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Wohntrends der Zukunft

Wie werden unsere Häuser, Wohnungen und Städte der Zukunft aussehen?

Christina Zappella-Kindel31. Juli 2018 No Comments

Durch die wachsende Weltbevölkerung verkleinert sich der uns zur Verfügung stehende Wohnraum. Nicht nur, dass es immer mehr Menschen in die Großstädte zieht, Architekten werden durch das kontinuierliche globale Bevölkerungswachstum vor neue Herausforderungen gestellt. Bis 2050 soll die Weltbevölkerung auf knappe 10 Milliarden Menschen anwachsen. Dabei sind China, Indien und die USA die Länder mit der größten Bevölkerungsdichte in den städtischen Ballungszentren. Im Jahr 1950 waren rund 25 Prozent der weltweiten Bevölkerung in Großstädten angesiedelt. 2050 soll dieser Prozentsatz auf 75 Prozent anwachsen.

Welche neuen und längerfristigen Bau-Alternativen könnte es in Zukunft geben? Wie können knappe Bauressourcen geschont werden, um die Umwelt keiner zusätzlichen Belastung auszusetzen?

Begrünte Dächer – Helden der Wärmeregulierung

Kleine Schritte im Alltag reichen oft schon aus, um im Wohnbereich Großes zu bewirken. So reicht das in Behältern gesammelte Regenwasser meist zur Begrünung von Dächern und Terrassen aus. Damit wird Trinkwasser gespart und Regenwasser optimal genutzt. Die Begrünung von Dächern hat nicht nur positive Auswirkungen auf die CO2-Reduktion, sie liefert außerdem eine perfekte Dämmung für das Wohngebäude und eine autarke Temperaturregulierung für Winter und Sommer.

Sand als endliche Ressource

In unserer heutigen Welt wird das Sandvorkommen stärker und häufiger als Erdöl beansprucht. Beispielsweise brauchen wir Sand nicht nur zur Produktion von Zement und anderen Baumaterialien, sondern auch um Kosmetika, Reinigungsmittel, elektronische Geräte und sogar Nahrungsmittel herzustellen. Unserer Welt wird aber in absehbarer Zeit sprichwörtlich der Sand durch die Finger rinnen – Sand ist eine endliche Ressource und deren Ausbeutung hat auf lange Sicht drastische Auswirkungen auf unser Ökosystem. Durch das Abpumpen des Sandes aus Flussbetten und die Nutzung von Meeressand schrumpft das natürliche Sandvorkommen; Sand wird auch nicht mehr rück- gewonnen oder neu eingespeist (zum Vergleich: Solarenergie ist praktisch unendlich verfügbar). Das marine Ökosystem wird sukzessive zerstört, Korallenriffe vernichtet. Auf die Fischerei hat das Abpumpen von Meeressand verheerende Auswirkungen. Vor allem im indischen Ozean ist das ein großes Problem. In etwa 25 Ländern, unter anderem den Malediven, werden durch den Sandabbau viele Inseln bedroht und in absehbarer Zeit verschwunden sein. Es stellt sich die Frage, warum der Sand nicht einfach aus der Wüste geholt wird? Immerhin scheint hier

das Sandvorkommen quasi unendlich zu sein. Die Problematik besteht in der Beschaffenheit des Wüstensandkorns. Für die Bauindustrie eignet sich ausschließlich Quarzsand, der durch seine körnige, grobe Beschaffenheit ein ideales Material vor allem für Beton abliefert. In der Wüste ist die Sandbeschaffenheit aber zu fein und zu rund. Die Oberfläche liefert somit keine griffige Struktur, die für die Bauindustrie essentiell ist. Die Gebäudestruktur würde in kürzester Zeit nachgeben und zerbröckeln. Andere Baumaterialien wie Stroh, Lehm, Bambus oder Holz wären in der Bauindustrie eine ideale und umweltschonende Alternativen. Sie werden aber nur zu einem Bruchteil gebraucht und sind weit davon entfernt, massentauglich eingesetzt zu werden – die Bau- und Industrielobby wusste das bisher zu verhindern. Es gibt die Möglichkeit einer Sand-Rückgewinnung durch recyceltes Glas. Durch einen feinen Mahlvorgang wird das Glas in seine Ursprungsform, nämlich Sand, zurückgesetzt. Der Produktionszyklus läuft dabei quasi in die andere Richtung, zu seinem Ursprung zurück. Es liegt an jedem Einzelnen, durch das Recyceln von Glas etwas zur Rückgewinnung von Sand bei- zutragen.

