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Wolfgang Rest: Durch die Wand

Wolfgang Rest gehört zu den renommiertesten Film- und TV-Produzenten Österreichs: „Tatort“, „Dennstein & Schwarz“, „Die Fremde und das Dorf“ oder „Tom Turbo“ sind ­einige seiner bekanntesten Produktionen. Sein neuer Kinofilm „Der Totengräber im Buchsbaum“ kam um ein Haar nicht zustande, weil der Filmfonds Wien das „Altherrenprojekt“ mit Manuel Rubey, Robert Stadlober, Harald Schrott und Hanns Zischler nicht fördern wollte. Doch Rest und Drehbuchautor August Schmölzer ließen sich nicht unterkriegen und produzierten um nur 2,85 Millionen Euro ein Stück Zeitgeschichte. OOOM war beim Dreh dabei und sprach mit Rest, was es heißt, in Österreich Filmproduzent zu sein.

Georg Kindel14. November 2021 No Comments

Herr Rest, Sie haben in nur 30 Tagen den Kinofilm „Der Totengräber im Buchsbaum“ abgedreht, ein Stück österreichischer Zeitgeschichte, gezwungenermaßen mit einem Minibudget.
Rest: Wir hatten 35 Drehtage budgetiert – und das war schon ambitioniert – die wir uns dann leider nicht leisten konnten. Wir haben dann auf 30 reduzieren müssen. Wir hatten ursprünglich vier Millionen Euro budgetiert, was für einen historischen Kinofilm nicht viel ist, doch nun ist es nochmals deutlich weniger.

Wir hatten letztendlich nur 2,85 Millionen Euro zur Verfügung und mussten um eine ganze Drehwoche reduzieren. 

Was bedeutet das für einen Produzenten: Längere Drehtage, schnelleres Arbeiten, weniger Wiederholungen von Szenen
Rest: Ja, man kann weniger wiederholen, man muss schneller sein, Drehorte nach logistischen Aspekten auswählen, nicht nach dramaturgischen, weil man es sich nicht leisten kann, untertags an einen anderen Ort zu übersiedeln. Gerade bei einem historischen Film ist das schwer. Auch einen Dreh in Kroatien mussten wir von sechs auf drei Tage kürzen. Natürlich ist das ein Verlust. Aber wenn man es sich nicht leisten kann, dann kann man es sich einfach nicht leisten.

Das geht nur mit einem routinierten und disziplinierten Team.
Rest: Wir haben mit Peter Keglevic einen wirklich großartigen und sehr erfahrenen Regisseur, der auch eingebunden war in die Entscheidung: Wollen wir den Film unter diesen schwierigen Voraussetzungen überhaupt machen oder nicht?

Wie schwierig war die Entscheidungsfindung?
Rest: Wir beide brennen so sehr für dieses Projekt, dass wir gesagt haben: Wenn es irgendwie machbar ist, dann machen wir es. Mit Peter Zeitlinger haben wir einen grandiosen Kameramann, mit dem ich seit seinem ersten Kinofilm „Tunnelkind“ 1989 zusammenarbeite – von „Kaisermühlenblues“ bis „MA 2412“ – und der als Kameramann alle Werner- Herzog-Filme gemacht hat. Nur mit Profis wie diesen beiden kann man sich auf so ein Projekt einlassen. Man wird hoffentlich nicht allzu sehr merken, dass dem Film etwas fehlt. 

Sie haben wie jeder österreichische Film für unterschiedlichste Förderungen angesucht. Diese wurden Ihnen – man glaubt es kaum für so einen wertvollen historischen Kinofilm – zum Teil verwehrt.
Rest: Die Stadt Wien hat eine Förderung abgelehnt, was mich sehr getroffen hat. 

Sie haben so viele erfolgreiche Kinofilme und TV-Serien gedreht, zuletzt gerade den „Tatort“.
Was ist der Grund für eine solche Absage?
Rest: Wir wurden vom Filmfonds Wien sehr uncharmant als „Altherrenprojekt“ bezeichnet. Ich bin kein Teenager mehr, Peter Keglevic, Peter Zeitlinger und August Schmölzer, der das Drehbuch verfasst hat und eine wichtige Rolle spielt, auch nicht.

Mir wurde gesagt, dass dieses Projekt nicht förderungswillig ist. Die weiteren Argumente will ich gar nicht nennen. Nur so viel: Ich war sprachlos.

Ernsthaft? Das Kriterium der Stadt Wien, ein solches Kinoprojekt nicht zu fördern, war, dass es lauter routinierte Filmemacher umsetzen wollten?
Rest: Unser Thema basiert auf einem Roman, der Mitte der 1960er-Jahre spielt mit Rückblenden in die 1940er- Jahre, wo die Gesellschaft natürlich männerdominierter und das Frauenbild ein ganz anderes war. Unser Polizeikommandant, unser Bürgermeister, unser Bestatter – das sind alles Männerrollen, so wie es in dieser Zeit der Fall war. Wir haben nur wenige Frauenrollen im Film. Das hat alles dazu beigetragen, dass die Stadt Wien die Förderung abgelehnt hat, nämlich zur Gänze.

Was sehr selten bis gar nicht passiert, oder?
Rest: Ich habe damit nicht gerechnet. Wir wollten in Wien drehen und die gesamte Postproduktion in Wien machen, das Team besteht hauptsächlich aus Wienern. Dass man dann in seiner Heimatstadt so stiefmütterlich behandelt wird, ist schon bitter. Wir drehen jetzt nur mehr dort in Wien, wo es sich nicht vermeiden lässt. Wir werden dankenswerterweise vom Land Steiermark und vom Land Niederösterreich gefördert und haben wirklich nur mehr die wenigen Drehorte in Wien, für die wir vergleichbare Locations in der Steiermark oder in Niederösterreich nicht finden konnten. 

Werden die Förderungen in Österreich nicht – so erzählt man uns in der Filmbranche – oft an befreundete Produzenten vergeben, schanzt man sich da gegenseitig in den Kommissionen etwas zu?
Rest: Würde ich es so sehen, würde ich es nicht sagen. Es ist selbstverständlich so, dass man lieber Freunden als Feinden etwas zukommen lässt. Aber ich glaube, dass das österreichische Filminstitut sehr bemüht ist, wirklich unterstützend zu sein, auch wenn wir da weniger bekommen haben, als wir erhofft haben. Aber das sind Kommissionsentscheidungen, ich hab auf die Zusammensetzung der Kommissionen keinen Einfluss. 

Ist für jeden Film eigentlich eine andere Kommission zuständig?
Rest: Das wechselt ab und natürlich gibt’s bei diesen Systemen immer Vor- und Nachteile. 

Wie viel Förderung hat Ihr Film vom ORF bekommen?
Rest: 85.000 Euro.

Von acht Millionen Euro, die der ORF jährlich ins Filmabkommen einbezahlt, also gerade mal etwas mehr als 1% des Budgets, und das für einen Kinofilm?
Rest: Ja. 

14. November 2021