Inspiration

Yoga im Baum

Wir wissen heute, dass ein Waldspaziergang unser Immunsystem stärkt. Es gibt immer mehr Studien zu Therapie mit Bäumen, die bestätigen, dass Bäume sich nicht nur positiv auf unsere Gesundheit auswirken, sondern auch zu unserer Verjüngung beitragen. Das gilt auch für Yoga. Wir wissen schon lange, welch heilende Wirkung Yoga auf unseren Organismus hat. Warum also nicht eine Verbindung schaffen?

Namita Herzl7. August 2018 No Comments

In Indien traf ich einen Sufi, welcher mir erzählte, dass er seit Jahrzehnten jeden Morgen Yoga auf der Spitze des Banjambaumes ausübt. Ich fragte mich, wie das möglich sei, und hörte gespannt seinen Erzählungen zu. Seines Erachtens ist der Vorteil von Yoga im Baum, dass das Gleichgewicht sehr fokussiert trainiert wird, und wir gleichzeitig eine Verbindung mit dem Baum aufbauen können. Es ist wichtig bei Yoga im Baum absolut im Moment zu sein, denn sonst fallen wir. Begeistert von seiner Erzählung, versuchte ich mein Glück im Apfelbaum, der in unserem Garten steht. Es ist tatsächlich beeindruckend! Ich kann bestätigen, Yoga im Baum hat einen ganz anderen Effekt, als jede andere Technik, die ich bisher probiert habe. Ich habe drei Gründe gefunden, warum jeder Praktizierende, Yoga auch mal im Baum ausprobieren sollte! Unser Immunsystem liebt die Natur! Der erste Grund liegt auf der Hand. Es geht um unsere Gesundheit! Warum machen wir überhaupt Yoga? Die meisten Menschen scheinen mit Yoga zu beginnen, weil sie etwas für ihre Gesundheit tun wollen. Etwa weil der Rücken so sehr schmerzt oder weil der Arzt gesagt hat, dass es endlich Zeit wäre, um Sport zu machen. Dabei ist Yoga im Baum äußerst unterstützend, denn mittlerweile weiß sogar die Wissenschaft, dass Bäume unsere Gesundheit stärken. Dies hat bereits Roger Ulrich 1984 im Rahmen einer Studie herausgefunden, worin er entdeckte, dass Patienten, die vom Spitalsbett auf einen Baum blickten, durchschnittlich einen Tag früher entlassen wurden als Patienten, die lediglich auf eine Mauer sahen. Ulrich erkannte dabei, dass die Natur einen äußerst positiven Effekt auf unsere Genesung hat. Seitdem haben zahlreiche Studien seine Ergebnisse bestätigt. So entdeckte der Psychologe Marc G. Berman unter anderem, dass zehn zusätzliche Bäume in einem Häuserblock die durchschnittliche gesundheitliche Verfassung der Einwohner um ein Vielfaches verstärken. Unsere Gesundheit scheint sich drastisch zu verbessern, sobald wir Bäume in der Nähe haben, und dieses Wissen dürfen wir auch nutzen.

Innere und äußere Balance 

Der zweite Grund bezieht sich ebenfalls auf unsere Gesundheit. Jedoch referiere ich hier nicht auf unser Immunsystem, sondern auf das Gehirn. Wenn wir im Baum einen Ast finden, der stabil genug ist, dann können wir unser Gleichgewicht trainieren, indem wir uns auf dem Ast auf ein Bein stellen. Somit üben wir das Balancieren, ähnlich wie beim Slacklinen. Es ist bekannt, dass regelmäßiges Gleichgewichtstraining die Konzentration fördert und unser Gehirn trainiert. Wenn wir das Gleichgewicht halten können, verstärken wir unsere koordinative Fähigkeit, und damit können wir dafür sorgen, dass unser trainiertes Gehirn schneller reagiert. Studien zeigen uns heute, dass wir uns mit einem guten Gleichgewichtstraining präventiv vor Alzheimer schützen. Die Schulung von Koordination, Wahrnehmung und Gleichgewicht ist extrem unterstützend für unsere geistige Fitness, und kann somit unsere Vergesslichkeit hinauszögern. Dies zeigt uns, dass wir bei Yoga im Baum nicht nur unser Immunsystem durch die heilende Kraft des Baumes stärken, sondern auch unser Gehirn trainieren, wenn wir im Baum Yoga-Übungen machen, die unseren Gleichgewichtssinn schulen. Sowohl unsere innere, als auch unsere äußere Balance wird
gestärkt und ausgeglichen.

Eine Beziehung zu Bäumen aufbauen

Mancher Leser mag sich spätestens an dieser Stelle des Artikels denken: „Eine Beziehung? Mit einem Baum? So ein esoterischer Schwachsinn!“ Doch was vor ein paar Jahren noch verlacht war, wird heutzutage immer populärer: das Umarmen von Bäumen. Im Buch „Blinded by Science“ beschreibt Matthew Silverstone die heilende Wirkung von Bäumen und Pflanzen auf unseren Organismus. Die direkte Kontaktaufnahme zu einem Baum, auch „tree therapy“ genannt, ist ein Trend, der langsam erwacht. Das, was wir erst seit wenigen Jahren mit Studien erforschen, wissen die östlichen Kulturen schon lange. Bereits im Zen oder Taoismus wird auf die äußerst positive Wirkung vom Bäumen auf unsere Gesundheit hingewiesen. Der direkte Kontakt zu Bäumen soll unser Immunsystem regenerieren und uns glücklicher machen. Die Therapie mit Bäumen ist eine alternative Therapie, die davon ausgeht, dass wir durch direkten Kontakt unser elektromagnetisches Feld regulieren. Matthew Silverstone sagt dazu, dass der Kontakt zu Pflanzen all unsere Funktionen im Körper aktiviert und unsere geistige Gesundheit fördert. Bäume und Wälder können angeblich positive Ionen, mit denen wir uns durch elektronische Geräte aufgeladen haben, in negative Ionen umwandeln. Unser Körper wird in der Gegenwart eines Baumes sozusagen transformiert und gereinigt. Dies führt dazu, dass Menschen, die oft in der Gegenwart eines Baumes sind, weniger Stress verspüren und weniger müde sind. Nach Taoistischen Lehren können wir sogar eine Freundschaft zu einem Baum aufbauen, die bei jeder neuen Begegnung gestärkt wird. Dies soll unsere innere Ruhe sowie unser Mitgefühl gegenüber der Natur stärken. Wenn wir zurückdenken an die Ursprünge des Buddhismus, scheint es kein Zufall gewesen zu sein, dass Gautama Buddha unter einem Banjambaum erwachte. Vielleicht hatte auch er eine Freundschaft mit dem Baum aufgebaut? Welche Eigenschaften Bäume genau auf unsere Gesundheit haben, wird sicherlich weiter erforscht werden. Wir sind gerade erst in den Kinderschuhen dieser Forschung angelangt. Was die östliche Philosophie schon lange weiß und praktiziert, beginnen wir erst zu entdecken. Doch Studien hin oder her, ich mache Yoga im Baum, weil es Spaß macht, sich in Bäumen aufzuhalten, weil die Blüten und Früchte des Baumes duften und weil es auch ein kleiner Nervenkitzel ist, das Gleichgewicht dort oben zu trainieren. Yoga im Baum ist für alle Menschen empfehlenswert, die bereits Yoga praktizieren und keine Höhenangst haben. Anfängern würde ich allerdings raten erst mal am Boden zu beginnen.

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