Von „Tiny Houses“ bis zur mobilen Autarkie

Ob Wohngemeinschaften, mobile kleine Wohnräume oder „Co- Housing“-Projekte – die Wohnkultur durchläuft einen Wandel. Die Auseinandersetzung mit unserem Wohnraum beschäftigt die Gesellschaft mehr denn je. Nicht nur, dass der zur Verfügung stehende Wohnraum durch die wachsende Bevölkerung knapper zu werden scheint, es beginnt ebenso ein Umdenken in Richtung nachhaltiges Wohnen und „Re-Use“ bestehender Wohnobjekte und -flächen. Konzepte wie der mobile autarke Wohnwagon, der auf kleinstem Raum alles anbietet, was man für ein unabhängiges Leben braucht, erleben gerade einen re- gelrechten Boom. Unsere Gesellschaft sucht nach neuen We- gen und Formen des Zusammenlebens. Dabei stehen Luxus und großer Wohnraum längst nicht mehr im Vordergrund. Die Wohnwagon-Gründer, Theresa Steininger und Christian Frantal, haben mit ihrem Wagon ein Wohnkonzept geschaffen, das aus- schließlich auf Autarkie und Mobilität aufgebaut ist. Ausgestattet mit einer Biotoilette, einem Wasserkreislaufsystem mit Grünkläranlage und einer gekoppelten Solar-Badeofen-Heizung bietet der Wohnwagon alles, was man zu leben braucht. Unabhängigkeit und der Luxus, Dinge auch wegzulassen, sind nach Steininger wichtige zukünftigen Wohntrends unserer Gesellschaft.

Auch das Nexus Haus, ein Wohnprojekt der Technischen Universität München und der University of Texas, bietet neue Wohnkonzepte und Wohnerlebnisse der besonderen Art. Es ist, ebenso wie der Wohnwagon, ein autarker Wohnkomplex, der seine Energieressourcen durch eine Solaranlage einspeist. Das Haus ist fast zur Gänze aus nachhaltigen Materialien gefertigt und versorgt seine Bewohner mit einem Belüftungssystem und einem eigenen Wasserkreislauf. Die überschüssige Energie wird in ein Warmwasserdepot umgelegt, das wiederum heißes Dusch- und Kochwasser zur Verfügung stellt. Das entstehen- de Grauwasser wird in einem unterirdischen Tank aufgefangen und bewässert im nächsten Schritt die Nutzpflanzen, die im Gemüsegarten angelegt wurden. Eine weitere Besonderheit des Nexus Hauses ist das Aquaponik-System. Dieses System ist eine Mischung aus Fisch- und Pflanzenproduktion, wobei die Pflanzen ohne Erde und nur in Wasser heranwachsen. Zwei Behältnisse stehen dabei in einer Wechselwirkung und Zirkulieren das Wasser, sodass sowohl Fische als auch Pflanzen voneinander profitieren – das Wasser wird durch die Pflanzen gereinigt und gefiltert, die Fischausscheidungen dienen als Pflanzendünger.

Im Unterschied zum Wohnwagon wird das Schwarzwasser im Nexus Haus in einem Tank gesammelt und bei erreichtem Volumen entleert. Der Wohnwagon hingegen zirkuliert sein Wasser in einem Wasserkreislaufsystem und reinigt das verschmutzte Wasser durch einen separaten Filter mit Aktivkohle und Umkehrosmose. Dadurch wird wieder trinkbares Was- ser hergestellt. Durch das gesammelte Regenwasser wird das Nexus Haus mit Trinkwasser versorgt, welches aber ebenso wie beim Wohnwagon zuerst durch eine Aufbereitungsanlage laufen muss, bevor es genießbar ist. Lebens- und Wohnräume sind universell gestaltbar. Ob Wohnwagon oder Minihaus, jede Art von nachhaltigem Wohnen und Leben ist aus ökologischer Sicht wünschenswert. Die amerikanische Architektin Jennifer Siegal hat mit ihrem „Joshua Tree“ Fertighaus eine autarke Wohneinheit geschaffen. Die Wohneinheit war früher ein alter Transportcontainer. Dieser autarke Wohnkomplex geht soweit, dass es nicht einmal Wasser oder Elektrizität gibt. Auch Siegal vertritt die Ansicht, dass der Wohnraum mobil bleiben muss. Ihr Projekt „Joshua Tree Prefab“ soll als mobiler Platz zum Schlafen, Essen und Entspannen dienen.

