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Im Gespräch. Günter Kerbler – Die Zukunftstower

Immobilien-Tycoon Günter Kerbler baut in der Wiener Seestadt Aspern das höchste Holzhochhaus der Welt mit 24 Etagen. 65 Millionen Euro investiert er in den 84 Meter hohen grünen Tower, der neue Maßstäbe für den Bau nachhaltiger Gebäude setzen soll. Anfang 2019 werden die ersten Mieter einziehen. In OOOM präsentiert Kerbler sein zukunftsweisendes Projekt und die innovativen Pläne dahinter.

Georg Kindel12. Juni 2018 No Comments

Starke Nachfrage. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit wurde der erste Gebäudekomplex gerade fertiggestellt. 19.500 Quadratmeter Mietfläche wird das HoHo Wien insgesamt haben. Die Nachfrage ist groß, Kerbler bei der Wahl der Mieter wählerisch: „Wir wollen Unternehmen im Haus haben, die das Konzept auch verstehen.“ Da sich das HoHo Wien noch in Bau befindet, können die künftigen Mieter  ihre individuellen Sonderwünsche deponieren.

In einem Büro aus Holz zu arbeiten, hat eine ganz andere Qualität als zwischen Betonwänden und komplexen Metallkonstruktionen. Die Fichtenholz-Büro- und Gewerbeflächen sind weltweit einzigartig, ebenso das gesunde Raumklima. „Das Büro der Zukunft“, so ist Günter Kerbler überzeugt, „ist hochmodern und trotzdem nachhaltig“.

„Das gesamte Holz, das hier verwendet wird“, ergänzt seine Marketingchefin Romana Hoffmann, „ist in nur einer Stunde und 17 Minuten in den Wäldern Österreichs nachgewachsen. Wir verwenden PEFC-zertifiziertes Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung.“ Und sie rechnet vor: In Österreich wachsen jährlich 30 Millionen Kubikmeter Holz nach, davon werden 26 Millionen Kubikmeter genutzt. Die restlichen vier Millionen Kubikmeter verbleiben im Wald und vergrößern so stetig den Holzvorrat. Das bedeutet, dass in jeder Sekunde ein Kubikmeter Holz nachwächst.

Wirtschaftszentrum. Auch das Umfeld der Seestadt ist einzigartig. Am multifunktionalen Standort Aspern entsteht ein pulsierendes Wirtschaftszentrum im Grünen, direkt am See. Gerhard Schuster ist als Vorstandsvorsitzender der Entwicklungsgesellschaft Wien 3420 AG dafür verantwortlich, bis 2028 eine Stadt in der Stadt samt Infrastruktur zu bauen, in der 20.000 Menschen leben und arbeiten werden. Wer ins Zentrum Wiens fahren möchte, benutzt schon jetzt die unmittelbar angrenzende U-Bahn-Station Seestadt und steigt in nur fünfundzwanzig Minuten in der Innenstadt aus.

Ausgerechnet ein Holzhochhaus? Wer Günter Kerbler kennt, hätte mit vielem gerechnet, aber wohl nicht damit, dass er das höchste Holzhochhaus der Welt baut. Wobei: Der Multiunternehmer schwimmt gerne gegen den Strom. Er investiert, wenn sich niemand anderer an ein Projekt wagt. „Er traut sich einfach was“, beschreibt ihn ein Wiener Kollege aus der Branche, der nicht genannt werden will. „Damit hat er unglaublichen Erfolg.“

Bankier. Kerblers Gespür für erfolgreiche Projekte hat ihn die letzten Jahrzehnte zu einem der größten Immobilieninvestoren Österreichs und einem internationalen Player gemacht. Seine Hotel-, Villen- und Resortanlage in der Dominikanischen Republik mit 3.500 Betten wird von Experten auf einen Wert von zumindest 300 Millionen US-Dollar geschätzt. Mit Hollywood-Star Richard Gere wollte er auf der karibischen Halbinsel Samaná in ein einen Quadratkilometer großes Grundstück investieren und eine Anlage mit exklusivem Hotel, Retreat und einer Privatklinik bauen, die Pläne haben sich jedoch zerschlagen. Seine Anteile an der Wiener Privatbank, die er mit Partner Johann Kowar hält, will er um 36,85 Millionen Euro an die slowakische Arca Capital des Milliardärs Pavel Krúpa verkaufen, sofern die Finanzmarktaufsicht FMA und am Ende auch die Europäische Zentralbank dem Deal zustimmen. Auch an der Gerstner Gruppe, der neben der k.u.k. Hofzuckerbäckerei vor allem auch die Austria-Hotels wie das Hotel de France in Wien oder das Schloss Weikersdorf gehören, ist er beteiligt. Der Hauptfokus liegt aber nach wie vor auf klassischen Immobilieninvestments.

1,5 Milliarden wert. Bereits in den 1980er-Jahren legte Kerbler den Grundstein für sein Immobilienimperium. Er kaufte sein erstes Zinshaus und verkaufte es um das Doppelte weiter. 1988 gründete er seine erste Immobilienfirma, ab den 1990er-Jahren gehörte er – bis heute – zu den größten Immobilieninvestoren des Landes. 2001 gründete er schließlich mit seinem Partner Johann Kowar die conwert Immobilien Invest AG, die ab 2002 an der Börse notierte. Der Fokus lag auf dem Kauf, der Sanierung und Vermietung von Altbau-Wohnungen. Zeitweise besaß die conwert mehr als 1.000 Objekte im In- und Ausland und war 1,5 Milliarden Euro wert. Bis 2007 war Kerbler Vorstandsvorsitzender der conwert, nach drei Bypass-Operationen warf er aus gesundheitlichen Gründen das Handtuch, 2009 verkaufte er schließlich seine Anteile, schied im Jahr darauf ganz aus der conwert aus und gründete die Kerbler Holding mit Sitz in Wien.

Hellers Garten. Günter Kerbler sitzt in seinem Büro im Parkring-Tower, direkt über dem Gartenbaukino, und schaut aus dem Fenster auf die haushohen Bäume, die entlang der Ringstraße stehen. Es ist ein Blick ins Grüne mitten in der Wiener Innenstadt. Seit einer Herzoperation hat der Unternehmer versucht sein Leben zu ändern. Er lebt bewusster, gesünder, meditiert, interessiert sich für Buddhismus, genießt die Natur. So kaufte er André Hellers Villa samt dem „Giardino Botanico“ in Gardone Riviera am Gardasee: „Ich nehme mir immer wieder auch eine Auszeit.“ www.hoho-wien.at

Mit dem HoHo Wien zeigt Günter Kerbler, dass er nach wie vor den richtigen Riecher besitzt. Und Geduld. Denn bis die Seestadt Aspern fertig ist, wird noch einige Zeit vergehen. Aber dann wird es kaum jemanden geben, der nicht in dieser Oase arbeiten oder leben will.

12. Juni 2018