal zahlte 20 Dollar für jeden neuen Kunden und 10 weitere für jeden Kunden, der zusätzlich gewonnen wird – eine Promotionaktion, die 100.000 US-Dollar am Tag kosten sollte. Im März 2000 beschlossen beide Firmen die Versuche, sich gegenseitig vom Markt zu drängen, einzustellen und gemeinsame Sache zu machen. Der Name PayPal blieb nach längeren Diskussionen übrig. PayPal hat heute mehr als 230 Millionen Kunden, 8.000 Mitarbeiter und macht 8 Milliarden US-Dollar Umsatz.