Dass „tiny houses“, also möglichst kleine Wohnhäuser, völlig ausreichen, zeigt das Wohnkonzept von Jay Shafer. Der Amerikaner baute sich sein eigenes Wohnhaus, so klein und nützlich wie nur möglich. Ganze 12m2 Wohnfläche misst sein Haus. Obendrein ist es mobil. Denn in Amerika müssen Häuser laut Gesetz eine Mindestfläche von 12 Quadratmetern aufweisen, um als Haus zu gelten. Außer es handelt sich um ein mobiles Gefährt. „So what“ – Shafer hat sein kleines Haus durch Räder mobil gemacht. Nach dem Architekten geht es nicht mehr nur um Umweltfreundlichkeit, sondern auch um die Frage, was der Mensch heutzutage wirklich braucht. Denn ein Haus mit viel Platz ist letzten Endes Platzverschwendung und dadurch nicht lebendig.

Der niederländische Architekt Dré Wapenaar integriert Zeltkonstrukte und Zeltsysteme in die Umwelt und schafft dadurch ein völlig neues Wohnraumkonzept. Seine Baumzelte, die stark an überdimensionale grüne Birnen erinnern, ermöglichen ein unmittelbares schlafen in der Natur. Eine „Baumbirne“ trägt bis zu 300 kg und ist mit zwei Fenstern ausgestattet.



Holz – die Bauressource der Zukunft

Erwin Thoma, der Holzbaupionier aus Österreich, ebnete den Weg des Holzhäuserbauens. Er zeigte auf, wie man Häuser komplett aus Holz bauen kann und machte damit diesen nach- wachsenden Rohstoff als wichtigste Bauressource salonfähig. Der Ansatz zum kreativen und nachhaltigen Bauen mit Holz hat sich mittlerweile bei mehreren Architekten und Projekten in vielen Ländern etabliert. Der LifeCycle Tower im österreichischen Vorarlberg, kurz LCT One, ist das erste energieeffiziente Bürohochhaus-Projekt, das mit Holz und Beton arbeitet. Dieser achtstöckige Wolkenkratzer zeigt, dass mit Holz auch mehrstöckige Baukomplexe geschaffen werden können. Die komplexe Aufgabenstellung, den Brandschutzauflagen zu entsprechen, ist hier gelungen. Der LTC One ist der erste Wolkenkratzer die- ser Art, der obendrein durch seine Bauweise den CO2-Ausstoß reduziert.

Die schwedischen Architekten Olof Grip und Josef Eder arbeiten an einem Hochhausprojekt, welches zur Gänze aus Holz bestehen soll. Das sogenannte „Cederhuset“, ein Zedernhaus, soll das höchste Holzhaus der Welt werden. In Anbetracht der großen Holzvorkommen in Schweden kein Problem. 120 Wohnungen soll das Holzhaus beherbergen, auf insgesamt 13 Stockwerken. Und auch in Wien soll ein innovatives Holzhausprojekt verwirklicht werden. In der Seestadt Aspern plant Immobilien-Investor Günter Kerbler ein Holzhochaus, das zu 3⁄4 aus Holz bestehen soll. Das „HoHo Wien“ soll ein über 80 Meter hoher Hybridhaus-Koloss werden und bis 2018 fertig gestellt sein. Ein weiteres spannendes Holzbauprojekt, das auch hier wieder vor den Herausforderungen der Brandschutzbestimmungen steht.

Wohnen und Arbeiten im Baumstamm

Schon 1982 sprach die WHO (Weltgesundheitsorganisation) vom „Sick Building Syndrom“, wenn bei 10 bis 20% der Bewoh- ner eines Gebäudes unspezifische Beschwerden auftreten. Die Symptome können von Übelkeit, Schlaflosigkeit, Allergien und Atembeschwerden bis zu Krebserkrankungen reichen. Schad- stoffe in der Innenraumluft, verursacht durch die Ausdünstun- gen von Leimen, Teppichklebern und Möbellacken, werden unter anderem dafür verantwortlich gemacht. Der Gesetzgeber setzt auf Schadensbegrenzung durch CE-Kennzeichnung von Baumaterialien und verbesserte Lüftungstechnik. Doch wie wäre es, beim Bauen von Anfang an auf Giftstoffe zu verzichten? Ein kompletter Bau aus Holz ermöglicht diese positive Ver- änderung des Raumklimas.

