Arts & DesignMagazin

Wolf D. Prix – der Himmelsstürmer

Wolf D. Prix, mit seinen Partnern als Coop Himmelb(l)au Weltstars der Architektur, baute die EZB in Frankfurt, die BMW-Welt in München und das Musée des Confluences in Lyon. Im OOOM-Gespräch mit Gerald Matt erzählt er über die Kompromisslosigkeit seiner Arbeit, die Zwergpudelmentalität der Österreicher — und was sie mit den Rolling Stones gemein haben.

Gerald Matt23. März 2017 No Comments

Im OOOM-Gespräch mit Gerald Matt. (Foto: Stephan Doleschal)

Mit Helmut Swiczinsky und Michael Holzer haben Sie 1968 Coop Himmelb(l)au entwickelt. Wie kann man sich Ihre Zusammenarbeit vorstellen?
In Kürze: Ideen gemeinsam entwickeln, das Spiel aufbauen, Pässe zuspielen, und dann den genialen Pass mit unvorsehbaren Chancen, Tiki Taka, wie es der FC Barcelona perfekt beherrscht.

Architektur ist vornehmlich Planung. Welche Rolle spielt der  Zufall?
Planung hat für mich mit Ahnung zu tun. Der Zufall spielt eine essenzielle Rolle in der Architektur, in meiner Architektur, so wie in der Evolution, in der Lösungen erprobt werden und jene, die sich bewähren, weiterentwickelt werden. Das ist auch die Basis einer offenen Gesellschaft, um einen Begriff von Karl Popper zu verwenden.

Sie haben E-Gitarre gespielt. Inwieweit hängt Musik und Architektur für sie zusammen?
Ich spiele noch immer. Musik und Architektur haben sehr viel miteinander zu tun. Ich kenne keinen guten Architekten,  der nicht an Musik interessiert ist. Ich liebe Berg und Bach und vieles mehr.

„Architektur muss brennen“, haben Sie Anfang der 1970er Jahre geschrieben, ein Aufruf zur Leidenschaft oder Pathos der Zerstörung?
Da geht es um Leidenschaft, aber nicht um Zerstörung, dann wäre ich ja Sprengmeister.

Muss gute Architektur immer kontroversiell sein?
Ja.

Am Anfang Ihrer Arbeit standen experimentelle Projekte wie „Villa Rosa“ oder „Gelbes Herz“, mobile Wohnräume, pneumatische Wohneinheiten aus Ballons und Schläuchen. Waren das Ihre Luftschlösser?
Ja. Pneumatik gab uns die  Möglichkeit, Räume schnell und billig herzustellen. Wir hatten damals keine Aufträge und da habe ich mich selbst beauftragt. Architektur zu machen, ohne einen Auftrag zu haben, das vermisse ich bei jungen Architekten.

Heute scheint Architektur vielen Menschen fremd zu sein. Welche Rolle spielt der  Mensch in Ihrer Arbeit?
Eine absolut zentrale Rolle. Gebäude haben nicht nur physischen, sondern auch psychischen Charakter. Architektur gibt dabei Gestalt und Charakter. Sie dient zur menschlichen Identifikation. Unsere Bauten  schaffen Heimat. Was anfangs als Fremdes abgelehnt wird, wird oft schon nach kurzer Zeit  angenommen. Unsere EZB gilt jetzt schon als Architekturikone Frankfurts.

23. März 2017