Arts & DesignMagazin

Wolf D. Prix – der Himmelsstürmer

Wolf D. Prix, mit seinen Partnern als Coop Himmelb(l)au Weltstars der Architektur, baute die EZB in Frankfurt, die BMW-Welt in München und das Musée des Confluences in Lyon. Im OOOM-Gespräch mit Gerald Matt erzählt er über die Kompromisslosigkeit seiner Arbeit, die Zwergpudelmentalität der Österreicher — und was sie mit den Rolling Stones gemein haben.

Gerald Matt23. März 2017 No Comments

Coop Himmelb(l)au bauen reale 3D-Modelle ihrer Entwürfe. (Foto: Stephan Doleschal)

Coop Himmelb(l)au war eine wichtige Position in der Ausstellung „Deconstructivist Architecture“, die Philip Johnson und Mark Wrigley im MOMA in New York organisierten. Fühlen Sie sich heute noch wohl mit dieser Etikettierung?
Es gibt viele Stars, aber wenige, die eine Architekturrichtung mitbegründet haben. In Österreich ist das neben Hans Hollein wohl nur Coop-Himmelb(l)au.

Was ärgert Sie am meisten an Österreich und Wien?
Die Zwergpudelmentalitat, diese zunehmende Biederkeit, Mut- und Phantasielosigkeit. Damit ist alles gesagt.

Mies van der  Rohe sagte einmal: „Schönheit ist der Glanz des Wahren.“ Können Sie mit diesem Satz etwas anfangen?
Nein, Schönheit ist keine Kategorie für meine Architektur. Im Gegenteil, ich habe meine Sprache dadurch  gefunden, daß ich z. B. an einem Projekt, einer Installation in Stuttgart, die mir nicht gefiel, konsequent arbeitete. Von da an ging es bergauf.

Architekten scheinen eine besonders hohe Lebenserwartung zu haben, ich denke da an Oskar Niemeyer, der berühmte brasilianische Architekt, der über 100 Jahre alt wurde. Ist das Architektendasein  ein so  erfüllender Beruf oder muss man einfach durchhalten, weil man erst im hohen Alter zum Bauen kommt?
Sowohl als auch. Da muss ich von einem Erlebnis mit Oskar Niemeyer erzählen, der mich, als ich ihn einmal besuchte,  durch sein Atelier führte und vor dem Bild einer nackten Frau stehen blieb. Er sagte : „Look, this is what keeps us alive.“

Oskar Niemeyer sagte in seinem Buch „Wir müssen die Welt verändern“ auch: „Die Architektur ist nur ein Vorwand. Wichtig ist das Leben.“ Teilen Sie diese Haltung?
Recht hat er.

23. März 2017