Büroluft wie im Wald

Den Bewohnern des neuen Wohn- und Bürogebäudes im Schweizer Zweisimmen geht es gut. Sie leben und arbeiten ohne belastende Innenraumluft. Sascha Schär von N11 Architekten GmbH war durch ein Buch von Erwin Thoma auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht worden, Häuser rein aus Holz – ohne Leim und Nägel – zu bauen. Holz100 heißt das Weltpatent, das der österreichische Unternehmer und Förster Thoma im Jahr 1998 anmeldete. Er hatte die Erfindung eines Nachts bis ins Detail geträumt und hernach den Mut gefasst, seine Vision in die Tat umzusetzen. Heute baut er seine Dä- cher, Wände und Decken aus einem einzigen Material: Holz aus nachwachsenden Wäldern. Holz, das bei abnehmendem Mond in den Wintermonaten geerntet wird. Denn dadurch erlangt es eine viel bessere Widerstandkraft gegen schädigende Insekten und Feuchtigkeit

Holz100-Elemente werden im Werk durch mehrere Lagen Holzbretter vorgefertigt und dann mittels stark vorgetrockneter Buchendübel verbunden. Durch die Restfeuchte in der Konstruktion quellen die Dübel wieder auf und verbinden die Bretter zu „bombenfesten“ Elementen. Diese Konstruktion hat hervorragende Eigenschaften bezüglich Wärmedämmung, Hitzeschutz, Brandsicherheit und Strahlenschutz. Gleichzeitig entsteht in einem Holz100-Haus ein einzigartiges Wohnklima, ein Lebensgefühl „wie im Wald“. 2011 wurde Thoma für seine Bauweise übrigens als weltweit einziger Bausystemhersteller mit dem Öko- label Cradle-to-Cradle Gold ausgezeichnet.

Solares Direktgewinnhaus

Zurück nach Zweisimmen: Von weitem schon sieht man das Gebäude wie einen großen Baumstamm aus der Landschaft ragen. Besonders originell gestaltet sich die Fassade. Um die Baumstämme möglichst als Ganzes zu verwerten und unnötigen Abfall zu vermeiden, entschlossen sich die Bauherrn, die Holzschwarten (äußerste Schicht des Stammes) als Fassadenelemente einzusetzen. Dahinter befindet sich eine 2 cm-Weichfaserplatte, 6 cm Flachsdämmung und dann das 30,6 cm dicke

Holz 100 Thermo-Wandelement. Dieses alleine hat einen zertifizierten Wärmeleitkoeffizienten mit Lambda 0,079W/mK, das ist der Weltrekord unter allen tragenden Baustoffen.

Es war erklärtes Ziel der Bauherren, ein Haus ohne Heizung zu realisieren und gleichzeitig – im Gegensatz zum üblichen Passivhaus – auf wartungsintensive und teure Haustechnik zu verzichten. Die guten Eigenschaften der verwendeten Baumaterialien (Holz, Lehm,…) erlauben es, ohne künstliche Entlüftung und zusätzliche Gebäudetechnik auszukommen.

Nach dem Ein Haus ohne Motto „weniger ist mehr“ zeigt das Pilotprojekt, dass ökologisches Bauen auch ohne Mehrkosten funktionieren kann – vorausgesetzt es wird klug geplant. Sehr erfreulich für die Umwelt und die eigene Brieftasche ist auch, dass sich die Bauteile am Ende ihrer Lebensdauer wieder in natürliche Kreisläufe integrieren lassen (Cradle-to-Cradle), ohne hohe Entsorgungskosten und Sondermüllabgabe. Doch wie funktioniert ein Haus ohne Heizung? Der Energieeintrag in ein Gebäude kann prinzipiell durch konventionelle Heizwärme erfolgen, aber auch durch die Abwärme von Personen, Beleuchtung, Haushaltsgeräte und das Nutzen der passiven Sonnenenergie. Für letzere ist es nötig, dass genügend Baumasse vorhanden ist.

Diese absorbiert die Solarstrahlung, speichert sie und gibt sie dann bei Bedarf als Raumwärme wieder ab. Der Effekt ist in jeder Jahreszeit angenehm, wärmend im Winter und kühlend im Sommer. Für genug Speichermasse sorgt beim Haus in Zweisimmen neben der gewählten Massivholzbauweise eine zusätzliche Schicht Stampflehm auf den Holz-Betonverbunddecken. Nach Fertigstellung wurde die Temperatur im Gebäude ein Jahr lang genauestens aufgezeichnet. Sascha Schär, Architekt und Bauherr, ist glücklich: „Es ist für uns eine große Befriedigung in diesem Haus zu wohnen und zu arbeiten. Die Atmosphäre entspricht ganz unseren Vorstellungen. Das Gebäude zeigt als Start Up- Projekt unsere Firmenphilosophie und wir haben auch von der Fachwelt bis jetzt nur positive Rückmeldungen bekommen.“

Vertikal bauen mit Holz

Noch sind mehrgeschoßige Holzbauten bei uns selten zu finden. Gewöhnlich zweifelt man an der Brandsicherheit. Dabei ist diese bei Holz100-Wänden sogar deutlich besser als bei Stahlbetonbauten! Versuchsreihen zeigen, dass einer Holz100- Wand selbst bei 150 Minuten Beflammung mit 900 Grad Celsius ihre statische Tragfähigkeit behält. Hier gilt es Bewusstsein zu schaffen für die tollen Eigenschaften dieses heimischen, nach- wachsenden Baustoffs! Den N11 Architekten brachte die Mehrgeschoßigkeit ihres Gebäudes einen entscheidenden Vorteil: Die Grundfläche konnte dafür sehr klein ausfallen. Als Bauplatz wählte man einen brach liegenden Zwischenraum im Gewerbegebiet aus. Hier durfte laut Bauordnung bis zu 16 m hoch ge- plant werden. Die fortschreitende Zersiedelung der Landschaft ist besonders in der kleinen Schweiz ein heikles Thema und die Architekten sind stolz, dass für ihren Neubau in Zweisimmen kein wertvolles Kulturland geopfert werden musste. Dem vertikalen Bauen mit Holz steht eine große Zukunft bevor. Im österreichischen Leogang wurde der europaweit erste 7-geschoßige Hotelbau ganz aus Holz100-Elementen realisiert . Beim ersten Bauabschnitt 2008 plante man noch eine Heizung ein. Durch die exzellenten Wärmedämmeigenschaften der Konstruktion stellte sich diese aber bald als viel zu leistungsstark für das Gebäude heraus. Daher verzichtete man beim Erweiterungsbau 5 Jahre später auf eine weitere Heizung. Die kleine Anlage des ersten Hotelabschnitts bedient jetzt den Neubau mit, inklusive Mitarbeiterhaus und Schwimmbad am Dach.


MOBILES UND AUTARKES LEBEN IM WOHNWAGON

Interview mit Theresa Steininger

Wie und wann entstand die Idee zum Wohnwagon?

Bei der Ideenentwicklung war es einerseits immer eine philosophische Komponente. Was braucht man wirklich für ein gutes Leben und wie könnte Wohnen in Zukunft aussehen, sodass man unabhängiger von diesem „Hamsterrad“ wird. Mein Geschäftspartner, Christian Frantal, hatte ein Gemeinschaftsgut wo das Thema Autarkie wieder spruchreif wurde. Und da kam die Überlegung, wie kann ich im Grünen bleiben, ohne dem Platz weh zu tun oder diesen vielleicht sogar noch zu bereichern? Da ist die Idee zum Wohnwagon entstanden.

Wie ist der Wohnwagon ausgestattet?

Der Wagen ist modulartig gebaut. Wir haben drei unterschiedliche Größen mit 6 Metern, 10 Metern und einen Wagen mit ausziehbarem Erker. Auch die Autarkie kann ich mir schrittweise zusammenstellen, bis zur vollen Unabhängigkeit und Autarkie. Je nach Wunsch und Bedürfnis des Kunden. Ausgestattet ist der Wohnwagon mit einer Biotoilette, einem Wasserkreislaufsystem mit Grünkläranlage und eine gekoppelten Solar-Badeofen- Heizung. Wir wollten mit dem Projekt zum Einen zeigen, dass autarkes Wohnen möglich ist und das auch gut geht.

Ist das Bewusstsein für mobiles autarkes Wohnen in unserer Gesellschaft schon angekommen?

Es ist gerade ein Prozess im Gang, der in den letzten Jahren begonnen hat. Es gibt in unserer Gesellschaft immer noch genug, die sich über ihre Autos und Häuser als Prestigeobjekt definieren. Es hat sich auch der Wohnraum in den letzten 40 Jahren massiv geändert. Was an Wohnfläche pro Person gebaut wird und zur Verfügung steht hat sich seit den siebziger Jahren verdoppelt. Aber ich glaube es entsteht gerade ein Umbruch. Wir haben auf unser Projekt sehr gutes Feedback bekommen.

Welchen Stellenwert hat das Wohnen heute?

Stehen Luxus und Gier an erster Stelle? Der eigentliche Luxus unserer Zeit liegt im Weglassen und die kleinen Dinge mit ihrer eigenen Seele auf sich wirken zu lassen. Immer mehr Leute, quer durch alle Altersschichten, auch Leute die Einfamilienhäuser gebaut haben, die dann den Wohnwagon betreten, durchatmen und sagen „ja, ich brauch nicht mehr“. Das ist auch beim Wohnen so. Man muss sich auf das reduzieren was man wirklich braucht, weg vom „Industrieschrott“ hin zum Essentiellen. Aber das Umdenken findet bereits statt.

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